Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Autohersteller greifen Kfz-Versicherer an

13.05.2002


Automobilhersteller steigen in das Geschaeft mit Versicherungspolicen ein - und die deutsche Versicherungsbranche wiegt sich in truegerischer Sicherheit. In fast allen Punkten sehen Versicherungen sich gegenueber der Automobilindustrie beim Vertrieb von Kfz-Versicherungspolicen im Wettbewerbsvorteil. Drei Viertel von ihnen glauben nicht an eine ernsthafte Bedrohung. Dem stehen konkrete Plaene der Autohersteller gegenueber, das eigene Versicherungsgeschaeft massiv voranzutreiben: In vier Jahren soll jeder dritte Neuwagen mit einer Kfz-Versicherung des Autoherstellers ausgestattet sein. Die Autohersteller wollen vom Zugang zu den lukrativen Neuwagenkaeufern profitieren. Dieser einkommensstarken Kundengruppe wollen sie langfristig auch weitere Finanzprodukte verkaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Topmanagement-Befragung der Mummert + Partner Unternehmensberatung, des F.A.Z.-Instituts und des manager magazins.

Die deutschen Autohersteller stehen schon lange unter Zugzwang. Das Problem: Kfz-Versicherungen wollen ihren Kostenproblemen mit einem umfassenden Schadenmanagement begegnen. Dafuer schliessen die Versicherer guenstige Vertraege vorzugsweise mit freien Werkstaetten ab und lenken Unfallfahrzeuge gezielt zu diesen Partnerwerkstaetten. Vermeintlich ueberteuerte Reparaturen in herstellergebundenen Werkstaetten werden so vermieden. Die Folge: Die Automobilindustrie sieht ihr Reparaturgeschaeft in Gefahr und will jetzt ihrerseits den Kunden an sich binden. Immer mehr Kunden bekommen beim Autokauf ein Komplettpaket mit Finanzierung und Versicherung ? und werden dabei an die Vertragswerkstaetten gebunden.

Die Folge: Das Kfz-Gewerbe wird aufgeteilt. Autohersteller binden Kunden an sich und ihre Vertragswerkstaetten, Versicherungen gehen Kooperationen vor allem mit freien Kfz-Werkstaetten ein. Der Kunde wird im Schadenfall je nach Police zu der einen oder anderen Partei gelotst. Autohersteller werden dabei auch neue Technologien einsetzen, etwa die Navigationssysteme in Neuwagen. Neun von zehn Entscheidern in der Autoindustrie sehen darin einen Weg, Kunden zu den eigenen Partnerwerkstaetten zu fuehren. Versicherungen sehen ihrerseits in Kfz-Policen mit Werkstattbindung das wichtigste Abwehrmittel gegen den Wettbewerb der Autoindustrie.

Die Versicherungen hoffen noch auf Zusammenarbeit mit den Autoherstellern. Die Haelfte der Versicherungen will mit Herstellern kooperieren. Doch die Hoffnungen auf enge wie lose Kooperationen sind truegerisch. Der Grund: Der Kuchen ist aufgeteilt, da die meisten dieser Hersteller schon einen festen Versicherungspartner haben. Die Probleme verschaerfen sich sogar noch: Die deutsche Assekuranz wird in Zukunft gespalten in Partner und Gegner der Automobilbranche. Die wenigen Kooperationspartner profitieren, waehrend der Rest als Wettbewerb gegen den Einzug der Autohersteller ankaempfen muss.

Vier von fuenf Autoherstellern sind sich sicher: Finanzdienstleistungen werden fuer die Branche an Bedeutung gewinnen. Nicht einmal ein Drittel der Versicherungen teilt diese Einschaetzung. Auch sonst gehen die Einschaetzungen der Lage stark auseinander. Die Assekuranz verkennt die weit reichenden Plaene der Automobilbranche. Den Anteil der Neuwagen mit herstellereigener Versicherung sehen vier von zehn Herstellern in fuenf Jahren bei mindestens einem Drittel. Die Versicherungen dagegen glauben, dass dies nur einer Minderheit der Hersteller gelingen wird. Fazit: Versicherer sehen die Zukunft durch die rosarote Brille - drei Viertel glauben, dass ihre Branche sich nicht oder nur leicht veraendern wird.

Versicherungen setzen auf ihr Know-how, Autohersteller auf den zugkraeftigen Markennamen. Die Markenkraft ist der einzige Punkt, in dem Versicherungen den Autofirmen eine Staerke zugestehen, diesen Wettbewerbsfaktor halten die Versicherer allerdings fuer wenig bedeutsam. In allen anderen Disziplinen sehen Versicherer sich selbst vorn. Die Autohersteller sind realistischer: Sie sehen sich etwa bei Service, Dienstleistungsfaehigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit vorn. Versicherungen sind aus ihrer Sicht vor allem in Verwaltungsprozessen ("Back-Office") besser.

Versicherungen, die auf Kfz-Policen spezialisiert sind, wollen vor allem mehr Marktanteile - Grossversicherer dagegen wollen ueber das Kfz-Geschaeft weitere Produkte an den Fahrer bringen. Dieses so genannte Cross-Selling nennen vier von fuenf Grossversicherern als Ziel - bei den kleinen und mittleren nur halb so viele. Die Autohersteller setzen unterdessen auf Schnelligkeit. Fast vier von fuenf (79 Prozent) wollen dem Kunden schon in drei Jahren All-inclusive-Pakete bieten.

Der "Branchenkompass Kfz-Versicherungen" beruht auf einer Befragung von 50 Topmanagern bei 40 grossen Versicherungen und 10 Autoherstellern. Die Studie der Mummert + Partner Unternehmensberatung, des F.A.Z.-Instituts und des manager magazins analysiert die Einschaetzung der Branchenexperten zur Zukunft der Kfz-Versicherung. Zu beziehen ist der "Branchenkompass Kfz-Versicherungen" unter www.mummert.de fuer 500 Euro.

Joerg.Forthmann | Presseinfo

Weitere Berichte zu: Kfz-Versicherung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Höchstwert trotz Handelskonflikt
27.08.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal: Weiterhin hoher Bestand an offenen Stellen
14.05.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

Optical Technologies: International Symposium „Future Optics“ in Hannover

19.09.2019 | Event News

Society 5.0: putting humans at the heart of digitalisation

10.09.2019 | Event News

Interspeech 2019 conference: Alexa and Siri in Graz

04.09.2019 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ferroelektrizität verbessert Perowskit-Solarzellen

20.09.2019 | Energie und Elektrotechnik

HD-Mikroskopie in Millisekunden

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Kinobilder aus lebenden Zellen: Forscherteam aus Jena und Bielefeld 
verbessert superauflösende Mikroskopie

20.09.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics