Die Preisträger und Belobigten des Forschungspreises 2012 der Fürst Donnersmarck-Stiftung

Preisträger Dr. phil. Stefanie Abel hat im Juni diesen Jahres ihr Habilitationsverfahren an der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen mit der Lehrbefugnis in Patholinguistik abgeschlossen und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer eigenen DFG-Stelle an der Neurologischen Klinik der RWTH. Die für den Forschungspreis ausgewählte Habilitation thematisiert die gesunde und gestörte (aphasische) Wortverarbeitung nach erworbenen Hirnschädigungen nach Schlaganfall oder bei Demenz. Abel arbeitet interdisziplinär und hat in ihrer Arbeit in bislang einzigartiger Weise Wissen und Methoden verschiedener Forschungsgebiete integriert: Wortverarbeitungsprozesse und ihre Simulation (Psycholinguistik), neurobiologische Grundlagen (Neurolinguistik) sowie Rückbildung und therapeutische Beeinflussung (Sprachtherapie). Sie kam zu der Feststellung, dass die intakten Prozesse mit funktioneller Magnetresonanztomographie im Gehirn lokalisierbar waren, dass sich gestörte Prozesse durch eine störungsspezifische logopädische Behandlung erholen konnten, und dass eine wirksame Sprachtherapie das Gehirn reorganisieren und verändern kann. Abel wendet die Ergebnisse ihrer Forschung konsequent in ihrer sprachtherapeutischen Praxis an. Ziel ihrer Forschung ist es, ausgehend von der Entdeckung des individuellen sprachlich-neuralen Störungsmusters, zukünftig die optimalen Therapiemethoden auszuwählen, um Wortabruf und Alltagskommunikation der betroffenen Personen zu verbessern. Ihre Vision ist, das Gehirn als eine Grundlage der Therapieplanung zu sehen.

Der Ehrenpreis geht an Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Niels Birbaumer und seine internationale Arbeitsgruppe. Birbaumer ist Professor für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen. Die Forschungsschwerpunkte des Neurowissenschaftlers liegen u.a. in den Gebieten Neuroprothetik (Brain-Computer-Interfaces), Neuroimaging von Lernprozessen und Emotionen sowie Neurobiologie von Lernprozessen und Plastizität des Gehirns.

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung würdigt mit dem Ehrenpreis die wissenschaftliche Zusammenarbeit der Arbeitsgruppen um Professor Niels Birbaumer und Professor Leonardo Cohen vom National Institute of Health in Bethesda (USA) in den klinischen Neurowissenschaften, insbesondere zum Einsatz des Brain- Computer-Interface in der Neurorehabilitation. Verbunden damit ist die Hoffnung, dass die Dotation der weiteren internationalen und interdisziplinären Kooperation der Arbeitsgruppen zugutekommen möge. Die Arbeitsgruppe von Prof. Birbaumer und Prof. Cohen konnte in ihrer klinisch-experimentellen Studie erstmals mit Brain-Machine-Interfaces klinisch und statistisch bedeutsame Therapieeffekte bei Patienten mit chronischem Schlaganfall ohne Restbewegung nachweisen und damit ein erfolgreiches neues Behandlungskonzept in die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten einführen. Das der Studie zugrundeliegende Behandlungskonzept wird die Neurorehabilitation nachhaltig verbessern.

Belobigte

Dr. Rob Labruyère hat sein Doktorat am Institut für Bewegungswissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Anfang 2012 abgeschlossen und ist Postdoc am Forschungszentrum für das Kind, Universitäts-Kinderkliniken Zürich. In seiner Doktorarbeit untersucht er die Erfassung motorischer Defizite bei Patienten, die sich nach einer Rückenmarksverletzung verhältnismäßig gut erholt haben. Diese Patientengruppe wird häufig von klinischen Studien ausgeschlossen, obwohl sie im Alltag Schwierigkeiten und Hindernisse erfährt. Denn die verfügbaren Assessment-Instrumente sind zu unsensibel, um Rehabilitationserfolge und fortbestehende Defizite in dieser Gruppe nachzuweisen. Labruyère hat zwei neue speziell auf diese Patientengruppe zugeschnittene originelle Messverfahren (Adaptiertes Gehen, Reaktionszeitmessung an den Beinen) entwickelt, mit bestehenden anderen Messverfahren verglichen und schließlich zum differenzierten Nachweis von Trainingsfortschritten eingesetzt. Die beiden Tests bereichern das Spektrum der Assessmentverfahren und ermöglichen damit einer Gruppe von bisher wahrscheinlich unterversorgten Patienten, Hilfe bei der Rückkehr in den Alltag zu erhalten.

Prof. Dr. med. Christoph Heesen ist stellvertretender Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und klinische MS-Forschung und Leiter der MS-Tagesklinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Prof. Dr. phil. Sascha Köpke ist Professor für Pflegeforschung am Institut für Sozialmedizin an der Universität zu Lübeck.

Gemeinsame Belobigung

Die Professoren Heesen und Köpke arbeiten seit 2001 gemeinsam in der Forschung an und für Patienten mit Multipler Sklerose. Die Multiple Sklerose ist eine bis heute nicht heilbare entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems mit in Schüben fortschreitendem Verlauf, der zur Immobilität führen kann. Der nicht vorhersehbare Verlauf stellt für Patienten wie für Ärzte eine große Herausforderung dar. Heesen und Köpke haben gemeinsam eine Reihe komplexer multimodaler Interventionen zum Erlernen eines Selbstmanagements durch die Patienten entwickelt, darunter auch eine Intervention, die speziell den Umgang mit Schüben zum Inhalt hat. Es stellte sich heraus, dass Patienten erhebliche Spielräume in der Gestaltung der Medikation (Dosis, Zeiten) haben und dass der bewusste feedback-gesteuerte selbstbestimmte Umgang mit Schüben erlernt werden kann. In einer randomisierten Studie wurden schließlich Stärken und Schwachstellen des Programms untersucht und somit eine Evidenzbasis für den zukünftigen Einsatz erarbeitet. Hier konnte unerwartet sogar gezeigt werden, dass die Schulung nicht nur zur Kontrolle über die eigene Medikation führt, sondern dass auch die Abstände zwischen den Schüben zunehmen und damit die Anzahl der Schübe abnimmt.

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