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IMK - Deutsche Wirtschaft wächst 2012 um 0,6 und 2013 um 0,3 Prozent

28.06.2012
Neue Konjunkturprognose des IMK

Die Krise im Euroraum, die strikte Sparpolitik und die damit verbundene Rezession in zahlreichen EU-Ländern halten die deutsche Konjunktur in diesem und im kommenden Jahr fest im Griff.

Da auch außerhalb Europas die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, können Impulse aus Übersee die Schwäche wichtiger Handelspartner in der EU immer weniger kompensieren. Daher durchläuft die deutsche Wirtschaft 2012 und 2013 eine Stagnation. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst in diesem Jahr um durchschnittlich 0,6 Prozent, im kommenden Jahr nur noch um 0,3 Prozent.

Die schwache wirtschaftliche Entwicklung setzt auch der Erholung am deutschen Arbeitsmarkt ein Ende: Die Arbeitslosigkeit sinkt im Jahresdurchschnitt 2012 zwar noch einmal geringfügig. 2013 wird sie aber wieder etwas zunehmen. Der Euroraum insgesamt steckt in einer hartnäckigen Rezession.

Das BIP der Euroländer wird 2012 um durchschnittlich 0,5 und 2013 um 0,7 Prozent zurückgehen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung in seiner aktuellen Konjunkturprognose. Sie wird heute als IMK Report 72 veröffentlicht und auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.*

Gegenüber der Prognose, die das IMK im März gemeinsam mit dem OFCE Paris und dem WIFO Wien abgegeben hat, erhöhen die Forscher ihre Vorhersage für 2012 um 0,3 Prozentpunkte im Jahresdurchschnitt. Für 2013 senkt das IMK die Prognose hingegen um 0,4 Prozentpunkte. „Die jüngsten Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen: Die Rezession im Euroraum schädigt die deutsche Wirtschaft schwer“, erklärt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK.

„Allerdings hat die im ersten Quartal noch recht kräftige Nachfrage aus Übersee dafür gesorgt, dass sich die Konsequenzen etwas langsamer zeigen, als wir bisher annahmen. Daher haben wir unsere Prognose für 2012 und 2013 fast spiegelbildlich angepasst“.

Das IMK geht in seiner Voraussage davon aus, dass sich die Staatsanleihen- und Bankenkrise im Euroraum in nächster Zeit nicht dramatisch zuspitzt, aber auch nicht gelöst wird. „Der Versuch, sich durch einen harten Austeritätskurs das Vertrauen der Finanzmärkte auf Kosten der Konjunktur herbeizusparen, ist gescheitert. Das erkennen auch immer mehr Politiker. Aber der überfällige Kurswechsel bleibt bislang aus“, sagt Horn. Dabei drohe die Entwicklung bald einen Punkt zu erreichen, „an dem auch weitreichende Maßnahmen nicht mehr in der Lage sind, stabilisierend zu wirken, weil sie bei andauernder Rezession nicht mehr glaubwürdig sind“, warnt das IMK.

Die Wissenschaftler empfehlen, sich bei der Suche nach Alternativen auf schnell umsetzbare Maßnahmen zu konzentrieren. Dazu zählen sie eine zeitliche Streckung der Sparprogramme sowie einen Schuldentilgungsfonds, wie ihn der deutsche Sachverständigenrat vorgeschlagen hat. Über den Fonds werde „eine gesamtschuldnerische Haftung der Euroländer“ erreicht, „die vom Volumen und vom Zeitrahmen her begrenzt ist“ und trotzdem das richtige Signal setze. Die Euroländer würden mit der Einrichtung „ihre Entschlossenheit zeigen, den Euroraum zu erhalten und die Bedienung der Schulden zu gewährleisten.“ Damit verschaffe der Fonds auch der Europäischen Zentralbank die notwendige politische Rückendeckung, um notfalls am Sekundärmarkt für Staatsanleihen zu intervenieren.

Parallel hält es das IMK für unverzichtbar, dass Deutschland „die Rolle eines Wachstumsmotors im Euroraum“ übernehme. Der private Konsum leistet dazu nach den Berechnungen der Forscher bereits einen spürbaren Beitrag: Gestützt auf die relativ günstige Lage am Arbeitsmarkt und auf höhere Lohnabschlüsse steigt er laut IMK-Prognose um 1 Prozent in diesem Jahr (mehr dazu unten). Das stabilisiert die konjunkturelle Entwicklung wesentlich.

Durch zusätzliche Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Kinderbetreuung solle der Staat weitere Impulse geben, rät das IMK. Um die notwendigen Mittel zu mobilisieren, könne die Bundesregierung zu diesem Zweck existierende finanzielle Puffer auf dem Kontrollkonto der Schuldenbremse verwenden. Eine zweite Option sehen die Wissenschaftler in gezielten Steuererhöhungen auf hohe Einkommen, Kapitaleinkünfte und Vermögen. Diese könnten so gestaltet werden, dass sie die Konjunktur nur wenig belasten.

Kerndaten der Prognose (siehe auch Tabelle 4 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung im IMK Report und in der pdf-Version dieser PM; Link unten):

– Arbeitsmarkt –
Die Entwicklung bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit trübt sich ein. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nimmt 2012 noch um durchschnittlich gut 440.000 Personen zu. 2013 wird sie hingegen leicht sinken – um 31.000 Personen im Jahresmittel. Deutlich ungünstiger entwickelt sich die Zahl der Arbeitslosen. In diesem Jahr sinkt sie um 78.000 Personen auf rund 2,9 Millionen im Jahresdurchschnitt. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent. 2013 geht dieser kleine Fortschritt fast vollständig wieder verloren: Die Arbeitslosigkeit steigt im Jahresmittel auf 2,97 Millionen (Quote: 7,0 Prozent).
– Außenhandel –
Der deutsche Export wächst nur schwach. Im Jahresdurchschnitt 2012 nehmen die Ausfuhren um 2,1 Prozent zu. 2013 verlangsamt sich der Zuwachs noch einmal auf 1,2 Prozent. Die Importe wachsen 2012 im Jahresmittel um 2 Prozent, 2013 um 3 Prozent.
– Investitionen –
Die Ausrüstungsinvestitionen gehen 2012 um durchschnittlich 0,3 Prozent zurück. 2013 erholt sich dieser Posten wieder etwas und steigt um 2,1 Prozent.
– Einkommen und Konsum –
Höhere Lohnabschlüsse und eine etwas niedrigere Inflation lassen für 2012 und 2013 spürbare Reallohngewinne erwarten. Auch die Gewinn- und Vermögenseinkommen expandieren leicht. Insgesamt steigen die real verfügbaren Einkommen 2012 um 1 Prozent. Die realen privaten Konsumausgaben nehmen ebenfalls um 1 Prozent zu. 2013 werden die real verfügbaren Einkommen und die privaten Konsumausgaben um jeweils 0,8 Prozent höher ausfallen.
– Inflation und öffentliche Defizite –
Das IMK rechnet mit einer Beruhigung bei der Preisentwicklung. Nach 1,9 Prozent in diesem Jahr wird die Inflationsrate 2013 bei 1,4 Prozent liegen, und damit deutlich unter dem Inflationsziel der EZB. Die deutschen Staatsfinanzen entwickeln sich infolge geringerer Arbeitslosigkeit und höherer Steuereinnahmen in diesem Jahr noch positiv. Das Staatsdefizit sinkt leicht auf 0,7 Prozent des BIP. 2013 kommt es durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung aber zu keinem weiteren Rückgang.

*Peter Hohlfeld, Gustav Horn, Fabian Lindner, Silke Tober: Auf schwankendem Grund. Deutsche Konjunktur zur Jahresmitte 2012. IMK Report Nr. 72, Juni 2012. Download: http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_72_2012.pdf

Die PM mit Tabelle (pdf): http://www.boeckler.de/pdf/pm_imk_2012_06_28.pdf

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK
Tel.: 0211-7778-331
E-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de
Peter Hohlfeld
IMK, Experte für Konjunkturprognosen
Tel.: 0211-7778-338
E-Mail: Peter-Hohlfeld@boeckler.de
Dr. Silke Tober
IMK, Expertin für Geldpolitik
Tel.: 0211-7778-336
E-Mail: Silke-Tober@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
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Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
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