Mit Sprache kann man spielen: Deutschlandpremiere für die SprachChecker

„Wir schreiben heute ein Diktat.“ Millionen von Kindern haben diesen Satz so oder so ähnlich schon einmal gehört. Was ihnen bisher aber noch keiner gesagt hat: „Egal, wie gut oder schlecht ihr das macht, ihr seid alle SprachChecker.“

Jedes Kind, jeder Mensch ist ein SprachChecker und verfügt über einen enormen Sprachschatz und sprachliche Fähigkeiten – was ihm oft gar nicht bewusst ist. „Der normale Schulunterricht geht dahin, normativ richtiges Deutsch zu lernen. Wir wollen den Kindern und Jugendlichen ihre sprachliche Vielfalt deutlich machen und ihnen zeigen, wie Sprache funktioniert – und haben dafür ein völlig neues Konzept“, sagt Dr. Markus Steinbach vom Deutschen Institut der Universität Mainz. Dieses neue Konzept wurde in einem Multimedia-Lernprojekt verwirklicht, das am 6. Mai 2008 erstmals in Deutschland öffentlich vorgestellt wird.

Die Macher des Projekts gehen davon aus, dass sich die Schullandschaft in den nächsten zehn Jahren stark verändert, dass sie internationaler wird und verstärkt auf elektronischen Medien aufbaut. Jetzt schon ist Mehrsprachigkeit für viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund alltäglich – und oft ein Problem. „Diese Zielgruppe möchten wir erreichen und dazu bringen, dass sie über ihre Mehrsprachigkeit nachdenkt und vielleicht auch ein bisschen stolz auf ihre besonderen sprachlichen Fähigkeiten ist“, so Steinbach. Im Rahmen eines internationalen EU-Projekts hat er mit seinem Team in dreijähriger Arbeit die deutsche Version der SprachChecker entwickelt, ein in dieser Form einzigartiges multimediales Lernprojekt über Sprache, Sprachbewusstsein, Mehrsprachigkeit und interkulturelles Lernen. Es richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren und vermittelt spielerisch klassische schulgrammatische Inhalte zu Wort- und Satzbau, Lauten und Intonation, Sprachvariation und Sprachwandel, behandelt aber auch Themen wie Jugendsprache, SMS-Kommunikation, Spracherwerb, Dialekte und Gebärdensprache. „Gerade für 12- bis 16-Jährige ist es wichtig, dass sie sich auch über Sprache abgrenzen und entwickeln können“, so Steinbach. Das wird auch in dem Multimedia-Projekt deutlich.

Am Anfang der SprachChecker-Geschichte steht ein Diktat. Die vier Hauptcharaktere Mercé, Ahmet, Lukas und Zuzanna stöhnen, albern herum und werden von der Lehrerin aus der Klasse geschickt. Sie sollen sich etwas einfallen lassen, etwas ganz Neues – mit Sprache. Was sie dann machen, zeigt der 45-minütige interaktive Film, verbunden mit zahlreichen Spielen und Übungsaufgaben und einem 40-seitigen Begleitheft. Das Programm kann sehr flexibel verwendet werden: im regulären Schulunterricht, an Projekttagen oder für eigenständiges Lernen zuhause. Lehrer finden auf der CD Zusatzinformationen, beispielsweise über Jugendsprachen, und auf der SprachChecker-Internetseite Ergänzungen zu linguistischen Themen. „Wir denken, dass dies den Unterricht gerade in Klassen mit mehrsprachigen Schülern gut ergänzt. In den Niederlanden ist das Programm bei den Jugendlichen hervorragend angekommen.“ Erste Tests laufen in Deutschland gerade an fünf Schulen im Stuttgarter Raum und im Rhein-Main-Gebiet an.

Die SprachChecker sind Teil eines europäischen Projekts, das von der EU im Rahmen des Sokrates-Programms mit 350.000 Euro gefördert wird. Die deutsche Version wurde vom Deutschen Institut der Universität Mainz in Kooperation mit der Universität Amsterdam, dem Studio Taalwetenschap und der Klett Lernen und Wissen GmbH entwickelt. In den Niederlanden sind die „Taaltrotters“ seit 2002 im Einsatz, parallel zu Deutschland wurde das Programm auch für Finnland und Schweden in den entsprechenden Landessprachen bearbeitet. Am Dienstag, 6. Mai wird der SprachChecker-Film in Mainz erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Premiere beginnt um 18 Uhr im Hörsaal P5, Philosophicum auf dem Uni-Campus. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler sind dazu herzlich eingeladen.

Kontakt und Informationen:
Dr. Markus Steinbach
Deutsches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-25512
E-Mail: steinbac@uni-mainz.de

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Petra Giegerich idw

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