Antikörper gegen überaktive Immunzellen soll chronische Darmentzündungen hemmen

Ludwig-Demling-Forschungspreis 2001 in Frankfurt verliehen

Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV) hat am 12. Mai 2001 in Frankfurt/Main den von der Falk Foundation e.V. (Freiburg) gestifteten und mit 50.000,- DM dotierten Ludwig-Demling-Forschungspreis 2001 an Frau Dr. med. Bianca Wittig aus Berlin verliehen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Klinik 1 (Direktor: Prof. Dr. med. Martin Zeitz) des Universitätsklinikums Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin erhielt diese Auszeichnung für ihr Forschungsvorhaben über „Entzündungshemmung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen durch Blockade von CD44v7“.

Professor Dr. med. Wolfgang F. Caspary (Universitätsklinikum Frankfurt/Main) hob in seiner Laudatio hervor, dass die Preisträgerin mit ihrer geplanten Untersuchung einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa vorantreibe. Ziel des Projekts ist die Ausarbeitung eines neuen Therapiekonzepts, bei dem eine bestimmten Molekülvariante – CD44v7 – an der Oberfläche überaktiver Immunzellen im Darm von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) durch einen Antikörper blockiert und dadurch die Entzündung gehemmt werden soll. Eine fehlgeleitete Aktivierung des Immunsystems im Darm wird als eine mögliche Ursache der CED angenommen. Zumindest in Tierexperimenten ist es bereits gelungen, durch Behandlung mit einem CD44v7-Antikörper bei mehr als zwei Dritteln der Tiere den chronischen Verlauf einer Darmentzündung zu verhindern.

Die Verleihung des Ludwig-Demling-Forschungspreises stand im Mittelpunkt der Begrüßung zur Jahrestagung der DCCV im Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Gudrun Möller und Birgit Kaltz, Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der DCCV, überreichten der Preisträgerin die Urkunde und äußerten die Hoffnung, dass das prämierte Forschungsvorhaben bald neuen therapeutischen Perspektiven für Crohn- und Colitis-Patienten eröffnen möge. Dr. Roland Greinwald, Leiter Klinische Forschung der Dr. Falk Pharma GmbH in Freiburg, gratulierte der Stipendiatin und händigte ihr den Scheck aus.

Der Ludwig-Demling-Forschungspreis der DCCV, gestiftet von der Falk Foundation e.V. (Freiburg) soll jährlich ein oder mehrere in Deutschland geplante Forschungsvorhaben fördern, welche Fragen der Diagnostik, Therapie, Prophylaxe und Pathophysiologie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen thematisieren. Der Beirat der DCCV hat die Federführung bei der Begutachtung von Anträgen. Das Vergabeverfahren ist einem Leitfaden zu entnehmen, der in der DCCV-Geschäftsstelle in Leverkusen angefordert oder im Internet abgerufen werden kann (http://www.dccv.de/mediziner).

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche, in Schüben verlaufende Erkrankungen des Verdauungstraktes. Starke Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, allgemeine Erschöpfungszustände und häufige Durchfälle sind Hauptsymptome. Hinzu kommen Auswirkungen auf andere Organe und seelische Belastungen der Betroffenen. Die Ursachen sind trotz intensiver Forschungen bis heute noch weitgehend unbekannt. Deshalb beschränkt sich die Therapie leider immer noch auf die Behandlung der Symptome. Bei der Colitis ulcerosa ist die Ausdehnung der Entzündung auf End- und Dickdarm beschränkt, während beim Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt (von der Mundhöhle bis zum After) betroffen sein kann. In Deutschland sind nach Schätzungen der DCCV rund 300 000 Menschen von einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung betroffen.

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