Qualitäts-Sicherung soll Zahl der Röntgenuntersuchungen reduzieren

Eine konsequente Qualitätssicherung, strengere Indikationsstellungen sowie der Einsatz moderner Technik kann die Zahl der Röntgenuntersuchungen in Deutschland reduzieren. Dies betonen Experten auf dem Deutschen Röntgenkongress, der vom 23.-26. Mai in Wiesbaden stattfindet.

(Wiesbaden) In Deutschland steht zur Zeit die Novellierung der Röntgenverordnung an. „Ein Grund dafür“, so Professor Ulrich Mödder, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft, „ist die im europäischen Vergleich deutlich höhere Zahl von Röntgenuntersuchungen.“ Während hier zu Lande Mitte der 90er Jahre 1,24 Röntgenuntersuchungen pro Kopf der Bevölkerung registriert wurden, kamen beispielsweise Schweden, Dänen, Niederländer oder Briten mit weniger als der Hälfte aus.

Im Jahr 1994 lag die Gesamtzahl der jährlichen ambulanten Röntgenuntersuchungen, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet wurden, in Deutschland bei 83,15 Millionen, im Jahr 1997 bei 83,4 Millionen. Dies belegt eine Untersuchung des Instituts für Strahlenhygiene des Bundesamtes für Strahlenschutz, die auf dem Röntgenkongress präsentiert wird.

Allerdings nehmen Radiologen nur 21 Prozent der Untersuchungen vor, so genannte Teilgebiets-Radiologen, etwa Orthopäden, Internisten und Chirurgen, hingegen 79 Prozent. Dies belegen andere Erhebungen. Der Grund für dieses Ungleichgewicht ist die „Selbstüberweisung“. Während der Radiologe nur dann tätig wird, wenn ein anderer Arzt die Untersuchung anordnet und ihm den Patienten dazu überweist, ordnen Teilgebiets-Radiologen die Untersuchung nicht nur an, sondern führen sie auch durch – und rechnen entsprechend ab.

„Durch konsequente Qualitätssicherungsmaßnahmen“, formuliert Mödder die Position der Deutschen Röntgengesellschaft, „könnte die Zahl der Röntgenuntersuchungen deutlich reduziert werden.“ So sank in den USA nach Einführung von Leitlinien zur Qualitätssicherung die Zahl der von Radiologen erbrachten Untersuchungen um sechs Prozent und die der Teilradiologen sogar um 63 Prozent. „In Deutschland ließen sich durch solche Maßnahmen und eine strengere Indikationsstellung ähnliche Verbesserungen erzielen“, vermutet Mödder.

Durch Gründung und Ausbau der Akademie für radiologische Fort- und Weiterbildung, die bei anderen Facharzt-Gruppen sowie im europäischen Ausland inzwischen starke Beachtung findet, ist die Deutsche Röntgengesellschaft inzwischen für solche Aktivitäten bestens gerüstet.

Auch eine möglichst rasche Einführung digitaler Bildsysteme sowie der elektronische Austausch von Bilddaten dürfte nach Meinung der Deutschen Röntgengesellschaft die Strahlenbelastung und Zahl der Untersuchungen weiter vermindern.

Wenig verspricht sich Mödder hingegen von einer Ausweitung anderer bildgebender Verfahren, die keine ionisierenden Strahlen benötigen: Schon jetzt liegt die Bundesrepublik bei den Ultraschall-Untersuchungen international an der Spitze. Die Kosten dafür belaufen sich jährlich auf fünf Milliarden Mark. „Eine weitere Steigerung“, so Mödder, „ist ökonomisch nicht mehr zu verantworten und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht von Nutzen für die Patienten.“ Auch ein Ersatz der Computer-Tomographie durch die Magnetresonanz-Tomographie, die einige Arztgruppen anstreben, würde nach Meinung des DRG-Präsidenten wohl eher zu einer unkalkulierbaren Mengenausweitung der Leistungen als zu einer gezielten Reduktion der Strahlenexposition genutzt.

Pressekonferenz
Deutscher Röntgenkongress 2001
22. Mai 2001
11.00 Uhr, Saal 1a, Ebene I
Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden
Eingang über: „Atrium“, Rheinstr. 20

Pressestelle: Barbara Ritzert; ProScientia GmbH, Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
Tel.: 08157/93 97-0; Fax: 08157/93 97-97; E-Mail: ritzert@proscientia.de

Während der Tagung 23. – 26. Mai 2001:
Regine Schulte Strathaus, Rhein-Main-Hallen,
Büro Nr. 3, Ebene 1
Tel.: 0611/144-203; Fax: 144-403

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Ulrich Mödder
Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft
Direktor des Instituts für Diagnostische Radiologie
der Heinrich-Heine-Universität
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Tel.: 0211-8117752; Fax: 0211-8116145
E-Mail: moedder@med.uni-duesseldorf.de

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Dipl. Biol. Barbara Ritzert idw

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