Ohne Sprache keine Arbeit

Ausreichende Sprachkenntnisse spielen für die Integration von Migranten eine wesentliche Rolle. „Sprache ist nicht Alles, aber ohne Sprache ist alles Nichts“, bringt Prof. Dr. Hermann Funk von der Friedrich-Schiller-Universität ihre Bedeutung für den Integrationsprozess auf den Punkt. „Vor allem ist ohne Sprache keine Qualifikation möglich“, betont der Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik und Methodik Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.

Bei der Fachtagung „Sprachliche Bildung und Integration“, die am 13./14. Juli an der Friedrich-Schiller-Universität stattfindet, geht es unter anderem um die Frage, wie die benötigten Sprachkenntnisse vermittelt werden können und welche besondere Rolle die Hochschulen dabei spielen. Die Veranstaltung wird im Rahmen des bundesweiten Integrationsprogramms gemeinsam vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Institut für Auslandsgermanistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführt.

„Sprache sachgerecht und kompetent zu vermitteln ist keine Selbstverständlichkeit. Jeder denkt, er weiß, wie es geht, aber das ist nicht so“, betont Prof. Funk. Daher befasst sich die Fachtagung, zu der 120 Teilnehmer erwartet werden, unter anderem mit innovativen Ansätzen des Lehrens und Lernens von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Möglichkeiten zur Qualitätsentwicklung der Aus- und Fortbildung im Bereich sprachliche Bildung.

Dass die Fachtagung in Jena stattfindet – obwohl in der Stadt und in ganz Thüringen nur relativ wenige Migranten leben – ist kein Zufall. Die Auslandsgermanisten Hermann Funk und sein Kollege Prof. Dr. Hans Barkowski haben an der Friedrich-Schiller-Universität einen Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache gebildet. Aufgrund ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema Migration und Sprache ist ihre Expertenmeinung häufig gefragt. Zum Beispiel auch im Vorfeld des Integrationsgipfels, der am Donnerstag in Berlin stattfindet.

Prof. Funk widmet sich besonders dem Thema Deutsch als Zweitsprache im Beruf, denn: „Integration heißt Integration in die Arbeitswelt“. Gerade hier seien gute Deutschkenntnisse besonders wichtig, wie die hohen Abbrecherquoten in der Berufsausbildung von Migranten zeigen würden. „Manche denken, ihre Sprachkenntnisse reichen aus, da sie im Alltag gut zurechtkommen. In der Ausbildung stehen sie dann plötzlich vor einer Situation, in der die Sprachanforderungen spezieller und differenzierter werden und daran scheitern Migranten oft“, beschreibt der Jenaer Auslandsgermanist eines der Probleme. Daher müsse man Migranten rechtzeitig auf die sprachlichen Anforderungen der Arbeitswelt vorbereiten, so Funk weiter. Eine Möglichkeit dazu ist das Online-Lernprogramm „Sprachtraining Beruf“ (www.sprachtraining-beruf.de), das im Institut für Auslandsgermanistik im letzten Jahr im Rahmen eines BMBF-Drittmittelprojektes entwickelt wurde und das nun weiter ausgebaut werden soll.

Zur aktuellen Diskussion über Zuwanderung und Integration unterstreicht Prof. Funk: „Der manchmal vermittelte Eindruck, Ausländer wollten kein Deutsch lernen, ist völlig falsch. In der Regel bemühen sie sich sehr, die Sprache zu lernen.“ Der Erfolg hänge aber auch stark von der Einstellung der aufnehmenden Gesellschaft ab. „Wir müssen uns fragen: Bieten wir den Migranten genügend Lern- und Kontaktmöglichkeiten? Was tun wir zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft?“, nennt Funk Beispiele. Um dies erfolgreich durchzuführen, müssen die angebotenen Lernmöglichkeiten nach neuesten didaktischen Erkenntnissen strukturiert und das Lehrpersonal muss fachlich aus- und weitergebildet sein, wie die Jenaer Forschungen zeigen. Dies wird auch die Fachtagung deutlich machen.

Die Auftaktveranstaltung am Freitag (13.07.) findet ab 10.30 Uhr in den Rosensälen (Fürstengraben 27) der Universität Jena statt. Am Samstag geht es um 9.00 Uhr weiter.

Kontakt:
Prof. Dr. Hermann Funk
Institut für Auslandsgermanistik / Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944361
E-Mail: hermann.funk[at]uni-jena.de

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Axel Burchardt idw

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