Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dienstleistungssektor: Beschäftigungspotenziale in der Krise nutzen

22.06.2009
In Deutschland hat sich der Dienstleistungssektor zur Jobmaschine entwickelt.

Seit Anfang der 1990er Jahre sind hier knapp 6 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden, während die Industrie etwa 3 Millionen Jobs verloren hat. Das Normalarbeitsverhältnis gerät dabei unter Druck: Flexible Beschäftigungsformen dominieren in den dynamischen Dienstleistungsbereichen, wie eine IZA-Studie zeigt.

Dies geht mit einer zunehmend polarisierten Einkommenssituation einher. Grund dafür ist auch, dass das Ausbildungssystem den Qualifikationsanforderungen oft nicht genügt. Weitere Beschäftigungspotenziale zu erschließen, wäre in der Krise wichtig, setzt aber einen Verzicht auf regulierende Eingriffe voraus.

In den letzten Jahren sind vor allem solche Bereiche des Dienstleistungssektors dynamisch gewachsen, die weniger strikt den Regeln einer unbefristeten sozialversicherten Vollzeitbeschäftigung mit tarifvertraglicher Entlohnung folgen. Das Beschäftigungswachstum hat das "Normalarbeitsverhältnis" hier sowohl im Bereich geringer Qualifikation als auch im Segment akademischer Ausbildung stark zurückgedrängt.

Bei personenbezogenen privaten Dienstleistungen - etwa im Hotel- und Gastgewerbe, in Callcentern oder bei der Gebäudereinigung - sind Teilzeit- und Minijobs ebenso überdurchschnittlich vertreten wie Beschäftigte ohne einschlägige Ausbildung. Gleichzeitig sind dort im Mittel kürzere durchschnittliche Betriebszugehörigkeiten und ein hoher Anteil an Beschäftigten mit niedriger Entlohnung anzutreffen.

Aber auch bei hoch qualifizierten Dienstleistungen sind Normalarbeitsverhältnisse heute die Ausnahme. Das gilt in der Kreativwirtschaft, im Medien- und IT-Sektor wie auch für andere unternehmensbezogenen Dienstleistungen, die in der Regel eine akademische Ausbildung voraussetzen. Hier sind besonders viele Freiberufler, Selbstständige ohne Beschäftigte und Angestellte mit projektartiger Arbeitsweise tätig. Dies geht mit einer zunehmend polarisierten Einkommenssituation einher.

Weniger dynamisch verläuft die Entwicklung in Dienstleistungsbereichen, in denen unbefristete Voll- und Teilzeit auf der Basis von Tarifverträgen und dualer Ausbildung noch immer stärker verbreitet sind - etwa bei Banken, Versicherungen oder im öffentlichen Dienst. Langfristig deutlich rückläufig ist die Beschäftigung in der verarbeitenden Industrie und in klassischen Elektro- und Metallberufen, wo das Normalarbeitsverhältnis dominiert.

Experten des Instituts zur Zukunft der Arbeit haben soeben eine detaillierte Analyse der Entwicklungen im deutschen Dienstleistungssektor vorgelegt. Das starke Wachstum in einigen Teilbereichen des Dienstleistungssektors trägt laut der Studie zu wachsenden Unterschieden bei Arbeitsverträgen, Entlohnung und Qualifikationen innerhalb des Gesamtarbeitsmarktes bei. Die Beschäftigungspotenziale in weniger regulierten Bereichen des Arbeitsmarktes gehen mit vermehrten Risiken instabiler oder gering entlohnter Beschäftigung einher. Die Untersuchung zeigt ferner, dass die besonders dynamischen Bereiche des Dienstleistungssektors vielfach andere Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation stellen, als sie in den dualen Ausbildungsberufen bislang vermittelt werden: Im Vordergrund stehen durchweg eher generelle und übertragbare, sowohl sehr hohe als auch eher niedrige Qualifikationen. Beide sind weniger auf lange Betriebszugehörigkeit bei einem Arbeitgeber ausgerichtet und angewiesen. Auf diese Weise kann eine sich verringernde Arbeitsplatzsicherheit durch eine höhere Beschäftigungssicherheit aufgefangen werden.

Die neuen Erwerbsformen in den Wachstumsbranchen des Dienstleistungssektors bieten zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten und leisten einen wesentlichen Beitrag zu dem über die Jahre insgesamt gestiegenen Arbeitsplatzangebot in Deutschland. Angesichts der vorhandenen Potenziale für die Schaffung weiterer Arbeitsplätze in diesem Segment verbietet sich eine stärkere Regulierung von selbst. Die Wachstumsdynamik der flexiblen Segmente sollte nicht gebremst werden, da sie für die Entstehung neuer Arbeitsplätze und Tätigkeitsfelder erforderlich ist. Dies ist insbesondere in der gegenwärtigen Krise von erheblicher Bedeutung für den Arbeitsmarkt.

Holger Hinte | idw
Weitere Informationen:
http://ftp.iza.org/dp4220.pdf -
http://www.iza.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Welthandel deutlich zurückgegangen
26.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Deutsche Konjunktur schwächer, aber keine Anzeichen für Rezession
11.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics