Nachtblindheit und Hirntumore – Attempto-Preise 2001

für neue Erkenntnisse in der Neurobiologie

Am 15. Mai 2001 werden auch in diesem Jahr wieder im Rahmen der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e. V. (Universitätsbund) um 13.30 Uhr die Attempto-Preise 2001 verliehen. Die mit jeweils 15.000 DM dotierten Preise für wichtige Fortschritte auf den Gebieten der Neurobiologie gehen an den Augenheilkundler Dr. Carsten Pusch und den Neurologen Dr. Wolfgang Wick.

Die Preise werden seit 1983 von der „Attempto-Stiftung zur Förderung der Forschung an der Universität Tübingen“ an junge Wissenschaftler/innen verliehen. Ins Leben gerufen wurde die Stiftung vom Ehepaar Maria-Dorothea und Konrad Ernst.

Dr. Carsten Pusch (34) arbeitet im molekulargenetischen Labor der Universitäts-Augenklinik (Leitung Dr. Bernd Wissinger). Ihm gelang es, für eine bestimmte Form der Nachtblindheit, bei der die Patienten in Dämmerlicht oder Dunkelheit nichts erkennen können, das ursächliche Gen genetisch und physikalisch zu kartieren. Dies gelang u.a. durch die Untersuchung einer Großfamilie aus dem Schwarzwald, die seit sieben Generationen an dieser Krankheit leidet. Das Gen erhielt den Namen „Nyctalopin“ und gehört zu einer „Superfamilie“ von Genen, der in der Fachwelt ein ursächlicher Zusammenhang mit der Nachtblindheit oder anderen Erkrankungen nicht zugetraut worden war. Die ausgezeichnete Arbeit wurde in Nature Genetics publiziert. Puschs zukünftige Forschungen gelten nun dem Funktionieren des Gens und wie es zum Auslösen der Krankheit kommt.

Dr. Wolfgang Wick (31) ist Assistenzarzt in der Arbeitsgruppe von Oberarzt Privatdozent Dr. Michael Weller an der Neurologischen Universitätsklinik. Diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Erforschung und Behandlung von Glioblastomen, den häufigsten und aggressivsten Hirntumoren. Diese sind unter anderem dadurch charakterisiert, dass sie sich fingerförmig in die gesunden Hirnareale ausbreiten und sich daher nicht komplett chirurgisch entfernen lassen. Wick untersuchte die biologischen Mechanismen des diffusen, infiltrierenden Wachstums und die Veränderungen der Tumorzellen durch die Strahlentherapie in der Zellkultur und im Rattenmodell. Die Bestrahlung stellt bei Glioblastomen die wichtigste und effektivste therapeutische Maßnahme dar. Die Ergebnisse weisen Perspektiven für die weitere Forschung auf: zum einen wird man möglicherweise die Strahlentherapie durch infiltrationshemmende Pharmaka unterstützen können, zum anderen können die Ergebnisse möglicherweise auch auf andere, metastasierende Tumoren übertragen werden. Die preisgekrönte Arbeit wurde in „Cancer Research“ veröffentlicht.

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Michael Seifert

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