Laboratorium Mensch

Den Begriff „Aufklärung“ benutzen vor allem Wissenschaftler als feststehende Epochenbezeichnung für eine Zeit, in der prominente Denker wie Kant, Leibniz oder Lessing dazu aufriefen, sich von Konventionen zu befreien. Der eigentliche Wortsinn des Begriffs – also das Streben nach Wissen, nach Antworten, nach Erhellung – geht dabei oft unter.

Die Nachwuchswissenschaftler der Doktorandenschule „Laboratorium Aufklärung“ der Universität Jena greifen diese Herangehensweise während eines Workshops am 22. und 23. Oktober wieder auf und stellen den in den Mittelpunkt, von dem das alles ausgeht: den Menschen.

„Wir nähern uns ihm dabei von drei Seiten: Zum einen betrachten wir den Menschen als Subjekt wissenschaftlicher Forschung, also als jemand, der aktiv nach Wissen strebt“, erläutert Anne Fuchs, Mitorganisatorin der Veranstaltung. „Zum anderen stellen wir uns natürlich Fragen über den Menschen als Gegenstand der und Mittel zur Forschung.“ Dementsprechend ist auch der Workshop „Laboratorium Mensch“ in drei Bereiche geteilt: Aufklärung, Anthropologie und Ästhetik. In den drei Sektionen stellen jeweils sechs Doktoranden ihre Promotionsprojekte vor und zur Diskussion. „Wir wollten eine Diskussionsplattform für junge Wissenschaftler bieten, damit sie neue Impulse für ihre Arbeit bekommen“, sagt die 30-jährige Historikerin. „Die große Resonanz bestätigt uns, dass das eine richtige Idee war.“

Jedem dieser Teilgebiete steht ein namhafter Experte vor, der die Gespräche leitet und Tipps geben kann. Alle drei – Dr. Wolfgang Burgdorf aus München, Dr. Rainer Godel aus Halle und Prof. Dr. Dirk Oschmann von der Universität Jena – halten am Freitag, dem 22. Oktober, öffentliche Einführungsvorträge.

Die 18 Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus der Schweiz, Belgien und Lettland. So bunt wie das Teilnehmerfeld sind auch die Vortragsthemen. Natürlich geht es um große Denker wie Wieland, Lessing oder Norbert Elias, die Referenten finden aber oft den Bezug zur Gegenwart. So spricht etwa Benjamin Merkler von der TU Tallin über „Der Mensch im Web 2.0: Ein Schritt zurück vor Kant?“. Andere Wissenschaftler widmen sich abseitigen, aber nicht weniger interessanten Themen wie Simone Aicher aus Regensburg. Sie spricht über „Indianerdarstellungen in ästhetischen, anthropologischen und geschichtsphilosophischen Schriften aus der Zeit um 1800 und ihre Bedeutung für die indianische Gegenwartsliteratur“.

Das Laboratorium Aufklärung ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die Grundlagen der Moderne aus der Epoche der Aufklärung zu untersuchen und mit gegenwärtigen Entwicklungen in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen in Beziehung zu setzen. Das Projekt, das im Landesprogramm „ProExzellenz“ des Freistaates Thüringen gefördert wird, unterhält eine Doktorandenschule. Jährlich stehen 15 Stipendien für Doktoranden zur Verfügung.

Nähere Informationen zum Workshop sind zu finden unter:
http://www.dsla.uni-jena.de/Aktuelles
Die Veranstaltung beginnt am 22. Oktober 2010 um 14 Uhr. Die ersten drei Vorträge von 14.30 bis 18 Uhr sind öffentlich.
Kontakt:
Anne Fuchs
Doktorandenschule Laboratorium Aufklärung der Universität Jena
Jenergasse 8
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944995
E-Mail: anne.fuchs[at]uni-jena.de

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Sebastian Hollstein idw

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