Ausgezeichnete RUB-Dissertationen: Sichere Flugzeuge und schnelle Schlaganfall-Diagnose

Den Gebrüder Eickhoff-Preis für hervorragende Promotionsarbeiten von RUB-Ingenieuren des Maschinenbaus sowie der Elektrotechnik und Informationstechnik erhalten in diesem Jahr Dr.-Ing. Murat Ünlü und Dr.-Ing. Wilko G. Wilkening. Ünlü hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Microcontroller im Passagierflugzeugbau einfach testen lassen, was die Sicherheit erhöht. Wilkening hat eine Methode entwickelt und erprobt, mit der sich die Hirndurchblutung nach einem Schlaganfall auch durch die Schädeldecke per Ultraschall darstellen lässt.

Er sorgt für zusätzlichen Glanz auf dem Doktorhut und wird wie immer brüderlich geteilt: der Gebrüder Eickhoff-Preis für hervorragende Promotionsarbeiten von RUB-Ingenieuren des Maschinenbaus sowie der Elektrotechnik und Informationstechnik. Je 2.500 Euro erhalten die Preisträger Dr.-Ing. Murat Ünlü und Dr.-Ing. Wilko G. Wilkening am 4. Juli 2003 (10.15 Uhr, im Hause der Gebrüder Eickhoff, Hunscheidtstr. 176, 44789 Bochum) für ihre Arbeiten über Steuerungssysteme im Passagierflugzeugbau und zur Signalverarbeitung von Ultraschall-Kontrastmitteln. Die Medien sind herzlich willkommen.

Fehlerfreie Microcontroller im Flugzeug

Murat Ünlü (Jahrgang 1971) hat seine Dissertation über eine „Toolgestützte Validierungsmethode für verteilte eingebettete Steuerungssysteme im Passagierflugzeugbau“ geschrieben. Eingebettete Systeme sind programmierbare Microcontroller, die in ein umgebendes technisches System integriert sind und dort Steuerungsaufgaben übernehmen. Der Einsatzbereich dieser Systeme hat sich in den letzten Jahren enorm erweitert, z. B. in der Verkehrs- und Kommunikationstechnik. So verfügen etwa neuere Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse mittlerweile über 40 bis 60 solcher Microcontroller, die verschiedene Aufgaben übernehmen, angefangen von der Motorelektronik bis zum elektrischen Fensterheber. Murat Ünlü entwickelte eine neue Methode, um die Fehlerfreiheit und Zuverlässigkeit der vernetzten eingebetteten Systeme zu überprüfen: Sie ermöglicht automatisierte und systematisierte Tests und erhöht so die Sicherheit. Angewandt und erprobt wurde sein Verfahren bereits bei Sauerstoff- und Wassersystemen im Passagierflugzeugbau bei Airbus Deutschland, wo Ünlü seit seiner Promotion arbeitet. Seine Dissertation betreute Prof. Dr. Gunter Reinig (Lehrstuhl für Regelungssysteme und Steuerungstechnik).

Schnelle und flexible Hilfe beim Schlaganfall

Beim Schlaganfall ist schnelle Hilfe lebenswichtig – und nicht immer ist ein Röntgen-CT oder ein Kernspin-Tomograph für die Diagnostik in Reichweite. Eine Lösung bietet das Verfahren von Dr.-Ing. Wilko G. Wilkening (Jahrgang 1970): Er hat eine Signalverarbeitung entwickelt und erprobt, mit der sich die Hirndurchblutung auch per Ultraschall darstellen lässt. Wilkenings Arbeit entstand am Institut für Hochfrequenztechnik der RUB in Kooperation mit der Neurologischen Universitätsklinik im St. Josef-Hospital, beide sind Partner im Kompetenzzentrum Medizintechnik Ruhr (KMR). Der Vorteil des Verfahrens: Ultraschall ist handlich, leicht verfügbar und z. B. auch auf Intensivstationen flexibel einsetzbar. Das Problem: Bisher waren Durchblutungsstörungen im Gehirn mit Ultraschall nur unzureichend darstellbar, weil die knöcherne Schädelwand die Schallwellen zu stark dämpft. Wilkenings Verfahren hingegen nutzt die Eigenschaften spezieller Ultraschall-Kontrastmittel optimal aus: Sie reichern das Blut mit so genannten Streuern an – hüllenstabilisierten Mikroblasen. Diese reflektieren die Schallwellen stark genug, um sie durch die Schädelwand messen zu können. Damit lässt sich auch die Durchblutung kleinster Gefäße darstellen. Wilkenings Dissertation „Konzepte zur Signalverarbeitung für die kontrastmittelspezifische Ultraschallabbildung) wurde von Prof. Dr.-Ing. Helmut Ermert (Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik und KMR) betreut. Das Verfahren eignet sich auch für die Tumordiagnostik in anderen Organen (z. B. Leber, weibliche Brust, Prostata) und stieß auf internationalen Tagungen bereits auf großes Interesse.

Der Gebrüder Eickhoff-Preis steht nicht nur für exzellente Forschungsarbeiten, sondern auch für die fruchtbare Verbindung zwischen dem Campus der Ruhr-Universität und Unternehmen mit lokalen Wurzeln. Die Firma Eickhoff stiftete den Preis 1989 anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens. Zu Beginn der Verleihung wird der Geschäftsführer der Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei, Dr. Paul Rheinländer, die Gäste begrüßen. Nach der Vorstellung der beiden Preisträger überreichen Prof. Dr.- Ing. Andreas Steimel, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, und Prof. Dr.-Ing. Gunter Reinig, Prodekan der Fakultät für Maschinenbau, die Preise.

Weitere Informationen

Dr. Iris Bertozzi, Fakultät für Maschinenbau, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0234/32-27265, E-Mail: iris.bertozzi@ruhr-uni-bochum.de
Dr.-Ing. Jörg Albrecht, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, IC 02/134, Tel. 0234/32-25666, Fax: 0234/32-14444, E-Mail: dekanat-albrecht@et.ruhr-uni-bochum.de

Ansprechpartner für Medien

Dr. Josef König idw

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