Hessischer Tierschutz-Forschungspreis für Beate Krämer

Am Freitag, 5. Dezember 2008, hat Beate Krämer den hessischen Tierschutz-Forschungspreis 2008 erhalten. Der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Paul-Ehrlich-Instituts ist es gelungen, eine alternative Testmethode für die Wirksamkeitsprüfung von Tollwutimpfstoffen (für Tiere) zu etablieren.

Mit dieser Methode werden nur noch zwölf Tiere (Labormäuse) benötigt, während bei der bisher vorgeschriebenen Methode 120 Tiere eingesetzt werden müssen. Zudem werden den Tieren, die in dem Alternativtest eingesetzt werden, Leiden und Schmerzen erspart. Schließlich hat Frau Krämer Grundlagen geschaffen, die es erlauben, dass der Alternativtest zukünftig nicht nur in Deutschland sondern international eingesetzt werden kann.

„Nachdem Frau Krämer bereits 1996 zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen den Tierschutz-Förderpreis der Internationalen Stiftung für Alternativ-Methoden zum Tierversuch erhalten hat, freut es mich besonders, dass ihr fortgesetztes Engagement auf diesem Gebiet nun mit dem Hessischen Tierschutz-Forschungspreis belohnt wird“, betont Johannes Löwer, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. „Das Paul-Ehrlich-Institut legt großen Wert auf die Kombination von Forschung und Arzneimittelprüfung. Dieser Preis zeigt einmal mehr, dass dies ein richtiger Ansatz ist“ so Löwer.

Der Alternativtest

Die Prüfung von (Tier)-Impfstoffen ist gesetzlich geregelt. So schreibt das Europäische Arzneibuch für die Untersuchung der Wirksamkeit von inaktivierten Tollwutimpfstoffen für Tiere einen so genannten Belastungstest an Mäusen vor. Dazu werden Tiere mit verschiedenen Verdünnungen des Impfstoffs geimpft und anschließend mit Tollwut infiziert. Das Maß für die Wirksamkeit ist die möglichst geringe Menge an Impfstoff, die geimpfte Tiere diese schmerzhafte Prozedur in ausreichender Anzahl überleben lässt. Diese Prüfung ist notwendig, weil die getesteten Tollwutimpfstoffe ausreichend wirksam sein müssen, um die Übertragung der oft tödlich verlaufenden Erkrankung vom Wildtier auf den Menschen zu unterbrechen.

Die Alternativmethode kommt mit einer geringeren Anzahl und ohne Infektion der Tiere aus. Beate Krämer führte seit 2003 Studien durch, mit denen sie nachweisen konnte, dass eine serologische Testmethode gleichwertige Testergebnisse bringt. Diese serologische Testmethode beruht darauf, die Menge gebildeter Antikörper gegen den Tollwuterreger im Blut der Versuchstiere zu bestimmen (Antikörpertiter). Ob eine ausreichende Wirksamkeit besteht, ergibt sich durch den Vergleich mit Antikörpertitern, die gegen einen Standardimpfstoff mit bekannter Wirksamkeit gebildet werden. Das Europäische Arzneibuch erlaubt solche Tests dann, wenn eine gute Korrelation zwischen der Alternativmethode und dem Belastungstest vorhanden ist. Beate Krämer konnte dies für die serologische Methode eindeutig zeigen.

Die Erfolge

o Mit dem Alternativtest werden ca. 90 Prozent der Versuchstiere eingespart. So wurden im Paul-Ehrlich-Institut von Januar 2007 bis Dezember 2008 statt 13.064 nur noch 1.302 Tiere zur Überprüfung der Tollwutimpfstoffe eingesetzt.

o Da den Tieren der Krankheitsverlauf der Tollwut erspart bleibt, ist der Testverlauf für die Tiere deutlich weniger belastend. Damit werden entsprechend der international anerkannten Grundsätze des '3R Konzeptes' („Refinement, Reduction, Replacement“; Tierversuche verbessern, verringern, ersetzen) mit dieser neuen Methode zwei der drei 'R' umgesetzt.

o Die mit der Alternativmethode im Paul-Ehrlich-Institut ermittelten Prüfergebnisse werden inzwischen von allen europäischen Prüflabors („Official Medicines Control Laboratories“, OMCL) anerkannt.

o Das Europäische Arzneibuch sah bisher die Möglichkeit eines serologischen Tests vor, machte aber keine detaillierten Vorgaben. Im Rahmen eines europaweiten Ringversuchs ist es vorgesehen, die Alternativmethode europaweit nachhaltig in verschiedenen Laboren zu prüfen (Validierung), um den bisherigen Test ablösen zu können. Anschließend können Industrie und Prüfinstanzen die Alternativmethode einsetzen. Nach erfolgreicher Validierung bedeutet dies, dass zukünftig ein erhebliches Maß an Tieren eingespart werden kann.

Die Person

Beate Krämer ist promovierte Biologin und arbeitet seit 1993 in der Abteilung Veterinärmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts. Sie ist dort heute als Laborleiterin für die Chargenprüfung von virologischen Impfstoffen und Kombinationsimpfstoffen zuständig.

Das Engagement für verbesserte Versuchsmethoden ist Beate Krämer ein Anliegen. 1996 erhielt sie den internationalen Tierschutzpreis der F.I.S.E.A. (Internationale Stiftung für Alternativ-Methoden zum Tierversuch, Fondation Internationale pour la Substitution de l'Expérimentation Animale). Ausgezeichnet wurde eine Datenanalyse, die dazu führte, dass die im Arzneibuch vorgeschriebene Prüfung an Tieren auf anomale Toxizität ersatzlos gestrichen wurde. Zu diesem Thema hat sie auch ihre Doktorarbeit verfasst.

Der Hessische Tierschutz-Forschungspreis

Der mit 15.000 Euro dotierte Hessische Tierschutz-Forschungspreis wird von der Hessischen Landesregierung verliehen. Das Land Hessen möchte damit dazu beitragen, die Anzahl und das Leiden von Versuchstieren in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie der Herstellung biomedizinischer Produkte zu verringern.

Media Contact

Dr. Susanne Stöcker idw

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