Tutorium Natur – Bionik soll verstärkt Eingang ins deutsche Bildungssystem finden

„Lernen von der Natur für innovative Anwendungen“ – unter diesem Leitsatz analysiert die Bionik fachübergreifend biologische Errungenschaften der Evolution. Ziel der Bioniker ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Technologien und innovative Produkte zu übertragen.

Ab 1. Juli 2008 erhalten das Bionik-Innovations-Centrum (B-I-C) der Hochschule Bremen und die Plant Biomechanics Group der Uni Freiburg insgesamt 500.000 Euro, um die Bionik in der schulischen und akademischen Lehre didaktisch zu untermauern. Das dreijährige Projekt wird im Rahmen des „Hochschulpaktes 2020“ und der „High-Tech-Strategie“ der Bundesregierung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) getragen.

In der Bionik-Forschung hat Deutschland seit Jahren eine internationale Vorreiterrolle inne. Lehrangebote für das Fach an Schulen und Hochschulen des Landes sind jedoch dünn gesät. Mit dem Internationalen Studiengang Bionik an der Hochschule Bremen existiert bislang zum Beispiel nur ein Standort in Deutschland, an dem das Fach Bionik studiert werden kann. Quer durch alle Bildungsstufen, von der Grundschule bis in die Doktorandenkolloquien an Universitäten, fehlt es an didaktisch aufbereitetem Lehrstoff sowie qualitätssichernden Instrumenten bei der Vermittlung bionischer Sachverhalte.

„Wir werden uns in diesem Vorhaben mit unterschiedlichen Komplexitäts- und Lernniveaus befassen, um die Bionik – und mit ihr das interdisziplinäre Denken und Arbeiten – so früh und so weit reichend wie möglich in den Bildungsprozess zu integrieren“, kündigt Antonia Kesel, die Leiterin des B-I-C an. Um naturwissenschaftliche und technische Inhalte in Theorie und Praxis zu vermitteln, sind innovative Didaktikkonzepte erforderlich. Für den schulischen Bereich sollen aktuelle bionische Forschungsergebnisse in bionischen Lehr- und Lernmodulen aufbereitet werden. Diese werden durch Unterrichtsmaterialien ergänzt, die geeignet sind, fachübergreifendes Denken, Handeln und Problemlösen zu trainieren. „Ein wichtiger Baustein in unserem Ansatz ist, die exemplarisch entwickelten Konzepte und Module öffentlich zugänglich zu machen, zum Beispiel über ein Internetportal. Wir werden auch nicht im rein schulischen Bereich stehen bleiben, sondern visieren die gesamte persönliche Bildungsbiographie an – Stichwort „lebenslanges Lernen“. Die Vielfalt der bionischen Inhalte bietet sich an, um zum Beispiel auch in außerschulische Bildungsinstitutionen wie technisch-naturwissenschaftliche „Erlebniswelten“ oder botanische und zoologische Gärten Eingang zu finden“, führt Frau Kesel weiter aus.

Auch für den Hochschulbereich soll Grundlegendes getan werden. Zunächst werden aktuelle Daten zur Ist-Situation in einer „Hochschul-Bildungskarte Bionik“ abgebildet. Davon ausgehend erstellen die Bremer Bioniker in Kooperation mit ihren Freiburger Kollegen modellhafte Konzepte für Projektarbeiten, Praktika, Seminare oder Vorlesungen, die in Studiengänge, in die Doktorandenausbildung sowie in Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an Hochschulen integriert werden können. Ergebnisse dieses Prozesses werden in Workshops und Zukunftswerkstätten weitergegeben. Die Akteure der Bildungsinitiative erhoffen sich, dass es über die Vermittlung der Denk- und Vorgehensweise der Bionik gelingt, die Berufschancen von Absolventen zu verbessern, die in eine Arbeitswelt mit sich wandelnden Ansprüchen eintreten, in der fachübergreifende Vorgehensweisen und vernetztes Denken zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Hinweis für Redaktionen:
Weitere Informationen:
Bionik-Innovations-Centrum B-I-C
Prof. Dr. Antonia Kesel
Hochschule Bremen
Fachrichtung Bionik
Neustadtwall 30
D-28199 Bremen
Tel.: 0421-5905-2525
Fax: 0421-5905-2537
E-Mail: B-I-C@hs-bremen.de

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Ulrich Berlin idw

Weitere Informationen:

http://www.bionik.hs-bremen.de

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