Avrion-Mitchison-Preis für Rheumatologie 2008 geht an Erlanger Forscherin

Verliehen wird der Preis im Rahmen der diesjährigen Albrecht-Hasinger-Lecture, die der renommierte Rheumatologe Professor Dr. Steffen Gay von der Universitätsklinik in Zürich übernimmt.

Dr. rer. nat. Kirsten Neubert hat in zwei Mausmodellen zum SLE den Einfluss des Medikaments Bortezomib untersucht. Der Wirkstoff ist ein so genannter Proteasominhibitor und bereits zur Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom zugelassen. Die Wissenschaftlerin konnte zeigen, dass das Medikament auch in einem Tiermodell zum SLE eine vielversprechende Wirkung entfaltet. Der Systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine Antikörper-vermittelte Autoimmunerkrankung, die bisher nicht dauerhaft heilbar ist. Der Grund dafür sind langlebige Plasmazellen im Immunsystem der Erkrankten, die durch ihre permanente Antikörper-Bildung die Erkrankung aufrechterhalten und von herkömmlichen Therapiestrategien nicht beseitigt werden, wie Wissenschaftler am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin vor einiger Zeit zeigen konnten.

In den Mausmodellen zur SLE-Erkrankung bewirkte die Verabreichung von Bortezomib eine Eliminierung dieser langlebigen Plasmazellen. Im Ergebnis zeigten die erkrankten Mäuse eine Besserung ihrer klinischen Symptome und eine deutlich verlängerte Lebenserwartung ohne toxische Nebenwirkungen. Die Befunde wecken die Hoffnung, dass dieses Therapieprinzip eines Tages auch Patienten mit SLE zugute kommen könnte. Dr. Carsten Klein, Vorstand der Schering Stiftung, wird den Preis an Dr. Kirsten Neubert verleihen.

Professor Steffen Gay hält Albrecht-Hasinger-Lecture
Abgerundet wird die Festveranstaltung durch die Albrecht-Hasinger-Lecture, die in diesem Jahr von dem renommierten Züricher Rheumatologen Professor Steffen Gay gehalten wird. In seinem Festvortrag widmet sich Prof. Gay den epigenetischen Aspekten der rheumatoiden Arthritis. Die Epigenetik beschäftigt sich mit vererbbaren Änderungen der Genregulation und Genexpression, die nicht auf Abweichungen der DNA-Sequenz zurückgehen, sondern durch die umgebende Proteinstruktur bedingt sind. Prof. Gay wird darüber sprechen, wie solche Veränderungen die Bindegewebszellen (Fibroblasten) in den Gelenken von Patienten mit rheumatoider Arthritis betreffen und welche neuen Überlegungen für eine effektive Therapie daraus abgeleitet werden könnten. „Wir freuen uns, mit Steffen Gay einen so herausragenden Wissenschaftler und kontinuierlichen Wegbegleiter des DRFZ zur Hasinger-Lecture begrüßen zu können“, sagt Prof. Dr. Andreas Radbruch, wissenschaftlicher Direktor des DRFZ.

Zur Albrecht-Hasinger-Lecture am 2. November um 17 Uhr im Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (Charitéplatz 1) sind interessierte Journalisten herzlich eingeladen.

Albrecht-Hasinger Lecture und Avrion-Mitchison-Preis
Zum Gedenken an Albrecht Hasinger (1935-1994) wurde 1994 die Albrecht-Hasinger-Lecture am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin ins Leben gerufen. Hasinger zählt zu den Gründungsvätern des DRFZ und war seinerzeit, 1988, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Gesundheit des Landes Berlin. Bis 1994 engagierte er sich als Präsident des Stiftungsrates des Hauses.
Der Avrion-Mitchison-Preis wurde erstmalig im Jahr 1999 vergeben, um an den Gründungsdirektor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums zu erinnern. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird seitdem jährlich für die beste experimentelle, klinische oder epidemiologische Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Rheumatologie vergeben. Er soll herausragende Arbeiten junger Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum auszeichnen.

Die Albrecht-Hasinger-Lecture und der Avrion-Mitchison-Preis werden von der Schering Stiftung gesponsert.

Über das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin
Gegründet 1988 widmet sich das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) seit 20 Jahren der interdisziplinären Erforschung von rheumatischen Erkrankungen. Es zählt heute zu den international führenden Instituten auf dem Gebiet der Immunologie, der experimentellen Rheumatologie und der Rheuma-Epidemiologie. Am 13. Dezember feiert das DRFZ sein 20jähriges Bestehen.
Das DRFZ wird vom Land Berlin grundfinanziert. Einige Forschungsprojekte werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Gemeinschaft gefördert.

Das Institut ist seit November 2005 assoziiertes Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird zum 1. Januar 2009 als Vollmitglied in die Gemeinschaft aufgenommen.

Kontakt:
Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin
Öffentlichkeitsarbeit | Jacqueline Hirscher
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel.: 030 – 284 60 793
Fax: 030 – 284 60 603
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