Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Gesetz zur Aufteilung der Maklerprovision – Käuferschutz oder Käuferbetrug?

16.07.2020

Die Maklerprovision ist ein großes Diskussionsthema in der Immobilienbranche. Lange Zeit existierte keine einheitliche Regelung, die festsetzte, wer die Provision des Immobilienmaklers zu zahlen hatte. Die Regelungen unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland, sahen jedoch größtenteils vor, dass der Käufer die Mehrheit der Provision zu übernehmen habe. Da in der Regel jedoch der Verkäufer einer Immobilie von den Vorteilen eines Maklers profitiert, wurde diese Regelung von vielen als ungerecht empfunden.

Deshalb wurde nun der Gesetzesentwurf (19/15827) beschlossen, der eine einheitliche Antwort auf die Frage liefert, wer den Immobilienmakler bezahlt. Von nun an sollen Verkäufer mindestens 50% der Verkaufsprovision übernehmen müssen.

Zahlreiche Pressestimmen von namhaften Quellen wie der Braunschweiger Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und der Tagesschau loben diesen Gesetzesentwurf und berichten von einer „Entlastung“ für Immobilienkäufer.

Bei genauerer Betrachtung ist die Entlastung für den Käufer jedoch nicht so groß, wie es auf den ersten Blick scheint.

In der Theorie eine gute Idee

Theoretisch funktioniert das neue Gesetz zur Maklerprovision auf folgende Weise: Anstatt wie bisher die gesamte oder einen Großteil der Provision zusätzlich zum Kaufpreis zahlen zu müssen, reduziert sich die Zusatzbelastung des Käufers durch die Provision um bis zu 50%.

Gleichzeitig entsteht für Immobilienverkäufer ein dementsprechender Nachteil. Der Makler wird hingegen kaum durch die neue Regelung beeinflusst.

Dieser neue Vorteil für Immobilienkäufer soll laut CDU/CSU der Verringerung sozialer Ungerechtigkeit beitragen und den Immobilienbesitz auch jungen Familien wieder zugänglicher machen.

Die Bundesregierung setzt hinzu, dass die Nebenkosten beim Erwerb von Wohnimmobilien durch den neuen Gesetzesentwurf spürbar gesenkt werde. Da die glücklich machende Wirkung von Wohneigentum bereits im Jahr 2015 nachgewiesen wurde, ist diese Entwicklung zunächst positiv zu bewerten.

Immobilienverkäufer finden ein Schlupfloch

In der Praxis ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Immobilienverkäufer sich mit der neuen Regelung abfinden werden. Offiziell werden Verkäufer in Zukunft mindestens 50% der Maklerprovision übernehmen. Dem daraus entstehenden Verlust werden sie jedoch durch eine Erhöhung des Immobilienpreises ausgleichen.

Auf diese Weise zahlt letztendlich doch wieder der Käufer die vollständige Provision. Zusätzlich werden durch den höheren Verkaufspreis auch andere Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbssteuer und der Anteil für den Notar erhöht, die ebenfalls der Käufer übernehmen muss.

Folglich entsteht für den Käufer anstelle einer Entlastung eine größere finanzielle Belastung als vor dem Gesetzesentwurf. Diese Einschätzung bestätigt FDP-Politikerin Katharina Willkomm auch gegenüber dem Tagesspiegel. Sie ist überzeugt, dass Verkäufer ihren Anteil auf den Kaufpreis aufschlagen werden und das Gesetz keine Entlastung bringen wird.

Käufer, die sich vor der zusätzlichen Belastung schützen wollen, sollten sich ausführlich über den Kauf von Immobilien informieren, bevor sie die Verhandlung mit einem Verkäufer beginnen.

Um zu erfahren, ob der vom Verkäufer angesetzte Preis gerechtfertigt ist, empfiehlt sich das Einholen einer unabhängigen Immobilienbewertung, um einer möglichen Belastung durch die neue Provisionsregelung zu entgehen.

| Gastartikel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Auch in Zeiten der Corona-Krise machen Investitionen Sinn
31.07.2020 | eology GmbH / Nadine Schilling

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Welthandel fasst wieder Schritt – regionale Unterschiede bleiben groß
31.07.2020 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics