Weiche Lesebremse für Studierende

Best-E-Teaching-Award der TU Darmstadt für die neue Lösung eines alten Problems

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen: Beim Lesen schwieriger wissenschaftlicher Texte wird man immer schneller, liest schließlich nur noch „diagonal“. Das Ziel, eine Seite zu „besiegen“, verdrängt dann nur allzu oft den eigentlichen Sinn, nämlich das Verstehen. Petra Gehring, Professorin für Philosophie an der TU Darmstadt, hat für ihre Studierenden ein E-Learning-Angebot entwickelt, das Querleser weich ausbremst und deren Textverständnis verbessert. Für ihr Multimedium „Audioreader® 2.0 Der Traum“ wurde Petra Gehring am Mittwoch (9.3.) deshalb mit dem Best-E-Teaching-Award der TU Darmstadt geehrt.

Der mit mehreren Tausend Euro aus der Carlo und Karin Giersch-Stiftung dotierte Preis geht seit dem Jahr 2004 jährlich im Rahmen des Darmstädter E-Learning Symposiums an Lehrende der TUD, die E-Learning besonders gewinnbringend für Studierende in ihre Lehrveranstaltungen integrieren. Die Entscheidung, wem der Preis schließlich zugesprochen wird, fällt ein Gutachter-Trio aus Hochschulprofessoren gemeinsam mit Expertinnen und Experten des Darmstädter e-learning centers (elc). „Für die Begutachtung gibt es strenge Vorgaben“, so Irina Reuter, Projektverantwortliche im elc. Dort wurde ein Gütesiegel für E-Learning-Angebote entwickelt, auf dessen Bewertungskategorien die Juroren zugreifen. „Es gibt da aber auch ganz pragmatische Momente in der Begutachtung“, räumt Irina Reuter ein. So werde beispielsweise überprüft, ob ein Projekt problemlos zugänglich und für alle Lernenden benutzbar ist.

Das Projekt von Gesellschaftswissenschaftlerin Petra Gehring konnte in allen Belangen überzeugen. Das zentrale Phänomen des „zu schnell Lesens“ wird durch den Einbau von ideenreichen akustischen Elementen angegangen. So werden im Audioreader philosophische Quelltexte ergänzt um Töne, Geräusche und verschiedene vorlesende Stimmen. Müde vom Lesen begeben sich die Lesenden auf eine Reise in den virtuellen Traumgarten oder hören sich Audiomitschnitte der Vorlesung an.

Neben dem Best-E-Teaching-Award für die „Lesebremse“ wurden zwei weitere TUD-Projekte mit dem Prädikat „Herausragendes E-Teaching“ geehrt. Sie liegen nach den Bewertungskriterien der Jury hinter der Siegerin gleichauf. Hinter dem Titel „E-Lectures“ steht Professor Peter Buxmann aus dem Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Er konzentriert sich auf die Ergänzung seiner Präsenzveranstaltungen um verschiedene Online-Materialien. Er nutzt vorhandene Softwaresysteme für das Aufzeichnen von Vorlesungen und für Online-Tests. Der Jury fiel „die intensive Betreuung und Ansprache der Studieren durch Hinweise, Tutorials und Online-Kommunikation auf. Das Konzept “ E-Lecture“ scheint sich etabliert zu haben am Fachgebiet schon zur Institution geworden zu sein“, so die Jury.

Professor Reiner Anderl (Fachbereich Maschinenbau) konnte mit „learnCAD“ überzeugen. Mit diesem weborientierten Autorensystem „wird der Aufbau der für das Studium des Maschinenbaus notwendigen Medienkompetenz geebnet“, wertete das Gutachterkolleg. Besonders gut gefielen der „hohe Wiedererkennungswert für die Studierenden“ und die geringe Einarbeitungszeit. „Die Bedienung von Software wird sehr prägnant und anhand von Bildern, Animationen und praktischen Übungsaufgaben erklärt. So werden die Tutorials zu einer Art Institution und begleiten die Studierenden durch ihr Studium“, befanden die Gutachter.

Media Contact

Jörg Feuck idw

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