Drachenburg seit gestern Feuer und Flamme für den Umweltschutz

Bundespräsident eröffnete neue Dauerausstellung zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland – DBU förderte mit fast einer Million Euro

Die Vorburg des Schlosses Drachenburg in Königswinter ist seit gestern offiziell Feuer und Flamme für den Umweltschutz. Bundespräsident Johannes Rau eröffnete eine neue Dauerausstellung, mit der in einem der ältesten Naturschutzgebiete in Deutschland ein Ort des Sammelns, der wissenschaftlichen Forschung und der öffentlichen Information zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland entstanden ist. Die „Stiftung Naturschutzgeschichte“ als Träger versteht dieses Projekt nicht als historisches Museum, sondern als lebendigen Ort, an dem geschichtliches Wissen bewahrt, aufgearbeitet und in den gesellschaftlichen Dialog um eine naturverträgliche und nachhaltige Zukunftsentwicklung in Deutschland eingebracht werden soll. Zu den Rednern der Einweihungsfeier gehörte auch Prof. Dr. Hans Tietmeyer, Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die das Projekt mit fast einer Million Euro unterstützte.

Zu umweltbewusstem Verhalten befähigen

Anlässlich der Ausstellungseröffnung betonte Tietmeyer gestern, das Kuratorium der DBU habe sich 1997 zu einer Förderung dieses ambitionierten Projektes entschieden, weil Menschen durch Umweltinformation und -bildung Qualifikationen erwerben sollten, die sie zu einem umweltbewussten Verhalten befähigten und anregten. Ziel von Umweltbildung müsse es sein, ökologische Systeme in ihrer Vernetztheit und Komplexität besser zu verstehen und so auch den Zusammenhang zwischen Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft und Politik zu erkennen.

Um gezielte Umweltkommunikation bemüht

Umweltbildung könne und müsse in verschiedenen Bereichen stattfinden. Neben der mehr oder weniger „unbewussten“ Umweltbildung im Alltag durch Familie und Medien hätten sich gerade in den letzten Jahren verstärkt Umweltzentren und Museen, aber auch Naturschutzorganisationen, Zoologische Gärten oder Nationalparkhäuser um eine gezielte Umweltkommunikation bemüht.

In Deutschland bisher keine Einrichtung dieser Art

Allerdings habe bislang in Deutschland keine Einrichtung existiert, die sich ausdrücklich mit den Wechselwirkungen der Geschichte des Natur- und Umweltschutzes einerseits und den gesellschaftspolitischen und kulturellen Entwicklungen in Deutschland andererseits auseinander gesetzt und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe. Doch gerade durch die systematische Aufbereitung und öffentlich zugängliche Präsentation dieser Grundlagen und Erkenntnisse könnten die Wurzeln, Wege und Ziele von Umwelt- und Naturschutz im Bewusstsein der Menschen noch stärker als bisher verankert werden.

Innovativer und modellhafter Ansatz

Die neuartige Museumskonzeption sehe einen Dreiklang aus Archiv, Museum und Forum zur Präsentation des vorhandenen Wissens und gewonnener Erkenntnisse im Bereich der Natur- und Umweltschutzgeschichte vor. Aus Sicht der DBU werde mit der Verknüpfung dieser drei Hauptelemente ein innovativer und modellhafter Ansatz verfolgt. Er könne sich positiv auf Erkenntnisfortschritt, Präsentation und Vermittlung des vorhandenen Wissens auswirken und zugleich der Öffentlichkeit ermöglichen, Fragen der Geschichte von Mensch und Umwelt besser einzuschätzen und zu bewerten.

Keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen

Besonders wichtig erscheine in diesem Zusammenhang, dass die Einrichtung sich nicht als Konkurrenz für bestehende Umweltbildungsstätten und Akademien oder für Bildungsarbeit der Natur- und Umweltschutzverbände verstehe. Im Gegenteil: Wichtige, auch an anderer Stelle bereits erfolgreich durchgeführte Bildungs-, Forschungs- und Vermittlungsarbeit auf dem Gebiet der Natur- und Umweltschutzgeschichte könnten und sollten in Königswinter zusammengeführt und in Kooperation mit in Frage kommenden Institutionen und Verbänden weiterentwickelt werden.

Kristallisationspunkt für nationale und internationale Bildungsarbeit

Damit bestehe die große Chance, diesen Standort mittelfristig zu einem Kristallisationspunkt für nationale und internationale Bildungs- und Archivierungsarbeit im Bereich der Umweltgeschichte zu entwickeln. So schwierig es auch sein möge, Umweltschutz könne auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn die Mehrheit in der Bevölkerung ihn mittrage. Mit dem umgesetzten Konzept könne an diesem Ort ein wichtiger Beitrag zu diesem Ziel geleistet werden.

Dauer- und Wechselausstellungen

Mit Dauer- und Wechselausstellungen, Vortragsreihen, Symposien, Diskussionsveranstaltungen, Exkursionen und Printmedien eröffne das Museum allen Interessierten die Möglichkeit, sich mit entwicklungsgeschichtlichen Aspekten der Natur- und Kulturlandschaft, der ökologischen Verträglichkeit von Technologien und Industrien oder den Ursprüngen von Landschaftswahrnehmung und Landschaftsveränderung zu befassen.

Neuartiges, virtuelles Archiv

Diese und weitere Elemente des Gesamtkonzeptes, wie die moderne didaktische Konzeption der Ausstellung, das neuartige „virtuelle“ Archiv und das schlüssige, zielgruppenspezifische Umweltbildungskonzept, hätten das Kuratorium der DBU bewogen, dieses Vorhaben zu fördern. Die Geschichte des Natur- und Umweltschutzes in Deutschland sei im Vergleich zu anderen Ländern sehr vielseitig, wechselvoll und auch politisch höchst interessant. Daher sei sie es wert, umfassend aufgearbeitet, dokumentiert und auch nutzbar gemacht zu werden. Das Archiv, Forum und Museum fülle dabei eine erhebliche Lücke im Institutionen- und Instrumentariensystem des Natur- und Umweltschutzes.

Breites Spektrum potenzieller Besucher

Die Besonderheit des Standortes sei dabei zugleich Chance und Herausforderung, neue, innovative Vermittlungs- und Kommunikationsformen, die ein möglichst breites Spektrum potenzieller Besucher ansprechen, zu erproben. Mit der Sammlung, Präsentation und Vermittlung von einschlägigen Informationsmaterialien und Forschungsergebnissen könne an dieser Stelle ein wichtiger Beitrag für die innovative Fortschreibung dieses Wissensbereiches geleistet werden.

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