Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von illegaler zu legaler Beschäftigung in Privathaushalten älterer Menschen

19.04.2010
In Haushalten älterer Menschen in Deutschland sind zurzeit etwa 100.000 und in Österreich weitere 30.000 Frauen aus Osteuropa beschäftigt. Sie kommen aus Polen, Tschechien, der Slowakei, aber auch aus Weißrussland und Georgien.

Nicht nur die Arbeitgeber in diesen Haushalten machen sich strafbar, auch die Haushaltshilfen selbst leben in einer prekären Situation. Wie kann über arbeitsmarktpolitische Strategien erreicht werden, dass Betreuung und Pflege von älteren Menschen zu Hause legal erbracht wird?

Dies untersucht ein soeben gestartetes EU-Projekt, das von den Wissenschaftlern des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität koordiniert wird.

Unterstützung, Betreuung und zunehmend auch Pflege von älteren Menschen zu Hause kann immer weniger durch Angehörige geleistet werden, eine steigende Zahl älterer Menschen lebt allein. Viele sehen sich damit konfrontiert, dass sie für Hilfen beim Kochen, Putzen und einfacher Pflege auf Dritte ausweichen müssen. In Deutschland wie auch in einigen anderen europäischen Ländern besteht derzeit kein ausreichendes und vor allem kein bezahlbares Angebot. In ihrer Not greifen deshalb viele auf Haushaltshilfen aus osteuropäischen Ländern zurück, die sie illegal beschäftigen.

Durch die anwachsende Zahl älterer Menschen, die zu Hause Unterstützung benötigen, steigt der Handlungsbedarf, um ein Angebot an Dienstleistungen aufzubauen, das für alle Älteren bezahlbar ist und das fachlich geschulte Haushaltshilfen bereithält. "Vor allem in Frankreich sind im Rahmen des Borloo-Plans erfolgreich arbeitsmarktpolitische Initiativen entwickelt worden, die darauf zielen, solch ein Angebot zu entwickeln", erläutert die Geschäftsführerin des IWAK, Dr. Christa Larsen. "Dazu werden Langzeitarbeitslose systematisch für eine Beschäftigung in diesem Bereich geschult und während ihrer Beschäftigung begleitet. Zudem stehen verschiedene Wege für ihre Weiterqualifizierung zur Verfügung. Darüber hinaus werden diese Angebot häufig subventioniert, um so für alle Haushalte nutzbar zu sein."

Mit diesen Maßnahmen ist es in Frankreich innerhalb weniger Jahre gelungen, illegale Beschäftigung deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Beschäftigungssituation der Hausangestellten qualitativ deutlich zu verbessern. "Im jetzt an der Goethe-Universität gestarteten Projekt soll an diese Erfahrungen angeknüpft werden, indem exploriert wird, welche dieser Strategien sich auf Deutschland, aber auch auf andere Länder wie Italien und Österreich übertragen lassen", so Larsen, die dieses Projekt koordiniert.

Neben Wissenschaftlern aus Italien, Deutschland und Österreich ist mit Prof. Aleksander Surdej auch ein polnischer Kollege der Wirtschaftsuniversität Krakau in das Projekt eingebunden. Er wird die Perspektive eines Landes repräsentieren, aus dem viele illegal Beschäftige kommen und in das gleichzeitig aus Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union zahlreiche Haushaltskräfte illegal einwandern. Im transnationalen Austausch werden die Wissenschaftler in den kommenden zwölf Monaten für ihre jeweiligen Länder untersuchen, inwieweit einzelne arbeitsmarktpolitische Instrumente aus Frankreich übertragbar sind.

"Damit diese Konzepte auch außerhalb der Wissenschaft rezipiert werden, sollen diese in die einschlägigen Diskurse von Politik, Verbänden, Arbeitsvermittlung und Qualifizierungsbereich eingebracht werden", so Larsen. Diese Schnittstelle wird in Deutschland vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit unterstützt, das ebenfalls als Partner im Projekt eingebunden ist. In den anderen Ländern übernehmen einschlägige Ministerien ähnliche Funktionen. Darüber hinaus wird das Projekt in enger Abstimmung mit der Generaldirektion "Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit" der Europäischen Kommission durchgeführt, da vorgesehen ist, die im Projekt erarbeiteten Instrumente weiteren Staaten in Europa verfügbar zu machen. Vom 23. bis 24. April trifft sich das internationale Team von Arbeitsmarktforschern in Frankfurt zur Auftaktveranstaltung des EU-Projekts.

Informationen: Dr. Christa Larsen oder Sigrid Rand, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Tel. 069 798 22152, C.larsen@em.uni-frankfurt.de, www.iwak-frankfurt.de

Die am Projekt beteiligte Wissenschaftler stehen am 23.4. (Freitag) für Interviewanfragen zur Verfügung: Prof. Annamaria Simonazzi, La Sapienza Universität, Rom (in englischer Sprache), Prof. Aleksander Surdej, Wirtschaftsuniversität Krakau (in englischer Sprache) und Dr. Christa Larsen, Goethe-Universität

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.iwak-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht MagicMoney: Offline bezahlen – mit deinem Smartphone
13.11.2018 | Duale Hochschule Baden Württemberg Karlsruhe

nachricht WLTP: Neuer Pkw-Prüfstandard hat starke Auswirkungen auf Konjunktur
13.11.2018 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Diode für Magnetfelder

Innsbrucker Quantenphysiker haben eine Diode für Magnetfelder konstruiert und im Labor getestet. Das von den Forschungsgruppen um den Theoretiker Oriol Romero-Isart und den Experimentalphysiker Gerhard Kirchmair entwickelte Bauelement könnte eine Reihe neuer Anwendungen ermöglichen.

Elektrische Dioden sind wichtige elektronische Bauteile, die elektrischen Strom in eine Richtung leiten, die Stromleitung in der anderen Richtung aber...

Im Focus: First diode for magnetic fields

Innsbruck quantum physicists have constructed a diode for magnetic fields and then tested it in the laboratory. The device, developed by the research groups led by the theorist Oriol Romero-Isart and the experimental physicist Gerhard Kirchmair, could open up a number of new applications.

Electric diodes are essential electronic components that conduct electricity in one direction but prevent conduction in the opposite one. They are found at the...

Im Focus: Millimeterwellen für die letzte Meile

ETH-Forscher haben einen Modulator entwickelt, mit dem durch Millimeterwellen übertragene Daten direkt in Lichtpulse für Glasfasern umgewandelt werden können. Dadurch könnte die Überbrückung der «letzten Meile» bis zum heimischen Internetanschluss deutlich schneller und billiger werden.

Lichtwellen eigenen sich wegen ihrer hohen Schwingungsfrequenz hervorragend zur schnellen Übertragung von Daten.

Im Focus: Nonstop-Transport von Frachten in Nanomaschinen

Max-Planck-Forscher entdecken die Nanostruktur von molekularen Zügen und den Grund für reibungslosen Transport in den „Antennen der Zelle“

Eine Zelle bewegt sich ständig umher, tastet ihre Umgebung ab und sendet Signale an andere Zellen. Das ist wichtig, damit eine Zelle richtig funktionieren kann.

Im Focus: Nonstop Tranport of Cargo in Nanomachines

Max Planck researchers revel the nano-structure of molecular trains and the reason for smooth transport in cellular antennas.

Moving around, sensing the extracellular environment, and signaling to other cells are important for a cell to function properly. Responsible for those tasks...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Podiumsdiskussion zur 11. Internationalen MES-Tagung in Hannover hochkarätig besetzt

21.11.2018 | Veranstaltungen

Hüftprothese: Minimalinvasiv oder klassisch implantieren? Implantatmodell wichtiger als OP-Methode

21.11.2018 | Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Blick auf molekulare Prozesse

21.11.2018 | Physik Astronomie

Wechsel zu Carbon Infrarot-Strahlern von Heraeus halbiert die Trocknungszeit für Siebdruck auf T-Shirts

21.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Wie aus Staub Planeten entstehen

21.11.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics