Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur auf Quartalszahlen fokussiert? Untersuchung zu kurzfristigem Verhalten von Managern

03.09.2012
Doktorarbeit „Managermyopie in deutschen Unternehmen - eine empirische Analyse“ von Michael Berger an der HHL Leipzig Graduate School of Management
(http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-94820)

Unterlassen die Vorstände deutscher Unternehmen wirtschaftlich sinnvolle Investitionen, um den auf Quartalszahlen fokussierten Finanzexperten befriedigende Ergebnisse präsentieren zu können?

Michael Berger (36) stellt in seiner Doktorarbeit an der HHL Leipzig Graduate School of Management die Frage nach der Existenz von solch kurzfristigem Verhalten, bezeichnet als Managermyopie, sowie den Einflussfaktoren auf dieses Verhalten. Zur Beantwortung wurden eine postalische, anonymisierte Fragebogenumfrage unter den Finanzvorständen der CDAX-Unternehmen mit einer Rücklaufquote von 21% sowie teilstrukturierte Interviews durchgeführt.

Die Ergebnisse liefern deutliche Hinweise auf die Existenz von kurzfristigem Verhalten. Die Faktoren Kapitalmarktdruck, Unternehmensgröße und Fremdkapitalquote besitzen einen statistisch messbaren Einfluss auf kurzfristiges Verhalten. Die Untersuchung liefert direkte Erkenntnisse über Kapitalmarktdruck, das tatsächlich ausgeübte Maß von kurzfristigem Verhalten und die aktuelle Debatte über die verpflichtende Einführung von Quartalsberichterstattung.

Kurzfristiges Verhalten herrscht in der deutschen Wirtschaft vor

Michael Berger sagt: „Die Ergebnisse meiner Untersuchungen sind alarmierend. Kurzfristiges Verhalten herrscht in Teilbereichen der deutschen Wirtschaft vor. Durch die Nichtdurchführung vorteilhafter Investitionsprojekte werden der langfristige Wert des Unternehmens und die Vermögenspositionen der langfristigen Aktionäre gesenkt. Das Ausmaß dieses Verhaltens sollte daher reduziert werden.“
Plädoyer für weniger Kapitalmarktdruck

Auf Basis seiner Doktorarbeit am Lehrstuhl für Mikroökonomie (Prof. Dr. Arnis Vilks) formuliert Berger Handlungsempfehlungen für Manager, Kapitalgeber und Institutionen. Wichtig für die Minimierung kurzfristigen Verhaltens, so leitet Berger aus wissenschaftlichen Modellen ab, könnte eine Erhöhung des relativen Managernutzens sein, welcher aus zukünftigen bilanziellen Ergebnissen und Aktienkursen gezogen wird. Die Managervergütung sollte somit zu einem möglichst hohen Anteil von langfristigen bilanziellen Ergebnissen und Aktienkursen abhängen. Berger plädiert zudem dafür, ein hohes Maß an Kapitalmarktdruck von den Entscheidern im Unternehmen zu nehmen. Geschehen könnte dies durch die Reduktion der Frequenz von quartalsweisen hin zu halb- oder volljährigen Berichterstattungen. Eine weitere Handlungsempfehlung für Manager und Institutionen besteht laut Berger in einer Ausweitung der freiwilligen und verpflichtenden Berichterstattung hin zu einer Information über die „weichen“ Unternehmensfaktoren, die Einfluss auf den langfristigen Unternehmenserfolg haben können. So können beispielsweise Informationen über Patentzulassungen, den Bekanntheitsgrad bestimmter Produkte sowie Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheitswerte glaubhafte Signale über die langfristigen Perspektiven eines Unternehmens darstellen. Die Kommunikation solcher Daten könnte daher den Fokus mancher Kapitalmarktteilnehmer auf das bilanzielle Ergebnis als einzige maßgebliche Zahl eines betrieblichen Jahres- oder Quartalsabschlusses verringern.

Berger, der als Sachverständiger für Immobilienbewertung in München arbeitet, appelliert am Ende seiner Dissertation an die Manager und Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen, sich des Problems Managermyopie bewusst zu werden und diesbezüglich ihre Verantwortung gegenüber der langfristigen Gesundheit des eigenen Unternehmens und gegenüber dessen Aktionären wahrzunehmen. Dies müsse auch bedeuten, so Berger, dass in Situationen, in denen durch eine bestimmte Entscheidung kurzfristiges Verhalten betrieben werden könnte, hiervon Abstand und damit möglicherweise ein kurzfristiges Absinken des Aktienkurses in Kauf genommen, gleichzeitig aber das langfristige Wohlergehen des eigenen Unternehmens gesichert wird.

Das Doktorandenprogramm an der HHL Leipzig Graduate School of Management

Mit aktuell 104 Teilnehmern und bisher 123 Absolventen wächst das Doktorandenprogramm an der HHL seit seinem Start im Jahr 1996 stetig. Das strukturierte Programm, das Wochenendseminare, Kolloquien und internationale Sommerkurse umfasst, erlaubt den Teilnehmern ein berufsbegleitendes Studium. Die meisten Doktoranden der HHL sind berufstätig, jeder Dritte arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HHL. http://www.hhl.de/promotion

HHL Leipzig Graduate School of Management

Die HHL ist eine universitäre Einrichtung und zählt zu den führenden internationalen Business Schools. Ziel der ältesten betriebswirtschaftlichen Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die Ausbildung leistungsfähiger, verantwortungsbewusster und unternehmerisch denkender Führungspersönlichkeiten. Neben der internationalen Ausrichtung spielt die Verknüpfung von Theorie und Praxis eine herausragende Rolle. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden.

Volker Stößel | idw
Weitere Informationen:
http://www.hhl.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Deutsche Konjunktur schwächer, aber keine Anzeichen für Rezession
11.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mehr Beschäftigung trotz geringerem Wirtschaftswachstum
27.02.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochdruckwasserstrahlen zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen erprobt

Beim Fräsen hochfester Werkstoffe wie Oxidkeramik oder Sondermetalle – und besonders bei der Schruppbearbeitung – verschleißen Werkzeuge schnell. Für Unternehmen ist die Bearbeitung dieser Werkstoffe deshalb mit hohen Kosten verbunden. Im Projekt »HydroMill« hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen mit seinen Projektpartnern nun gezeigt, dass sich der Hochdruckwasserstrahl zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen eignet. War der Einsatz von Wasserstrahlen bislang auf die Schneidbearbeitung beschränkt, zeigen die Projektergebnisse, wie sich hochfeste Werkstoffe kosten- und ressourcenschonender als bisher flächig abtragen lassen.

Diese neue und zur konventionellen Schruppbearbeitung alternative Anwendung der Wasserstrahlbearbeitung untersuchten die Aachener Ingenieure gemeinsam mit...

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nieten, schrauben, kleben im Flugzeugbau: Smarte Mensch-Roboter-Teams meistern agile Produktion

25.03.2019 | HANNOVER MESSE

Auf der Suche nach der verschwundenen Antimaterie: Messungen mit Belle II erfolgreich gestartet

25.03.2019 | Physik Astronomie

HEIDENHAIN auf der CONTROL 2019: Belastbare Systeme für mehr Genauigkeit und Zuverlässigkeit

25.03.2019 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics