Stammzellen sollen Diabetikern die Insulinspritze ersparen

Bei Patienten, die an der Zuckerkrankheit leiden, liegt eine Störung der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse vor. Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten werden an der Uni Würzburg in der Arbeitsgruppe von PD Dr. Jochen Seufert erforscht. Für seine Arbeiten bekam der Mediziner am 20. Mai den mit 10.000 Euro dotierten Ernst-Friedrich-Pfeiffer-Preis der Deutschen Diabetes-Gesellschaft verliehen.

Seufert leitet an der Medizinischen Poliklinik als Oberarzt den Schwerpunkt Stoffwechsel, Endokrinologie und Molekulare Medizin. Den von der Firma Lilly Deutschland GmbH (Bad Homburg) gestifteten Preis erhielt er auf der Jahrestagung der diabetologischen Fachgesellschaft in Hannover, und zwar für „herausragende und innovative Untersuchungen“ insbesondere auf dem Gebiet des Diabetes mellitus Typ 1.

Die Arbeitsgruppe von Seufert erforscht die Wirkungen von Hormonen auf die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse. Im Zentrum steht die Signalübertragung durch das Fettgewebshormon Leptin, die bei Diabetikern gestört ist. Die Forscher haben einige molekulare Grundlagen dieser gestörten Hormonwirkung und deren Bedeutung für die Entwicklung einer Fehlfunktion von Insulin produzierenden Zellen entschlüsselt. Ihre Arbeiten liefern die Grundlagen für neue Behandlungsmöglichkeiten und zur Vorbeugung der Zuckerkrankheit.

Außerdem befassen sich die Würzburger Mediziner mit dem Einsatz von Stammzellen bei der Zuckerkrankheit. Diese Therapie zielt darauf ab, die zerstörten Insulin produzierenden Zellen zu ersetzen. In der Bauchspeicheldrüse identifizierten und isolierten die Forscher so genannte adulte Stammzellen, die sie im Labor bis zur Reinkultur züchteten und vermehrten.

Dass sich diese Stammzellen im Reagenzglas zu Insulin produzierenden Zellen entwickeln können, hat die Arbeitsgruppe von Seufert bereits nachgewiesen. Nach einer Transplantation können die Zellen sogar erhöhte Blutzuckerspiegel senken, wie sich am Tiermodell zeigte. „Wir haben die Hoffnung, dass in der Zukunft eine zelltherapeutische Behandlung des Diabetes mellitus möglich sein wird“, so Seufert. Dann wären Diabetiker nicht mehr lebenslang auf Insulinspritzen angewiesen.

Jochen Seufert, der 1964 in Gerolzhofen geboren wurde, studierte Medizin in Würzburg und Innsbruck und erhielt seine Facharztausbildung zum Internisten und Endokrinologen an der Würzburger Medizinischen Poliklinik. Von 1995 bis 1998 war er an der Harvard Medical School in Boston (USA) tätig.

Weitere Informationen: PD Dr. Jochen Seufert, T (0931) 201-70170, Fax (0931) 201-70680, E-Mail:
j.seufert@mail.uni-wuerzburg.de

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Robert Emmerich idw

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