Neue Impulse für Schule und Unterricht aus PISA

Nationale Ergänzungsanalysen der Studie „PISA 2009“ liefern neue Erkenntnisse zur Weiterentwicklung von Schule und Unterricht in Deutschland. Durchgeführt wurden die jetzt veröffentlichten Analysen von dem für PISA 2009 in Deutschland verantwortlichen Forschungskonsortium unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).

Mit PISA 2009 lagen erstmals Daten aus vier Erhebungszyklen der OECD-Schulleistungsstudie in einem Zeitraum von zehn Jahren vor. Bei ihren vertiefenden Analysen dieser Daten konzentrierten sich die deutschen Forscherinnen und Forscher nun weniger auf den Leistungsvergleich als vielmehr auf die Analyse der Schul- und Unterrichtsbedingungen und auf Impulse für deren Verbesserung.

Folgende Befunde können als Beispiele hervorgehoben werden:

1. Bei der Betrachtung der Schulentwicklung über ein Jahrzehnt standen auch Faktoren der Schulorganisation und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung im Fokus. Ein Ergebnis: „Erstmals konnten wir für Deutschland nachweisen, dass sich interne Evaluierungen als Schulentwicklungsmaßnahme positiv auf die Leistungen der Schüler und das Schulklima auswirken“, erläutert Professor Dr. Eckhard Klieme vom DIPF und Sprecher des Konsortiums.

2. Untersuchungen des Zusammenhangs der kulturellen Identität von Jugendlichen aus zugewanderten Familien mit ihrer Lesekompetenz in Deutsch zeigen: Die meisten der in Deutschland lebenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund identifizieren sich stark mit dem Aufnahmeland. Bei vergleichbarem familiärem Hintergrund und deutscher Familiensprache bleiben Jugendliche, die sich stark mit dem Aufnahmeland und ihrem Herkunftsland oder ausschließlich stark mit dem Aufnahmeland identifizieren, in ihrer Lesekompetenz nicht hinter Gleichaltrigen ohne Zuwanderungshintergrund zurück. „Besonders gefährdet, schwache schulbezogene Kompetenzen aufzuweisen, sind dagegen Jugendliche, die sich weder mit dem Aufnahme- noch mit dem Herkunftskontext identifizieren“, so Professorin Dr. Petra Stanat vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) und Mitglied des Konsortiums.

3. Die Lesekompetenz 15-jähriger Schülerinnen und Schüler aus Deutschland ist seit PISA 2000 angestiegen. Nach neuen Modellrechnungen lässt sich dieser Anstieg zu einem beträchtlichen Teil durch gestiegene Gymnasialquoten und die Tatsache, dass späte Einschulungen und Klassenwiederholungen seltener geworden sind, erklären. Professor Klieme erläutert: „15-Jährige sind heute vermehrt in Jahrgangsstufe 10 und weniger in Jahrgangstufe 9 zu finden.“

Die genannten Ergebnisse im Detail und viele weitere neue Befunde aus den Ergänzungsanalysen können Sie im 59. Beiheft der Zeitschrift für Pädagogik unter dem Titel „PISA 2009 – Impulse für die Schul- und Unterrichtsforschung“ nachlesen. Das Beiheft wurde von Dr. Nina Jude und Prof. Dr. Eckhard Klieme vom DIPF herausgegeben und ist jetzt im Beltz Verlag erschienen.

Eine ausführliche Übersicht der Ergebnisse bietet die Einleitung des Beihefts, die online verfügbar ist:
http://www.dipf.de/de/pdf-aktuelles/kurz-vorgestellt/zeitschrift-fuer-paedagogik-59-beiheft-einleitung

PISA 2009 war die bislang letzte Erhebung der OECD-Schulleistungsstudie. Die Ergebnisse des internationalen Leistungsvergleichs wurden im Dezember 2010 veröffentlicht. Das nationale Projektmanagement für PISA 2012 führt im Auftrag Kultusministerkonferenz das Zentrum für Internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) unter Federführung der TUM School of Education an der Technischen Universität München durch. Die Ergebnisse werden im Dezember 2013 veröffentlicht.

Kontakt

Analysen: Professor Dr. Eckhard Klieme, DIPF, Tel. +49 (0) 69 / 247 08 -107,
E-Mail: klieme@dipf.de,
Professorin Dr. Petra Stanat, IQB, Tel. + (0) 30 / 2093 46500, petra.stanat@iqb.hu-berlin.de
Presse: Dr. Steffen Schmuck-Soldan, DIPF, Tel. +49 (0) 69 / 247 08 -133,
E-Mail schmuck-soldan@dipf.de, http://www.dipf.de

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