Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017

Der Einsatz von Digitalisierungstechnologien wirkt sich positiv auf die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten nach Deutschland aus. Dies geht aus einer Auswertung der aktuellen Erhebung „Modernisierung der Produktion“ des Fraunhofer ISI zusammen mit der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft für den VDI hervor.

Wie die Analysen zeigen, verharren Produktionsverlagerungen der deutschen Industrie ins Ausland weiterhin auf einem sehr geringen Niveau. Lediglich 9 % der Betriebe des deutschen Verarbeitenden Gewerbes haben von 2013 bis Mitte 2015 Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert – kaum mehr als beim bisherigen Tiefstand von 2012.


Durch die Digitalisierung gewinnt die industrielle Produktion am Standort Deutschland

Thomas Ernsting/LAIF


Produktionsverlagerungen und Rückverlagerungen im Zeitvergleich

Fraunhofer ISI

Gleichzeitig sind Rückverlagerungen von Produktionskapazitäten leicht angestiegen. „Damit kommt derzeit auf jeden dritten Verlagerer ein Rückverlagerer von Produktionskapazitäten“, bemerkt Prof. Dr. Steffen Kinkel, Leiter des Instituts für Lernen und Innovation in Netzwerken (ILIN) an der Hochschule Karlsruhe.

Die wichtigsten Gründe für Rückverlagerungen sind nach wie vor Einbußen bei der Flexibilität und Lieferfähigkeit sowie Qualitätsprobleme, die jeweils von mehr als der Hälfte der Betriebe angeführt werden. An Bedeutung haben unterschätzte Aufwendungen für die Koordination und Betreuung des ausländischen Produktionsstandorts gewonnen, die von gut einem Viertel der Betriebe genannt werden.

Die 13 seit 2004 der EU neu beigetretenen mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten (EU 13) sind mit mehr als der Hälfte der Nennungen nach wie vor die bevorzugte Zielregion für Produktionsverlagerungen, gefolgt von China mit etwa 30 % und dem restlichen Asien mit etwa 20 % der Nennungen. Bei den Herkunftsregionen von Rückverlagerungen zeigen sich erstmals deutliche Verschiebungen.

Mit einem Drittel kommen die meisten Rückverlagerungen aus den westlichen EU-Kernstaaten (EU 15), vornehmlich zur Konzentration von Kapazitäten am deutschen Hauptstandort, zur Optimierung der Auslastung oder zur technisch-organisatorischen Verbesserung der Prozesse. Dagegen gingen die Rückverlagerungsaktivitäten aus den EU 13 deutlich von etwa der Hälfte auf nunmehr ein Zehntel zurück. Die deutschen Industrieunternehmen scheinen die Qualität, Flexibilität und Koordination der dortigen Produktion zwischenzeitlich im Griff zu haben.

Zwischen der Nutzung von Digitalisierungstechnologien in den betrieblichen Wertschöpfungsprozessen und der Verlagerungsneigung der Betriebe zeigen sich interessante Zusammenhänge. Zwar verlagern bei der Digitalisierung „fortgeschrittene“ Betriebe nicht seltener Produktion ins Ausland, aber mit anderen Strategien. Sie suchen häufiger die Nähe zu Kunden und seltener geringere Lohnkosten als in der Digitalisierung zurückhaltende Betriebe.

Ein klarer, positiver Zusammenhang zeigt sich indes zwischen der Digitalisierungsintensität und der Rückverlagerungsneigung der Betriebe. Demnach verlagern bei der Digitalisierung „fortgeschrittene“ Betriebe signifikant häufiger Teile ihrer Produktion wieder an den deutschen Standort zurück als Betriebe mit geringerem Digitalisierungsgrad in der Produktion.

Im Mittel des Schätzmodells haben die beim Einsatz von Digitalisierungstechnologien „Fortgeschrittenen“ eine etwa 10 Mal höhere Rückverlagerungswahrscheinlichkeit (ca. 5 %) als „Nichtnutzer“ von Digitalisierungstechnologien (ca. 0,5 %). „Hier greifen zwei Erklärungsmuster“, erklärt Steffen Kinkel vom ILIN, „zum einen kann der Einsatz von Digitalisierungstechnologien zu einer erhöhten Automatisierung und Produktivität deutscher Produktionsstandorte führen, sodass die Lohnkostenanteile geringer und geringe Lohnkosten weniger attraktiv werden, was Rückverlagerungen begünstigt.

Zum anderen kann der Einsatz von Digitalisierungstechnologien zu einer erhöhten Flexibilität und Fähigkeit zur individualisierten Produktion genutzt werden, die eine effiziente Bedienung individueller Kundenwünsche ermöglicht und Anreize für Firmen bietet, die Produktion in die Nähe ihrer europäischen Kunden zurückzuholen.“ Demnach kann der intensive Einsatz von Digitalisierungstechnologien signifikant zu attraktiveren Produktionsbedingungen mit erhöhter Wertschöpfung am deutschen Standort beitragen.

Weitere Informationen:

http://www.hs-karlsruhe.de/hochschule/aktuelles/presse/digitalisierung-bringt-pr...

Holger Gust M. A. | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Katalysator für zukunftsfähige Städte und Regionen
15.06.2020 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Straturity Human Capital Self-Assessment - Neues Instrument zum Überprüfen der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen
11.05.2020 | time4you GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Im Focus: Robuste Materialien in Schwingung versetzt

Kieler Physikteam beobachtet in Echtzeit extrem schnelle elektronische Änderungen in besonderer Materialklasse

In der Physik werden sie zurzeit intensiv erforscht, in der Elektronik könnten sie ganz neue Funktionen ermöglichen: Sogenannte topologische Materialien...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

09.07.2020 | Physik Astronomie

Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen

09.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Selbstadaptive Systeme: KI übernimmt Arbeit von Software-Ingenieuren

09.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics