Neue Identifikationsmethode von Wirkstoffen gegen Alzheimer

MALT: Hohe biologische Relevanz bei geringem Zeitbedarf

Auf der Analytica, weltgrößte Fachmesse für Lösungen rund um Analytik, Labortechnik und Life Sciences, die bis 28. April in München stattgefunden hat, präsentierten Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein neu entwickeltes zellbasiertes Verfahren im Kampf gegen Alzheimer. Die MultiA-Lebendzelltechnologie (MALT) ermöglicht es, biologisch relevante Wirkstoffe zur Behandlung von amyloiden Erkrankungen wie etwa Alzheimer zu identifizieren, so die Forscher. Das Projekt wurde durch das Bundesforschungsministerium gefördert.

Mit der zunehmenden Alterserwartung der Menschen in den Industriestaaten wird die Gesellschaft immer stärker mit sozioökonomisch bedeutsamen Krankheiten konfrontiert. Dazu gehören auch die Amyloidosen, eine Gruppe von degenerativen, altersbedingten Krankheiten. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Morbus Alzheimer, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und Diabetes mellitus Typ II. Die Pathologie der Amyloidosen konnte bisher nicht ausreichend erforscht werden und es fehlen wirksame Therapiemöglichkeiten.

Bisher wurden zur Wirkstofffindung in diesem Bereich automatisierbare in vitro-Systeme und komplexe Tiermodelle angewandt. „In vitro hat jedoch keine biologische Relevanz: Es wird nur getestet, ob sich die Wirkstoffe an das Ziel binden. Bei Tiermodellen gibt es das Problem, dass mindestens sechs Monate vergehen, bevor das Ergebnis bekannt ist“, erzählt Forscher Simon Sauter im pressetext-Gespräch. MALT vereinigt nun die wichtigsten Vorteile der beiden Methoden. „Hohe biologische Relevanz bei verhältnismäßig geringem Zeitbedarf, gute Automatisierbarkeit und geringen Kosten – dadurch ist es möglich, gezielt Wirkstoffe zur Therapierung von Amyloidosen zu finden, die dringen benötigt werden, aber am Markt bislang nicht existieren“, so Sauter.

Das MALT-Modell besteht aus Makrophagen aus dem menschlichen Blut: Unverzichtbare Funktionszellen des Immunsystems, die bei Alzheimerpatienten ihre Aufgabe nicht ausreichend erledigen können. Um Wirkstoffe identifizieren zu können, werden die Substanzen einfach dem Modell zugefügt. Es werden darauf parallel 96 Tests ausgeführt um nachzugehen, ob die Wirkstoffe die Zellen inhibieren. Zugleich kann getestet werden, ob die Wirkstoffe nicht zu giftig für die Zellen sind.

Wirksame Arzneimittel könnten für die betroffenen Patienten amyloider Erkrankungen die Zeit bis zur Linderung und Heilung ihrer schwerwiegenden Erkrankung verkürzen, sind sich die Jenaer Forscher sicher. „Wir führen bereits Gespräche mit der pharmazeutischen Industrie. Die Technologie ist zum Einsatz bereit“, so Sauter im pressetext-Interview. „An der Automatisierung des Verfahrens muss jedoch noch gearbeitet werden. Derzeit werden bis zu 100 Substanzen pro Woche untersucht. Dieser Wert soll auf bis zu 1.000 gesteigert werden“.

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Reanne Leuning pressetext.austria

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