Kann Wissen über umweltfreundliches Haushalten das Verhalten ändern?

Ein Kooperationsprojekt der GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft / Chance Bürgerservice mit der Universität Mannheim und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften wurde mit einem Sonderpreis beim Umweltpreis 2011 der Stadt Mannheim ausgezeichnet.

In diesem Projekt führen ausgebildete Energiesparberater eine individuelle, kostenlose vor-Ort-Beratung bei Mietern der GBG durch. Sie weisen auf potentielle Strom- und Energiefresser hin und geben Tipps zum energiesparenden Kochen, Waschen und Heizen. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird das Projekt vom GESIS- Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und der Universität Mannheim. Damit sollen wissenschaftlich geprüfte Erkenntnisse über das Umweltverhalten Mannheimer Bürger erhalten und der Einfluss der Beratung auf das Verhalten ermittelt werden, um so die Zielerreichung des Projektes einschätzen zu können.

Wissenschaftlich interessant ist das Projekt deshalb, weil es erstmalig die Wirkung von Wissen auf umweltgerechtes Verhalten untersucht.

Die Determinanten des individuellen Umweltverhaltens und speziell des Verbrauchs von Haushaltsenergie sind mittlerweile empirisch recht gut untersucht. Allerdings konzentrieren sich die Studien vornehmlich auf die Wirkung von Anreizstrukturen, Preisen und Nutzenerwartungen sowie auf Einstellungen. Dies ist ein wichtiges Kriterium in diesem Themengebiet, die Wirkung von Wissen und Handlungskompetenzen auf das tatsächliche Umweltverhalten wurde jedoch bislang nur unzureichend untersucht.

Hinzu kommt, dass die Umfrageforschung typischerweise einen „Mittelschichts-Verzerrung“ aufweist: Angehörige gesellschaftlicher Eliten und ökonomisch wie sozial benachteiligte Personen können nur schwer befragt werden und sind daher in Befragungen unterrepräsentiert.

In diesem Kooperationsprojekt mit einer Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft sollen die beiden Schwachpunkte der bisherigen Forschung in Angriff genommen werden. Auf Basis eines experimentellen Designs wird die Wirksamkeit von Energieberatungen untersucht. Hierfür werden Mieter des Wohnungsbauunternehmens zufällig einer Treatment- und Kontrollgruppe zugeteilt und im Abstand von zwei Jahren zu ihrem Energienutzungsverhalten befragt; die Beratung findet in der Treatmentgruppe nach der Erstbefragung statt. Durch das Design ist es erstens möglich, den kausalen Effekt von Wissen und Handlungskompetenzen auf das Verhalten zu identifizieren.

Zweitens kann die Forschung zu Determinanten des Umweltverhaltens aufgrund der Mieterstruktur des beteiligten Wohnungsbauunternehmens auf Migranten und Niedrigeinkommensbezieher ausgeweitet werden. Drittens ermöglicht die Studie es, die Wirksamkeit der von dem Wohnungsbauunternehmen durchgeführten Energieberatungen abzuschätzen.

Ansprechpartner bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften:
PD Dr. Henning Best
Tel: +49 621 1246 195
Fax: +49 621 1246 100
E-Mail: henning.best@gesis.org
Kerstin Hollerbach
Kommunikation
Telefon: +49 (0) 621-1246-174
Fax: : +49 (0) 621-1246-184
E-Mail: Kerstin.hollerbach@gesis.org
www.gesis.org
www.facebook.com/gesis.org
www.twitter.com/gesis_org
Als die größte deutsche Infrastruktureinrichtung für die Sozialwissenschaften steht das GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscherinnen und Forschern auf allen Ebene ihrer Forschungsvorhaben mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen beratend zur Seite, so dass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit diversen Universitäten. GESIS ist an wichtigen europäischen und internationalen Studien und Projekten wie u.a. dem European Social Survey (ESS) und der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA beteiligt und dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt.

Media Contact

Kerstin Hollerbach idw

Weitere Informationen:

http://www.gesis.org

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Durchleuchten im Nanobereich

Physiker der Universität Jena entwickeln einen der kleinsten Röntgendetektoren der Welt Ein Röntgendetektor kann Röntgenstrahlen, die durch einen Körper hin­durchlaufen und nicht von ihm absorbiert werden, aufnehmen und somit ein…

Wer hat das Licht gestohlen?

Selbstinduzierte ultraschnelle Demagnetisierung limitiert die Streuung von weicher Röntgenstrahlung an magnetischen Proben.   Freie-Elektronen-Röntgenlaser erzeugen extrem intensive und ultrakurze Röntgenblitze, mit deren Hilfe Proben auf der Nanometerskala mit nur einem…

Mediterrane Stadtentwicklung und die Folgen des Meeresspiegelanstiegs

Forschende der Uni Kiel entwickeln auf 100 Meter genaue Zukunftsszenarien für Städte in zehn Ländern im Mittelmeerraum. Die Ausdehnung von Städten in niedrig gelegenen Küstengebieten nimmt schneller zu als in…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close