Artguardian: Wächter für Kunstwerke

Fraunhofer-Forscher haben mit Artguardian ein vollautomatisches, intelligentes System entwickelt, das Kunstliebhabern hilft, ihre Objekte optimal zu konservieren. © Fraunhofer ISST<br>art

Fraunhofer-Forscher haben mit Artguardian ein vollautomatisches, intelligentes System entwickelt, das Kunstliebhabern hilft, ihre Objekte optimal zu konservieren. Dank empfindlicher Sensoren können diese der Öffentlichkeit unter den besten Bedingungen zugänglich gemacht werden. Die Lösung ist vom 6. bis 10. März 2012 auf der CeBIT in Hannover zu sehen (Halle 9, Stand E02).

Geschätzte 150 Millionen Kunstwerke sind heutzutage im Handel – in Museen, öffentlichen Räumen und bei privaten Sammlern. Nicht nur wegen ihres materiellen, sondern auch wegen des ideellen Wertes verdienen sie sorgsamen Umgang. Nun ist es weder im Sinne des Künstlers noch der Museen oder Sammler, die Werke in klimatisierten Tresoren wegzuschließen, um sie bestmöglich vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Kunst braucht Öffentlichkeit.

Mit der Kombination moderner Technologien aus Mikroelektronik, Bauphysik und Informationstechnik haben drei Fraunhofer-Institute und ihre Partner eine Lösung entwickelt, die diesen Herausforderungen gerecht wird: »Artguardian besteht aus vier verschiedenen Sensoren, die unsichtbar am Kunstwerk angebracht sind und dort Temperaturen und Feuchtigkeit ebenso aufzeichnen wie Lichtverhältnisse, Stöße oder Bewegungen«, erklärt Dr. Stephan Guttowski vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin. »In regelmäßigen Abständen meldet es die Daten per Funk an eine Basisstation, die sich in der Nähe des Objekts befindet.«

Diese ist mit einer IT-Plattform verbunden, auf die der Eigentümer per Smartphone jederzeit Zugriff hat. So kann er stets überwachen, welchen Umweltbedingungen das Kunstwerk aktuell ausgesetzt ist. Werden vorgegebene Grenzwerte überschritten, schlägt das System automatisch Alarm. Und ist gerade keine Basisstation in der Nähe, etwa auf einem Transport, zeichnet der Sensor die Werte auf, so dass sie später ausgelesen werden können.

Eine ganz besondere Technik erfordern die Lichtsensoren. Da man den Sensor nicht mitten auf einem Gemälde anbringen kann, entwickeln Forscher vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP eine Glasscheibe, die mit Polymeren beschichtet und vor dem Kunstwerk angebracht wird. Diese dünne Schicht lenkt einen Teil des auftreffenden Lichts nach außen zum Rahmen, unter dem winzige Sensoren versteckt sind. »So lässt sich eine Lichtmatrix messen, die Rückschlüsse auf das Gesamtlicht zulässt«, erklärt Guttowski.

Die Crux: »Jedes Kunstwerk erfordert etwas andere Bedingungen, die nicht zuletzt von Zustand und Alter des Objekts sowie den bei der Herstellung verwendeten Materialien abhängig sind«, weiß Ralf Kilian vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen. Artguardian enthält deshalb ein detailliertes Regelwerk zur präventiven Konservierung der Kunstwerke. Es basiert auf Daten, die ein Restauratorenteam des IBP anhand von jahrelangen Erfahrungswerten zusammengetragen hat. Damit lassen sich mögliche Risiken individuell abschätzen und notwendige konservatorische Handlungsempfehlungen geben.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Gerade der Verleih eines Kunstwerks für eine Ausstellung ist ein komplexer logistischer Prozess, bei dem der Eigner sich bisher auf Dritte verlassen musste. »Artguardian ändert das«, betont Dr. Volker Zurwehn, stellvertretender Leiter des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST. »Die IT-Plattform gibt dem Eigentümer die Möglichkeit, über die Sensorik die Bedingungen zu überwachen, in denen sein Kunstwerk aufbewahrt wird. Zudem wäre eine Verbindung zur Hausleittechnik möglich, um das Raumklima nachzujustieren.«

Einige namhafte Museen haben bereits Interesse am Einsatz der neuen Technologie angemeldet. Mit ihnen will man zunächst drei Monate lang in einem Pilotprojekt anhand von Proben Erfahrungen sammeln – etwa darüber, welche Umweltbedingungen verschiedene Materialien auf welche Weise schädigen.

Media Contact

Dr.-Ing. Stephan Guttowski Fraunhofer-Institut

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