Wichtige EU-Forschungsprojekte gehen nach Berlin

Das Max-Born-Institut koordiniert zwei große Verbünde im Bereich Laser- und Materialforschung

Die Leibniz-Gemeinschaft präsentiert sich am morgigen Dienstag Abend bei der EU in Brüssel. Eingeladen sind EU-Parlamentarier und Mitarbeiter der EU-Kommission. Dies ist für den Forschungsverbund Berlin e.V. Anlass, auf eine besonders erfolgreiche Bilanz von Berliner Leibniz-Instituten in den jüngsten EU-Ausschreibungen hinzuweisen.

Im Bereich der Laserforschung hat sich ein europaweites Konsortium gebildet, das die 17 wichtigsten Großforschungseinrichtungen aus neun europäischen Ländern umfasst. Das Berliner Max-Born-Institut mit seinem Direktor Wolfgang Sandner ist als Koordinator dieser Initiative ernannt worden, die Verbundverwaltung des Forschungsverbundes Berlin e.V. (Leitung: Dr. Falk Fabich) übernimmt die Gesamt-Administration des Projekts. Als besondere Innovation hat das Konsortium beschlossen, das Fachinformationszentrum (FIZ) Chemie in Berlin (Direktor: Prof. R. Deplanque) mit der Entwicklung einer bisher einmaligen „Virtual Infrastructure“, also eines einheitlichen europäischen Laserforschungsinstituts im Internet, zu beauftragen. Sowohl das FIZ Chemie als auch alle Institute des Forschungsverbundes Berlin gehören zur Leibniz-Gemeinschaft. Das zeigt, welche wichtige Rolle die Leibniz-Gemeinschaft in der europäischen Forschung spielt. Leibniz-Präsident Hans-Olaf Henkel unterstreicht: „Dies ist eine Bestätigung für die exzellente Arbeit unserer Institute.“

Mehr als 14 Millionen Euro für das virtuelle Labor

Um so mehr, als es bei der Einreichung des Antrags galt, sich in einem Feld von 153 Bewerbern aus allen Disziplinen zu platzieren, von denen letztlich nur 24 als förderwürdig ausgewählt wurden. Das MBI-geführte Laserkonsortium ist unter den besten dieser „short list“, worauf Wolfgang Sandner nicht ohne Stolz verweist. Er nennt jedoch noch einen Wermutstropfen: „Alle Anträge, so auch unserer, mussten wegen der enormen Überbuchung des Programms große, ja teilweise dramatische Kürzungen erfahren.“ Dennoch überwiegt die Freude über das hervorragende Abschneiden des Konsortiums. Sandner: „Gerade in Zeiten der Klagen über angeblich unzureichende EU-Aktivitäten der Leibniz-Institute ist eine solche Entwicklung auch unter nationalen forschungspolitischen Gesichtspunkten erfreulich.“

Die von der EU zu erwartenden Summen für das virtuelle Laserlabor übersteigen 14 Millionen Euro. Zurzeit laufen die Vertragsverhandlungen mit der EU, Projektbeginn ist voraussichtlich der 1. Dezember.

Kristalle für die Optoelektronik

Unterdessen steht ein weiteres EU-Projekt am MBI vor dem Vertragsabschluss. Darin geht es um die Untersuchung von Doppel-Wolframat-Kristallen. Das sind kristalline Verbindungen, die sich als multifunktionale Materialien unter anderem für opto-elektronische Anwendungen und speziell für den Aufbau effizienter Laser, aber auch zur optischen Kühlung eignen. Sechs wissenschaftliche und drei industrielle Partner aus sechs europäischen Ländern wollen in dem EU-Projekt systematisch die Anwendungsmöglichkeiten und die Eigenschaften der Doppel-Wolframat-Kristalle untersuchen. Konsortium-Koordinator ist Dr. Valentin Petrov vom MBI. Auch hier übernimmt die Verbundverwaltung die administrative Abwicklung des 3,3-Millionen-Euro-Projekts, wovon 2,5-Millionen als EU-Grant zur Verfügung gestellt werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Sandner, MBI, 030 – 6392-1300
Dr. Valentin Petrov, MBI, 030 – 6392-1272
Juliane Andersohn, Verbundverwaltung, 030 – 6392-3332

Media Contact

Josef Zens idw

Weitere Informationen:

http://www.fmp-berlin.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Mikroalge Stylodinium – ein geheimnisvoller Unbekannter aus dem Moor

Die Alge des Jahres 2022 … LMU-Biologe Marc Gottschling untersucht die Panzergeißler seit Langem. Einer ihrer bemerkenswertesten Vertreter wird jetzt zur Alge des Jahres 2022 gewählt. Die Mikroalge Stylodinium wird…

Zur Rolle von Bitterrezeptoren bei Krebs

Rezeptoren als Angriffspunkte für Chemotherapeutika. Bitterrezeptoren unterstützen den Menschen nicht nur beim Schmecken. Sie befinden sich auch auf Krebszellen. Welche Rolle sie dort spielen, hat ein Team um Veronika Somoza…

Das ungleichmäßige Universum

Forscher untersuchen kosmische Expansion mit Methoden aus der Physik von Vielteilchensystemen. Mathematische Beschreibungen der Expansion des Universums beinhalten einen systematischen Fehler: Man nimmt an, dass die Materie im Universum gleichmäßig…

Partner & Förderer