Bei Diskussion um PISA das Schreiben nicht vergessen

In internationalen Vergleichsstudien, allen voran PISA, ist für deutsche Schülerinnen und Schüler ein deutlicher Mangel an Lesekompetenz festgestellt worden. Diese Erkenntnis hat nach heftigen bildungspolitischen Diskussionen zu vielfältigen empirischen und praktischen Bemühungen geführt, zum einen Gründe für die mangelnde Lesekompetenz aufzudecken und zum anderen das Lesen von Schülerinnen und Schülern verschiedener Altersgruppen zu verbessern.

Über die Beschäftigung mit der zentralen Kulturtechnik Lesen ist in der allgemeinen bildungspolitischen Diskussion eine andere wesentliche Kulturtechnik, das Schreiben, eher vernachlässigt worden. Dies ist bedauerlich angesichts der bei den unterschiedlichsten Lernergruppen häufig festgestellten substanziellen Mängel in der Fähigkeit korrekte Texte zu verfassen.

Während sich die Deutschdidaktik in den letzten Jahren intensiver mit dem Schreiben aus der Lehr- und Lernperspektive befasste, wurde die schriftliche Produktion von Texten vor allem in der deutschsprachigen pädagogisch-psychologischen oder entwicklungspsychologischen Forschung insgesamt wenig beachtet. Erst in jüngerer Zeit wurden systematische empirische Untersuchungen zur Verbesserung der inhaltlichen und stilistischen Textproduktion und Textrevision bei deutschen Schülerinnen und Schülern durchgeführt. „Was im deutschsprachigen Raum beinahe vollständig fehlt, ist die interdisziplinäre Verzahnung von fachdidaktischen Ansätzen und systematischer empirischer Untersuchung der einzelnen am Schreibprozess untersuchten Teilprozesse sowie Verfahren zur Implementierung bewährter Schreibmodelle im schulischen Unterricht“, so der Direktor der Erfurt School of Education (ESE) Prof. Dr. Hans Merkens.

Eine Forschergruppe „Schreiben“ hat sich deshalb an der Universität Erfurt zusammengefunden. Die Wissenschaftler aus verschiedenen Fachdisziplinen wollen das Schreiben im Kindes- und Jugendalter gemeinsam aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersuchen. So haben sich Entwicklungs- und Erziehungspsychologen (Prof. Dr. Bärbel Kracke und HD. Dr. Gerd Mannhaupt), Sprach- und Literaturdidaktiker (Prof. Dr. Hartmut Frentz) und Schulpädagogen (Prof. Dr. Manfred Lüders) in der Gruppe zusammengeschlossen. Dies sei ein völlig neuer Ansatz in der Bildungsforschung, betont Merkens, der sich beim Forschungsprojekt in einer Moderatorenrolle sieht.

Die ESE organisiert gemeinsam mit der Forschergruppe „Schreiben“ am 15. und 16. Februar 2007 im Internationalen Begegnungszentrum der Universität (IBZ) einen ersten Workshop im Rahmen der Reihe „Interdisziplinäre Bildungsforschung – Kooperationen für Wissenschaft und Praxis“. Experten aus Köln, Freiburg, Heidelberg, Würzburg und Frankfurt/ Main beleuchten dabei den Stand des Forschungsvorhabens „Schreiben interdisziplinär“.

Das Ziel ist es, das Schreiben von Kindern und Jugendlichen als „individuelle Äußerungen eigener Gedanken“ zu untersuchen. Dabei soll es konkret darum gehen, den Schülern im Zusammenhang mit dem Thema Berufswahl relevante Schreib- und Selbststeuerungsfähigkeiten zu vermitteln. Es soll geprüft werden, in wieweit dies zum einen in besseren Texten mündet und zum anderen die Entwicklung eines differenzierten „berufsbezogenen Selbstkonzepts“ fördert. Projekt und Methoden wurden bereits in der Forschergruppe diskutiert und konzipiert. „Die Ergebnisse des Workshops dienen der weiteren Verbesserung des Projekts“, so Prof. Dr. Merkens.

Die ESE organisiert und koordiniert nach Abschluss der konzeptionellen Phase die Kooperationen mit der Praxis, indem sie geeignete „Partnerschulen“ sucht. Die Partnerschulen im Grund- und Regelschulbereich werden an den Erhebungen beteiligt und können von den Ergebnissen bei der eigenen Schulentwicklung profitieren. Interessierte Schulleiter können sich bei der ESE (Tel.: 0361-737-1750) melden.

Media Contact

Jens Panse idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-erfurt.de/ese/

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