"She Figures 2003": Schlüsseldaten über Frauen und Wissenschaft

Die Kommission hat gerade „She Figures 2003“ veröffentlicht, eine einzigartige Zusammenstellung von Schlüsseldaten, in der die neuesten Zahlen über die Präsenz von Frauen in der wissenschaftlichen Bildung und in wissenschaftlichen Berufen dargestellt werden. Die Zahl der Forscherinnen an Universitäten und in Unternehmen steigt europaweit. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass die staatlichen Forschungsinstitute in einigen Ländern sowohl Forscher als auch Forscherinnen verlieren. Wenngleich in Europa 40 % der Doktorabschlüsse auf Frauen entfallen, stellen Frauen nur 15 % der Forscher in Unternehmen und ein Drittel der Forscher an staatlichen und universitären Forschungseinrichtungen. In sechs Mitgliedstaaten sind weniger als 10 % der führenden akademischen Mitarbeiter Frauen.

„Mehr Frauen in die Forschung, bessere Karrieremöglichkeiten für Forscherinnen“ – so lautet der Appell des für Forschung zuständigen Mitglieds der Europäischen Kommission, Phlippe Busquin. „Während der jüngsten Veranstaltungen über „Frauen in der Industrieforschung“ in Berlin und Brüssel wurde dieser Appell von den Vorsitzenden führender europäischer Unternehmen vernommen und gebilligt. Sie verpflichteten sich schriftlich dazu, die Zahl der Forscherinnen in ihren Unternehmen zu erhöhen und ihr Talent bestmöglich zu nutzen. Nunmehr müssen wir voranschreiten und den Wandel in anderen Sektoren fördern. Forscherinnen sind eine zu wertvolle Ressource, als dass man sie verschwendet. Wir können es uns nicht leisten, das intellektuelle Potenzial, das sie darstellen, zu verlieren, und wir dürfen die Vielfalt in der Forschung nicht unterdrücken. Geklonte Ideen im Labor und in wissenschaftlichen Gremien führen nur zu sterilen Lösungen.“

“She Figures 2003” ist ein nützliches Referenzwerk, das es politischen Entscheidungsträgern ermöglichen wird, die neuesten europäischen und nationalen Trends hinsichtlich hochqualifizierter Frauen und Männer zu verfolgen. In diesem Werk sind beschreibende Statistiken und Indikatoren für die EU-Mitgliedstaaten und die assoziierten Länder sowie erläuternde Textteile und Anmerkungen zur Methodik enthalten. Damit läutet es eine neue Ära in puncto verfügbarer geschlechtsdifferenzierter Daten über die Humanressourcen im Europäischen Forschungsraum ein.

Frauenanteil von nur 15 % im Unternehmenssektor

Aus „She Figures 2003“ geht hervor, dass in nahezu allen Mitgliedstaaten und Kandidatenländern gute Wachstumsraten hinsichtlich der Zahl der Forscher im Hochschulbereich und in Portugal, Spanien, Finnland, Italien, Litauen, Zypern, Norwegen und Ungarn hinsichtlich der Industrieforscher im Zeitraum 1998-2001 zu verzeichnen waren. Im gleichen Zeitraum haben jedoch in fast der Hälfte der assoziierten Länder die staatlichen Forschungseinrichtungen und die Industrie Forschungsmitarbeiter (Frauen und Männer) eingebüßt.

Der Anteil der Forschungsstellen, die Frauen innehaben, ist im Unternehmenssektor (15%) halb so hoch wie im Hochschulbereich (34%) oder in den staatlichen Forschungseinrichtungen (31%). Zwischen 1999 und 2000 ist der durchschnittliche Frauenanteil in der Forschung in der EU-15 im Hochschulbereich um 2 Prozentpunkte (von 32% auf 34%) leicht gestiegen.

Weshalb sind Frauen so unterrepräsentiert?

Der Qualifikationsgrad kann nicht mehr als Entschuldigung dafür angesehen werden, dass Frauen in der Forschung unterrepräsentiert sind. Die Statistiken in „She Figures 2003“ lassen allerdings den Schluss zu, dass Frauen mit der erforderlichen Qualifikation sich tendenziell weniger als ihre männlichen Kollegen für Forschungsstellen im Bereich Forschung und Entwicklung entscheiden und eher technische Berufe vorziehen.

Da die Universitätsabsolventen von heute die Wissenschaftler von morgen sind, wurden in „She Figures 2003“ die Absolventenstatistiken für das Jahr 2001 untersucht; es wurde festgestellt, dass der Frauenanteil bei den Doktorabschlüssen in der EU-15 gerade 40 % erreicht hat. In allen assoziierten Ländern mit Ausnahme Ungarns, der Tschechischen Republik und Norwegens sind mehr als 40 % der Absolventen von Doktoratsstudiengängen Frauen.

Geringer Frauenanteil im akademischen Bereich

In sechs von 14 in „She Figures 2003“ dargestellten Mitgliedstaaten kommt auf zehn Männer in den obersten Reihen des akademischen Betriebs immer noch weniger als eine Frau. Im Zeitraum 1999-2000 gab es insgesamt einen leichten Anstieg des Frauenanteils in der obersten Hierarchie der Universitätsmitarbeiter von 11,6 % auf 13,2 %, doch in Österreich und den Niederlanden sind nur 6 % der höheren akademischen Mitarbeiter Frauen. Nur 3 % der obersten Ränge akademischer Mitarbeiter in den Ingenieurswissenschaften in Portugal („Professor Catedrático“) sind Frauen, und in Österreich beträgt der Anteil nur 1,7 %. Bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die höchsten Ränge erreichen, drei Mal größer als bei Frauen. In Europa erreichen nur 6,4 % der Akademikerinnen diese obersten Ränge, während diese Anerkennung 18,8 % der Männer zuteil wird.

Frauen scheinen auch von der Teilnahme an wissenschaftlichen Gremien ausgeschlossen zu sein. In acht von 15 Mitgliedstaaten und neun von elf assoziierten Ländern sind weniger als 25 % der Mitglieder wissenschaftlicher Gremien Frauen. Magere 6,6 % sind in Luxemburg, 10,3 % in Belgien und 11,8 % in Österreich zu verzeichnen. Dies macht eine Überprüfung der Einstellungsstrategien und der Bestellungsverfahren dringend erforderlich. Der Mangel an Frauen in höheren wissenschaftlichen Positionen, in denen Entscheidungen getroffen werden, bedeutet, dass ihre individuellen und kollektiven Standpunkte in dem sehr wichtigen Dialog „Wissenschaft und Gesellschaft“ eher weniger geäußert und gehört werden.

Zahlen, die Ausdruck des politischen Willens sind

„She Figures 2003“ ist der Beginn einer umfassenden Erhebung geschlechtsdifferenzierter Daten über Frauen in der Wissenschaft. Alle daran beteiligten Länder werden diese Indikatoren weiter beobachten, um den raschen Wandel hinsichtlich der Geschlechterdynamik im Europäischen Forschungsraum zu messen.

Die koordinierte Zusammenstellung dieser Daten ist den besonderen Bemühungen der Statistikkorrespondenten der Helsinki-Gruppe „Frauen und Wissenschaft“ zu verdanken.

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