Krebstherapie mit Ionenstrahlen an der GSI: Bundesverdienstkreuz für Gerhard Kraft

Die Bundesministerin der Justiz und Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises, Brigitte Zypries, verlieh die Auszeichnung vor etwa 100 geladenen Gästen an der GSI. Gerhard Kraft wird damit für seine jahrzehntelangen wissenschaftlichen Arbeiten geehrt, die im Jahr 1997 erstmalig zur Tumorbehandlung mit Ionenstrahlen an der GSI und damit in Europa führten. Seitdem wird das Therapieverfahren mit großem Erfolg eingesetzt und steht heute an der Schwelle zu einer breiten klinischen Anwendung.

Die Behandlung mit Ionenstrahlen ist eine sehr präzise, hochwirksame und gleichzeitig sehr schonende Therapie. Der Vorteil liegt darin, dass die größte Wirkung des Ionenstrahls direkt auf den Tumor gerichtet werden kann. Dadurch wird das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont. Bisher wurden an der GSI über 400 Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich mit großem Erfolg behandelt. Die Heilungsraten liegen, je nach Art des Tumors, bei 75 bis 90 Prozent. Die Therapie ist schmerzlos und Nebenwirkungen sind verschwindend gering.

Gerhard Kraft ist der Initiator und Wegbereiter der Therapie mit Ionenstrahlen an der GSI und damit in Europa. Bereits Anfang der 1980er Jahre baute er die biophysikalische Forschungsabteilung an der GSI auf. Inspiriert wurde er durch einen Forschungsaufenthalt in Berkeley, USA, wo weltweit zum ersten Mal Patienten mit Ionenstrahlen behandelt wurden. Seitdem hatte er bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten an der GSI immer das visionäre Ziel vor Augen, eines Tages an der GSI Menschen mit Ionenstrahlen zu behandeln. Seine Vision war es, ein extrem präzises Bestrahlungsverfahren zu entwickeln, bei dem die Vorteile des Ionenstrahls, das heißt dessen Präzision und hohe biologische Wirkung, voll zum Tragen kommen. Auch wenn die Vorteile der Ionenstrahlen auf der Hand lagen, erschien vielen Wissenschaftlern dieses Bestrahlungsverfahren aus technischen Gründen undenkbar. Die Bestrahlungen in Berkeley, die technisch bei weitem nicht ausgereift waren, wurden unterdessen wieder eingestellt.

Dank der Initiative, der Weitsichtigkeit und Überzeugungskraft von Gerhard Kraft ist das Therapieverfahren seit zehn Jahren an der GSI im Einsatz. Die technische Leistung ist enorm: In nur wenigen Sekunden legen Ionenstrahlen in den GSI-Beschleunigern mehrere zehntausend Kilometer zurück und erreichen schließlich etwa die halbe Lichtgeschwindigkeit (150.000 Kilometer pro Sekunde). Erst dann können sie ins Gewebe eindringen und millimetergenau in den Tumor geschossen werden.

Der Aufbau des Behandlungsplatzes an der GSI war vor allem eine Gemeinschaftsarbeit der Abteilungen Biophysik, Materialforschung, Experiment-Elektronik, Informationstechnologie, und des Beschleunigerbereichs. Projektpartner waren das Universitätsklinikum und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie das Forschungszentrum Rossendorf.

Parallel zu den laufenden Behandlungen hat die GSI bereits 1998 ein Konzept für eine maßgeschneiderte Beschleunigeranlage vorgeschlagen, die für den klinischen Routinebetrieb geeignet ist. Sie wurde am Universitätsklinikum Heidelberg aufgebaut und steht kurz vor der Inbetriebnahme. Dort werden über 1000 Patienten pro Jahr behandelt werden können. Weitere Kliniken dieser Art entstehen zurzeit am Universitätsklinikum Marburg und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Gerhard Kraft ist Jahrgang 1941. Er studierte Physik in Heidelberg und Köln und arbeitete zunächst auf den Gebieten Atom- und Kernphysik. Im Jahr 1973 kam er zur GSI in die Forschungsabteilung Atomphysik. Nach Forschungsaufenthalten in Straßburg und Berkeley, USA, baute er ab 1981 die Abteilung Biophysik auf, die er bis heute leitet. Seit 1994 ist Gerhard Kraft Honorarprofessor an der Universität Kassel und seit 1997 Honorarprofessor an der TU Darmstadt.

Ansprechpartner für Medien

Dr. Ingo Peter idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neues Computermodell verbessert Therapie

Mithilfe mathematischer Bildverarbeitung haben Wissenschafter der Forschungskooperation BioTechMed-Graz einen Weg gefunden, digitale Zwillinge von menschlichen Herzen zu erstellen. Die Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der klinischen Diagnostik. Obwohl die…

Teamarbeit im Molekül

Chemiker der Universität Jena erschließen Synergieeffekt von Gallium. Sie haben eine Verbindung hergestellt, die durch zwei Gallium-Atome in der Lage ist, die Bindung zwischen Fluor und Kohlenstoff zu spalten. Gemeinsam…

Älteste Karbonate im Sonnensystem

Die Altersdatierung des Flensburg-Meteoriten erfolgte mithilfe der Heidelberger Ionensonde. Ein 2019 in Norddeutschland niedergegangener Meteorit enthält Karbonate, die zu den ältesten im Sonnensystem überhaupt zählen und zugleich einen Nachweis der…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen