Pfizer Forschungs-Preis 2002 für Medizin verliehen

Forschung bedeutet Fortschritt und steht für die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Die Medizin lebt von der Spitzenforschung und kann dadurch stets neue und bahnbrechende Erfolge in der Erkennung und der Behandlung von Krankheiten verzeichnen. Die Stiftung Pfizer Forschungs-Preis verleiht jedes Jahr einen der bedeutendsten Forschungspreise in der Schweiz. Dieses Jahr wurden bereits zum 11. Mal führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Grundlagen- und klinischen Forschung mit dem mit insgesamt SFr. 400.000.- dotierten Preis ausgezeichnet.

Der Pfizer Forschungs-Preis für Medizin wird alljährlich an herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die an Schweizer Forschungsinstituten oder Spitälern hervorragende und zukunftsweisende Leistungen im Bereich Grundlagenforschung und klinische Forschung erbracht haben. Die Preissumme von insgesamt SFr. 400.000.- verteilt sich auf die Bereiche Herzkreislauf, Rheumatolgie/Immunologie und klinische Immunologie, Infektiologie und Neurowissenschaften/Erkrankungen des Nervensystems. Als zusätzliche Ehrung erhalten die Preisträger die Bronzeplastik „Der Forscher”, die der bekannte Schweizer Künstler Kurt Laurenz Metzler eigens für den Pfizer Forschungs-Preis in einer weltweit limitierten Auflage von 200 Exemplaren geschaffen hat.

Der Pfizer Forschungs-Preis 2002 wird am 1. Februar 2002 an folgende Preisträger verliehen:

Herzkreislauf
Prof. François Mach, Genf
Dr. Brenda Kwak, Genf
Dr. Jürg Schwitter, Zürich

Rheumatologie, Immunologie und klinische Immunologie
Dr. Jean-Marc Waldburger, Genf
Dr. Blaise Corthésy, Lausanne
Dr. Catherine Barbey, Lausanne
Samantha Jilek, Zürich

Neurowissenschaften und Erkrankungen des Nervensystems
Prof. Massimo Scanziani, Zürich
Frédéric Pouille, Zürich
Dr. Patrik Vuilleumier, London

Infektiologie
Prof. Michael Klein, Würzburg
Pascal Käser, Zürich
Dr. Christoph Berger, Zürich

Die prämierten Forschungsarbeiten sind das Ergebnis umfassender Teamarbeiten. Ausgezeichnet werden jeweils die für die Ideen und die Durchführungen verantwortlichen Wissenschaftler. Zu den Arbeiten im einzelnen:

Grundlagenforschung Herzkreislauf
Immunomodulation durch Behandlung mit Statinen

Statine sind wirksame blutfettspiegelsenkende Arzneimittel, die in der medizinischen Praxis breite Anwendung finden. Eine andere Wirkung gerade in Bezug auf die Beteiligung an einer Immunantwort wurde dieser Arzneimittelgruppe nicht nachgewiesen. Klinische Studien zeigen jedoch eine Verbesserung von Behandlungsergebnissen nach Herztransplantationen bei Patienten, die mit Statinen therapiert wurden.

Prof. François Mach, Dr. Brenda Kwak und ihr Team von der Universität Genf haben eine neuartige Wirkung der Statine entdeckt und sehen diese als einen Hinweis auf eine wahrscheinlich immunsuppressive Wirkung der Statine an. Diese Entdeckung bietet eine solide wissenschaftliche Grundlage zur Empfehlung dieser Arzneimittel als Immunsuppressiva nach Organverpflanzungen allgemeiner Art. Ausserdem sind so zahlreiche andere Anwendungen für die Statine denkbar wie zum Beispiel bei Diabetes, Multiple Sklerose bis hin zur Psoriasis und chronisch-endzündlichen Erkrankungen wie Atherosklerose. Die sehr gute Verträglichkeit der Statine macht die Substanzklasse zu einem willkommenen Beitrag zu dem noch immer beschränkten Arsenal an immunsuppressiven Wirkstoffen.

Klinische Forschung Herzkreislauf
Herz-MR: Eine Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft

Die Häufigkeit von Herz-Kreislauferkrankungen nimmt stetig zu. Bereits heute stellen sie die häufigste Todesursache in der Schweiz dar. Die Herz-Magnet-Resonanz (Herz-MR) ist eine patientenschonende Untersuchungsmethode, mit der die wesentlichen Komponenten, die die Prognose eines Herzpatienten bestimmen, erfasst werden können. Das Ausmass von Narbenarealen am Herzen und die Pumpfunktion des Herzens können mit unübertroffener Genauigkeit erfasst werden.

Dr. Jürg Schwitter und sein Team vom Universitätsspital Zürich beschäftigten sich intensiv damit, die Herz-Magnet-Resonanz auch für den Nachweis von Durchblutungsstörungen im Herzmuskel zu nutzen. Eine umfassende Herz-MR-Untersuchung, die in Zukunft diese drei Komponenten umfasst, wird eine qualitativ hochstehende individuelle Risiko-Stratifizierung von Herz-Patienten erlauben als Voraussetzung für das Einleiten einer rationalen und effizienten Therapie.

Grundlagenforschung Rheumatologie, Immunologie und klinische Immunologie
Erzeugung von CD4-T-Lymphozyten: eine regulierende Sequenz des Transaktivators der Klasse II spielt eine wichtige Rolle

Weisse Blutkörperchen, sogenannte CD4-Lymphozyten, ermöglichen es Menschen, Krankheitserreger zu erkennen und Infektionen zu kontrollieren. Die Lymphozyten unterliegen einer strengen Selektion durch den Thymus, einem speziellen Organ, das hinter dem Brustbein liegt. Der Selektionsprozess hat zwei Ziele. Zum einen soll der Thymus die Weissen Blutkörperchen daraufhin testen, ob sie die Fähigkeit besitzen, zukünftige Krankheitserreger zu erkennen. Zum anderen soll der Thymus die Lymphozyten, die den gesunden Körper angreifen und so zu Autoimmunerkrankungen führen können, angreifen.

Dr. Jean-Marc Waldburger und seine Kollegen von der Universität Genf erforschten an Mäusen die Zusammenhänge dieser Körperreaktionen und konnten zeigen, welche Faktoren für diese Vorgänge im Thymus von Bedeutung sind. Diese Erkenntnisse ermöglichen neue Perspektiven für die Erforschung ähnlicher Körperreaktionen beim Menschen, mit denen sich einige Arten von Immundefiziten erklären könnten.

Klinische Forschung Rheumatologie, Immunologie und klinische Immunologie
DNA-Imsptoffe zur Allergiemodulation

Die Ursache von allergischen Reaktionen sind unangemessene, übertrieben heftige Antworten des Immunsystems. Die Spezifische Allergen-Immuntherapie (SIT), bei der die Allergiepatienten steigenden Mengen des Allergens ausgesetzt werden, ist ein aufwendiges Verfahren aufgrund der mit ihr verbundenen Behandlungsdauer von 2-3 Jahren und dem möglichen Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen, die eine medizinische Überwachung erforderlich machen.

Dr. Blaise Corthésy, Dr. Catherine Barbey und Samantha Jilek vom CHUV Lausanne haben einen therapeutischen Alternativansatz zur SIT entwickelt, bei dem die allergischen Reaktionen durch den Einsatz kleiner kreisförmiger DNA-Moleküle verringert werden sollen. Diese Strategie mit nachgewiesener Wirksamkeit bei einem Mausmodell könnte einen neuen Weg auch für die Humantherapie darstellen, der weitgehend untersucht werden sollte.

Grundlagenforschung Neurowissenschaften und Erkrankungen des Nervensystems
Ein elementares neuronales Netzwerk für das temporäre Dekodieren

Informationen aus unserer Umwelt erreichen das Gehirn als aufeinanderfolgende elektrische Impulse, die durch die Sinne umgesetzt werden. Diese elektrischen Impulse werden von Neuronen als Erregungsströme empfangen oder „gehört“. Aufgrund der langen Dauer dieser Ströme kann ein elektrischer Impuls ein Neuron erreichen, bevor der von dem vorhergehenden elektrischen Impuls erzeugte Erregungsstrom vollkommen abgeklungen ist. Dies kann zu einer Vermischung zeitlich verschiedener Informationsteile führen, vergleichbar mit dem Überschneiden von Noten, wenn auf dem Klavier mit ständig gedrücktem Pedal eine Melodie gespielt wird.

Prof. Massimo Scanziani und Frédéric Pouille vom Institut für Hirnforschung der Universität Zürich konnten beobachten, dass das Gehirn dieses Problem mit dem Einsatz von „Dämpfern“, sogenannten speziellen hemmenden Neuronen, löst, die den Erregungsstrom aktiv abstellen. Die Wissenschaftler glauben, dass die dämpfende Wirkung des hemmenden Neurons unter spezifischen Umständen übergangsweise reduziert werden kann und daher die Überschneidung von aufeinanderfolgenden Erregnungsströmen ermöglicht, ähnlich mit dem, was durch eine kurze Betätigung des Klavierpedals geschieht.

Klinische Forschung Neurowissenschaften und Erkrankungen des Nervensystems
Neuro-Anatomie der Hysterie

Lähmungen oder Gefühlsverlust eines Körperglieds bei fehlender organischer Verletzung sind Symptome sogenannter hysterischer Konversionsstörungen. Typisch für diese Störungen ist, dass bei Verschwinden der für diese Störungen verantwortlichen Stressfaktoren, die Störungen spontan zurückgehen. Im Zusammenhang mit der Fragestellung nach der Beziehung zwischen „Körper und Geist“ haben diese hysterischen Störungen Neurologen, Psychiater und Philosophen schon seit langer Zeit fasziniert.

Dr. Patrik Vuilleumier und sein Team aus Genf und Lausanne untersuchten die Aktivierung der unterschiedlichen Hirnregionen, auch wenn diese keine organischen Verletzungen aufweisen. Es zeigte sich, dass eine selektive Unteraktivierung bestimmter Hirnkreisläufe besteht, die eine Rolle bei der bewussten Bewegungskontrolle spielen. Emotionale Signale scheinen eine Auswirkung auf die Aktivität dieser Kreisläufe zu haben, die für die Entstehung einer Lähmung der bewussten Bewegungen verantwortlich sind. Diese Beobachtungen lassen auch vermuten, dass diese Hirnkreisläufe eine entscheidende Rolle bei unserer subjektiven Empfindung des „Bewegungswillen“ spielen.

Grundlagenforschung Infektiologie
Das Komplementsystem moduliert die Ausbreitung von Prionen im Organismus

Prionen sind kleinste infektiöse Partikel, die übertragbare Erkrankungen mit fortschreitender Degeneration des Zentralnervensystems auslösen. Nach einer erfolgten Infektion sammeln sich die Prionen schon früh in lymphatischen Organen wie Milz und Lymphknoten an und können von dort Anschluss an das Nervensystem gewinnen. Eine kausale Therapie von Prionerkrankungen ist zur Zeit nicht möglich und auch unterstützende und prophylaktische Möglichkeiten sind sehr begrenzt.

Prof. Michael Klein, Pascal Käser und ihr Team vom Institut für Neuropathologie des UniversitätsSpital Zürich konzentrierten sich mit ihrer Forschung auf die Ausbreitung von Prionen im Organismus. Durch ihre Experimente konnten sie grundlegende Erkenntnisse erlangen, die für das Verständnis von Prionerkrankungsprozessen mitentscheidend und in der Zukunft zur Entwicklung von neuen Therapieansätze von sehr grosser Bedeutung sind.

Klinische Forschung Infektiologie
Die Blutkonzentration von Epstein-Barr-Virus signalisiert dessen Beitrag an der Entstehung besonderer Tumore

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht das Pfeiffer’sche Drüsenfieber. Das Virus ist aber zuweilen auch an der Entstehung von Tumoren bei Organtransplantierten und bei anderen Menschen mit geschwächter Immunabwehr beteiligt. Eine frühzeitige Erkennung solcher Tumorerkrankungen ist schwierig, aber entscheidend für deren Behandlung und Prognose.

Dr. Christoph Berger und seine Forscher vom Kinderspital Zürich entwickelten mit der neuartigen Real-time Polymerasenkettenreaktion Technologie ein System, mit dem sich EBV-Kopien im Blut bestimmen lassen. Dieser Test dient zur Überwachung von Transplantat-Empfängern und anderen Patienten mit Risiko für schwere EBV-bedingte Tumorerkrankungen und sollte zu deren Früherkennung beitragen.

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