Drei Millionen Euro für Nachwuchswissenschaftler der FAU

Die beiden Forscher gehören zu der kleinen Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, die vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) in den kommenden fünf Jahren mit einem der begehrten „Starting Independent Researcher Grants“ gefördert werden.

Das ERC vergibt diese Stipendien an vielversprechende junge Forscherpersönlichkeiten, die so die Chance erhalten sollten, eigene Forschergruppen aufzubauen und selbstständig Forschungsprojekte mit hohem Innovationspotenzial voranzutreiben.

Auf den Spuren des Bluthochdrucks
PD Dr. Jens Titze untersucht gemeinsam mit seinem Team den Zusammenhang zwischen Kochsalzablagerungen in der Haut und der Entstehung von Bluthochdruck, der zu Schlaganfällen, Herz- und Nierenerkrankungen führen kann.

Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass Gehirn, Blutgefäßsystem und Nieren das Netzwerk bilden, das den Blutdruck reguliert: Das Gehirn verarbeitet Information zu Druck und „Wasserstand“ im Blutgefäßsystem. Es sendet Signale an die Blutgefäße, um diese zu erweitern oder zu verengen, und an die Nieren, die durch Ausscheidung von Salzen und Wasser den „Füllstand“ des Blutgefäßsystems kontrollieren. Jens Titzes Arbeitsgruppe konnte jedoch in den letzten Jahren zeigen, dass auch das Immun- und das Lymphgefäßsys­tem an diesem regulierenden Prozess beteiligt sind.

Die Erlanger Wissenschaftler erkannten, dass sich Kochsalz der Kontrolle der Niere entziehen kann und dann in erheblichen Mengen in der Haut gespeichert wird. Um dieses versteckte Kochsalz zu erkennen, sendet der Körper Fresszellen des Immunsystems in das Bindegewebe der Haut. Dort verändern die Immunzellen die Architektur und die Funktion des Lymphgefäßsystems und sorgen dafür, dass das gespeicherte Salz aus dem Gewebe transportiert wird. Wird dieser Reinigungsprozess gestört, reichert sich Kochsalz in der Haut an. Die Folge ist Bluthochdruck.

Zur Person: Jens Titze
Jens Titze ist forschender Arzt. Nach seiner Ausbildung zum Internisten mit besonderem Interesse für Nieren- und Hochdruckerkrankungen an der Medizinischen Klinik 4 des Universitätsklinikums Erlangen leitet er seit November 2009 die Nachwuchsgruppe 2 am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung der FAU. Neben der Erforschung der zugrunde liegenden Mechanismen der Bluthochdruckerkrankung ist es seiner Gruppe ein wichtiges Ziel, neue Erkenntnisse möglichst schnell in die Patientenversorgung zu übertragen. Die Medizinischen Kliniken, das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung am Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin und das Institute for Scientific Imaging am Radiologischen Institut des Universitätsklinikums bieten seinem Team hervorragende Arbeitsbedingungen für das von der Europäischen Union unterstützte Forschungsvorhaben.
Die Mechanik des Lichts
Prof. Dr. Florian Marquardt und sein Team erforschen die Wechselwirkung von Licht und mechanischer Bewegung auf der Nanoskala – also in einer Größenordnung von Milliardstel Metern. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stehen nanomechanische Systeme, die kleiner sind als ein menschliches Haar dick. Diese Systeme werden allein durch den Strahlungsdruck des Lichtes angetrieben und ihre Schwingungen wirken gleichzeitig auf das Lichtfeld zurück.

Dieses als „Optomechanik“ bekannte Forschungsgebiet hat sich in den letzten fünf Jahren lebhaft entwickelt. Inzwischen arbeiten weltweit viele Gruppen an diesem Thema. Ziel der Wissenschaftler ist es, mechanische Bewegungen im Nanobereich möglichst präzise erfassen zu können, um zum Beispiel die Kräfte besser zu verstehen, die in der Nanowelt wirken. Mit ihrer Arbeit wollen sie die Grundlagen der Quantenphysik weiter studieren sowie neue Anwendungen in der Signal‑ und Informationsverarbeitung, zum Beispiel in sogenannten „optomechanischen Schaltkreisen“ oder auch in der Biophysik, ermöglichen.

Zur Person: Florian Marquardt
Florian Marquardt leitet seit März 2010 den Lehrstuhl für Theoretische Physik II an der FAU, wo er die Anwendungen der Quantenmechanik an der Schnittstelle zwischen Nanophysik und Quantenoptik erforscht. Gleichzeitig ist er mit dem Erlanger Max‑Planck‑Institut für die Physik des Lichts assoziiert. Marquardt promovierte 2002 in Basel und forschte im Anschluss an der Yale Universität, USA. Vor seiner Berufung nach Erlangen war er fünf Jahre als Professor und Leiter einer Emmy‑Noether-Nachwuchsgruppe an der LMU München tätig. Im Jahr 2009 wurde er für seine theoretischen Forschungen auf dem Gebiet der Optomechanik mit dem Walter‑Schottky-Preis für Festkörperphysik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Der Europäische Forschungsrat vergibt „Independent Researcher Grants“ an herausragende Forscherinnen und Forscher, deren innovative Projekte zwar riskant, aber im Erfolgsfall mit einem zukunftsweisenden Erkenntnisgewinn verbunden sind. Die Advanced Investigator Grants können von etablierten Wissenschaftlern, Starting Grants von Nachwuchswissenschaftlern beantragt werden. In den vergangenen Jahren ist es drei Wissenschaftlern der FAU gelungen, die pres­tigeträchtigen Fördermittel einzuwerben: Prof. Dr. Andreas Hirsch (Lehrstuhl für Organische Chemie II, 2009), Prof. Dr. Peter Wasserscheid (Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik, 2010) sowie Prof. Dr. Vahid Sandoghdar (Lehrstuhl für Experimentalphysik, 2010).

Weitere Informationen für die Medien:

PD Dr. Jens Titze
Tel.: 09131/85-39300
jens.titze@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Florian Marquardt
Tel.: 09131/85-28461
Florian.Marquardt@physik.uni-erlangen.de

Media Contact

Dr. Pascale Anja Dannenberg idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-erlangen.de

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