Neue Medien in der Bildung

Freie Universität Berlin federführend bei der Entwicklung des fachübergreifenden Online-Curriculums „New Economy“

Mittlerweile wird auch von bislang skeptischen Wirtschaftswissenschaftlern die Bedeutung von „New Economy“ innerhalb der Wirtschaft nicht mehr in Frage gestellt. Entwicklung und Führung von Firmen und Märkten im virtuellen Raum werden in Zukunft aus dem Wirtschafts- und Finanzleben nicht mehr wegzudenken sein, trotz momentan gedämpfter Stimmung auf den Finanzmärkten. Grund genug, um die bisher traditionell strukturierten Studiengänge der Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften sowie der Informatik zu verbinden und Studierende dieser Fächer auf gestiegene Anforderungen vorzubereiten. Unter Federführung von Prof. Dr. Axel Zerdick vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Freien Universität Berlin haben sich sieben Hochschulen aus ganz Deutschland zusammengeschlossen, um in gemeinsamer Arbeit ein einmaliges Projekt der Online-Lehre zu realisieren. Studierenden der genannten Fächer soll die Möglichkeit gegeben werden, sich durch interdisziplinären Austausch gezielt auf die Teilnahme an der New Economy vorzubereiten und erstmalig eine Ausbildung zu erhalten, die Fach- und Problemlösungskompetenzen organisch verknüpft und „online“ absolviert werden kann.

Zusammen mit den Hochschulen Trier, Würzburg, Bochum, der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft sowie der Technischen und der Humboldt-Universität in Berlin wird die Freie Universität bis zum Jahr 2003 einen komplett neuen Online-Studiengang initiieren. Studierende in Deutschland sollen erstmals auf die geänderten Anforderungen und Arbeitsweisen der New Economy vorbereitet werden. Die innerhalb des Online-Curriculums gesetzten Schwerpunkte werden die Ökonomie-Ausbildung gemäß dem gestiegenen Bedarf an Fachkräften, die mit neuen Formen der Wertschöpfung vertraut sind, anpassen, um so auf die globale sowie firmeninterne Vernetzung adäquat und kompetent vorzubereiten.

Es ist seit Anfang der neunziger Jahre immer offensichtlicher, dass die globale Ausrichtung moderner Internet-Firmen auch neue Kenntnisse und Fähigkeiten auf Seiten der Arbeitnehmer fordert. Bislang haben deutsche Hochschulen darauf nicht oder nur in einem unzureichenden Maße reagiert. Bestehende universitäre Angebote beschränkten sich zumeist auf vertiefende Weiterbildung innerhalb der jeweiligen Disziplin. Doch gerade aufgrund der Tatsache, dass sich Wertschöpfungsformen innerhalb der New Economy deutlich von traditioneller Wirtschaftsproduktion unterscheiden, ist ein Verharren in etablierten Wissensstrukturen und Fachkompetenzen gerade dann nicht ausreichend, wenn Funktionsweise und Entwicklung der neuen Märkte nachvollzogen und kompetent erklärt werden sollen.

Diesen Defiziten – wie auch der strikten Trennung zwischen technischen, wirtschaftlichen und kreativen Studiengängen, wie sie innerhalb der Informatik, Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften praktiziert wird – soll innerhalb des Online-Curriculums entgegengetreten werden. Dabei soll auch auf neue Formen von Management- und Innovationsprozessen, die geänderten Infrastrukturen sowie neue Kooperations- und Kommunikationsformen eingegangen werden. Im regulären wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbetrieb erhielten diese bislang nur wenig Aufmerksamkeit.

Um diesen Vorhaben gerecht zu werden, wird das Curriculum aus jeweils eigenständigen Modulen aufgebaut, die von den einzelnen Partneruniversitäten gemäß ihren Fachkompetenzen gestaltet und betreut werden. Die einzelnen Bausteine können, je nach Schwerpunkt, sowohl in bereits existierende MBA-Programme als auch als Ergänzung zur traditionellen Lehre genutzt werden. Dementsprechend ist das Lehrmaterial in Präsenzlehre, Übungsbetrieb und Fernstudium einsetzbar bzw. individuell nutzbar. Neben der Produktion von „passiven“ und „semi-aktiven“ Lernmaterialien soll auch der Bezug zur Praxis hergestellt werden, indem die Lernenden auf der Basis praktischer Fallbeispiele mit Unterstützung des Rechners Problemfälle analysieren und dazu Lösungen erarbeiten. Darüber hinaus ist auch ein virtuelles Labor geplant, in dem die Konzepte aus der Theorie experimentell erprobt werden können. Um Studierenden eine möglichst breite und durch die Form bereits praxisorientierte Ausbildung zu ermöglichen, soll langfristig die komplett virtuelle Bearbeitung von Lerninhalten angestrebt werden. Dies würde auch die Möglichkeit von Online-Prüfungen mit einschließen, um der Divergenz zwischen einer Online-Studiensituation und den bislang gesetzlich verlangten Präsenzprüfungen zu entgehen.

Ein eigenes Web-Portal und die Erweiterbarkeit der Lernsoftware durch neue Bauteile, nimmt Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der einzelnen Projektpartner und garantiert notwendige Flexibilität. Gleichzeitig wird neuen Partnern die Möglichkeit geboten, eigene Module zu entwerfen und sich dem Projekt anzuschließen. Um eine breite Nutzung der multimedialen Lernsoftware zu gewährleisten, wird die Einbindung in den regulären Lehrbetrieb der genannten Projektteilnehmer angestrebt. Darüber hinaus wird die Entscheidung der Berliner Landesrektorenkonferenz, das Thema „New Economy“ zu einem Schwerpunkt der Berliner Hochschulen zu machen, den potentiellen Nutzerkreis erheblich ausweiten. Zu den aktuellen Usern bestimmter Module gehören bereits die Ruhr-Universität Bochum, die Universität Köln sowie die Freie Universität Berlin, hier im Rahmen der Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Für die technische Verfügbarkeit und Pflege der Software konnte das Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin gewonnen werden. In Zukunft soll als Ergänzung auch eine CD-ROM vertrieben werden. Der flächendeckende Vertrieb soll durch Zusammenarbeit mit Verlagen gewährleistet werden.

von Kajetan Tadrowski

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Karoline von Köckritz, Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin, Ihnestr. 24, 14195 Berlin, Tel.: 030 / 838-55935, E-Mail: kvkoe@cedis.fu-berlin.de

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Ilka Seer idw

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