Forschen als Beitrag zur Völkerverständigung

Zu Tinnitus und Minderheitenfragen: VolkswagenStiftung fördert mit rund 400.000 Euro zwei neue Vorhaben in ihrer Mittelasien/Kaukasus-Initiative.

Die VolkswagenStiftung fördert zwei neue Vorhaben in ihrer Initiative „Zwischen Europa und Orient – Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft“. Ziel der Stiftung ist es hier, das Forschungsinteresse an Mittelasien und dem Kaukasus zu stärken und die Wissenschaft in der Region aktiv zu unterstützen. Dabei soll nicht zuletzt die Vernetzung deutscher Wissenschaftler mit in der Region arbeitenden Forscherkollegen vorangetrieben werden. Für die neuen Vorhaben stellt die Stiftung insgesamt 403.200 Euro zur Verfügung, und zwar:

318.900 Euro für das Forschungsprojekt „Between Integration and Resettlement: The Meskhetain Turks“ unter der Leitung von Marc Weller, Direktor des European Centre for Minority Issues in Flensburg

Forschung über eine „Nation im Exil“ – so etwa ließe sich der Kerngedanke des am European Centre for Minority Issues in Flensburg angesiedelten Vorhabens zusammenfassen. Ziel ist eine vergleichend angelegte, grenzübergreifende Studie zu den meschetischen Türken, die als einzige nationale Volksgruppe der ehemaligen Sowjetunion nach ihrer Deportation unter Stalin in den Jahren 1943/44 bislang noch nicht in ihre Heimatregion (im Südwesten Georgiens) zurückkehren konnten. Sie leben heute – nach Pogromen und mehrfachen Vertreibungen – verstreut über weite Gebiete Russlands, der Ukraine, Usbekistans, Kasachstans, Kirgisistans, Aserbaidschans, Georgiens und der Türkei. Derzeit mangelt es an Wissen darüber, wie die Mescheten selbst ihre Vertreibung wahrnehmen beziehungsweise wie sie sich ihre (künftige) Heimat vorstellen. Die Untersuchung soll daher nicht nur Aufschluss geben über Migrationsprozesse und Fragen der Identität, sondern vor allem die – bislang gängige – Annahme überprüfen, dass die Mescheten eine Rückkehr in ihre Herkunftsregion in Georgien anstreben.

Vorgesehen sind in den acht genannten Ländern – unter Beteiligung von Wissenschaftlern vor Ort – ethnografisch und soziologisch angelegte Fallstudien vor allem zu Fragen der Netzwerkbildung, Identität und den Heimatvorstellungen der Mescheten. Zugleich wollen die Forscher um Marc Weller und den Projektleiter Tom Trier statistisches Material zusammentragen zur sozialen Struktur der jeweiligen meschetischen Gemeinschaft. Die Länderstudien werden ergänzt durch zwei Untersuchungen zur rechtlichen Situation der Mescheten in Russland und Georgien sowie durch fünf „thematische Studien“, die sich übergreifenden Themen widmen – wie etwa der Rolle internationaler Organisationen, der Haltung der Regionalmächte oder der meschetischen Elite. Veröffentlicht werden die Ergebnisse aller Teilprojekte in einem Sammelband, der ein Standardwerk zum Thema werden dürfte.

Die Stärken des Projekts sind, dass durch die Ergebnisse zum einen Wissen generiert wird zur Frage von Nation und Nationalismus in Exil und Diaspora, dass darüber hinaus Wissenschaftler einer Vielzahl von Ländern dieser Region zusammengeführt werden. Zum anderen kann das Vorhaben von praktischem Nutzen sein im Zuge konkreter Politikberatung und Strategieentwicklung mit Blick auf künftige nationale und internationale Anstrengungen um eine dauerhafte Lösung der anhaltenden Probleme dieser benachteiligten Volksgruppe.

Kontakt
European Centre for Minority Issues (ECMI):
Tom Trier
Telefon: 0461/14149 – 11
E-Mail: trier@ecmi.de

Marc Weller
Telefon: 0461/14149 – 0
E-Mail: info@ecmi.de

84.300 Euro für das Forschungsprojekt „The Bounce Phenomenon and the Tinnitus: Interrelationship and the Mechanisms Involved“; koordiniert von Professor Dr. Gert Hofmann von der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Technischen Universität Dresden (Universitätsklinikum Carl Gustav Carus) – in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Zurab Kevanishvili vom Zentrum für Audiologie und Rehabilitation des Hörvermögens an der Universität Tiflis, Georgien.

Immer mehr Menschen plagt ein ständiger Pfeifton im Ohr, Tinnitus oder Ohrensausen genannt. Weder die genauen Ursachen noch eine allgemein wirkungsvolle Behandlung des Tinnitus sind bekannt. Als ein natürliches Modell zur Untersuchung dieser Beeinträchtigung kann der so genannte Bounce-Effekt betrachtet werden. Dieser Effekt ist ein interessantes audiologisches Phänomen, bei dem es durch Beschallung mit tieffrequenten Tönen hoher Intensität zu einer kurzzeitigen Absenkung der Hörschwelle kommt – und damit zugleich zu einer Verbesserung des Hörvermögens. Diese gesteigerte Em­pfindlichkeit des Gehörs wird häufig von einem subjektiven Tinnitus begleitet.

Ein deutsch-georgisches Wissenschaftlerteam um Koordinator Professor Dr. Gert Hofmann vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden will nun den Charakteristiken, Symptomen und Vorgängen beim Bounce-Effekt systematisch auf den Grund gehen – immer vor dem Hintergrund, dass die Erkenntnisse dazu beitragen sollen, die Entstehungsmechanismen eines Tinnitus besser zu verstehen. Die Forscher untersuchen sowohl normal hörende Probanden als auch Patienten mit Hörverlust – mit und ohne Tinnitus. Zugleich wird die Ausprägung des Bounce-Effekts bei Schlaflosigkeit und unter Narkose betrachtet. Die Wissenschaftler gehen auch der Frage nach, ob der Bounce-Effekt ein rein rezeptorbasierter oder ein komplexer neuraler Vorgang ist. Zudem soll über einen Vergleich des Bounce-Effekts bei normal hörenden Probanden und bei Patienten mit deutlichem Hörverlust erkennbar werden, inwieweit innere und äußere Haarzellen im Ohr an diesem Phänomen beteiligt sind. Parallel zu den experimentellen Untersuchungen werden anhand von Simulationsrechnungen mit mathematischen Modellen verschiedene Hypothesen zum Bounce-Effekt geprüft. Die Simulationsrechungen sollen nicht zuletzt den Weg weisen für das weitere experimentelle Vorgehen.

Kontakt HNO-Klinik der Universität Dresden:
Professor Dr. Gert Hofmann
Telefon: 0351/458 – 2586
E-Mail: Gert.Hofmann@mailbox.tu-dresden.de

Kontakt VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Christian Jung
Telefon: 05 11/83 81 – 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Kontakt Förderinitiative der VolkswagenStiftung
zu „Mittelasien/Kaukasus“:
Dr. Matthias Nöllenburg
Telefon: 05 11/83 81 – 290
E-Mail: noellenburg@volkswagenstiftung.de

Media Contact

Dr. Christian Jung idw

Weitere Informationen:

http://www.volkswagenstiftung.de

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