Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nach der Konsolidierung: BITKOM erwartet 4% Wachstum für den deutschen ITK-Markt

12.03.2002


  • Mobilfunk- und Internet-Dienste treiben die  Nachfrage   
  • BITKOM fordert Entkrustung des Arbeitsrechts und  mehr Aktivitäten im Bereich E-Government  
  • Deutschland braucht eine neue Gründerkultur

Der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) ist im vergangenen Jahr um 1,7% auf ein Volumen von 137,8 Mrd. Euro gewachsen. Damit hat die ITK-Industrie eines ihrer schwierigsten und turbulentesten Jahre abgeschlossen. In 2002 wird das Wachstum mit plus 4,2% auf 143,6 Mrd. Euro wieder einen akzeptablen Wert erreichen. 2003 soll die Nachfrage dann weiter spürbar anziehen und um 8,6% auf 156 Mrd. Euro zulegen. Markttreiber sind in diesem Jahr abermals die Mobilkommunikationsdienste mit einem Plus von 11% sowie Internet-Dienste mit einem Zuwachs von 20%. Diese Zahlen gab der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) aus Anlass der CeBIT in Hannover bekannt. BITKOM-Präsident Volker Jung erwartet von der CeBIT, dass sie den allmählichen Aufschwung einläutet. Die Informations- und Kommunikationswirtschaft habe die Phase der Konsolidierung weitestgehend abgeschlossen. Was sie jetzt brauche, seien optimale politische und steuerliche Rahmenbedingungen, hoch qualifizierte Fachkräfte und eine neue Gründerkultur. Ganz oben auf der Agenda stehe im Wahljahr 2002 der zügige Aufbau der UMTS-Netze. Jung: „Das hat oberste Priorität.“

Neue Telekommunikationsdienste treiben den Markt

Der Markt für Telekommunikation entwickelt sich zurzeit etwas stärker als der Markt für Informationstechnik. In der Telekommunikation soll bereits im laufenden Jahr ein Zuwachs um 6,1% auf 67,7 Mrd. Euro und in 2003 dann ein leicht zweistelliges Wachstum auf 74,9 Mrd. Euro erreicht werden. In der Informationstechnik rechnet BITKOM für 2002 mit einem Plus um 2,7% auf 75,9 Mrd. Euro und in 2003 um 6,9% auf 81,1 Mrd. Euro. Treibende Kraft sind die neuen Telekommunikationsdienste (Mobilfunk-, Daten-, Internet-, TV-Kabel-Dienste). In diesen Segmenten stiegen die Umsätze in 2001 um 18,3% auf 28,1 Mrd. Euro. Für 2002 wird ein Wachstum um 13,1% auf 31,8 Mrd. Euro und für 2003 um 17,7% auf 37,4 Mrd. Euro erwartet. Mehr als 7 Millionen Deutsche sind in 2001 erstmals online gegangen. Mit etwa 30 Millionen Internet-Nutzern gehört Deutschland zwar weiterhin nicht zu den führenden Online-Nationen, konnte aber deutlich aufholen. 37 von 100 Bundesbürgern bewegen sich regelmäßig im Web.
Für die Zukunft zeichnen sich zwei Entwicklungen ab: Zum einen geht der Trend hin zu kostenpflichtigen, personalisierbaren Inhalten und Diensten. Zum anderen können die Nutzer zwischen einer bislang nicht gekannten Vielfalt von Zugangstechnologien wählen. Ob Hochgeschwindigkeits-Anschluss mit Standleitung, per DSL, Wireless LAN oder Satellit, Internet über das TV-Kabelnetz, das Handy, ISDN, Internet aus der Steckdose mit der neuen Technologie Power Line Communications oder auch die traditionelle analoge Telefonleitung – die privaten wie geschäftlichen Kunden haben heute eine Fülle an Wahlmöglichkeiten. Wie breitbandige Anwendungen künftig auch mobil genutzt werden können, wird die CeBIT in den nächsten Tagen zeigen.


Auch in der Informationstechnik kommen die maßgeblichen Impulse aus dem Service- sowie dem Software-Sektor. Für das laufende Jahr rechnet BITKOM in beiden Segmenten mit einem Plus von 5 bis 6%. Im Mittelpunkt der Nachfrage stehen Anwendungen in den Bereichen E-Government, Sicherheit, Wissensmanagement und Enterprise Application Integration.

Strukturwandel zur Dienstleistungsbranche

Die ITK-Branche hat den Strukturwandel von der Fertigungs- zur Dienstleistungsbranche weitestgehend abgeschlossen. 71% der Umsätze werden inzwischen mit Telekommunikationsdiensten, IT-Services und Software erzielt. Jung: „Das ist auch deshalb besonders erfreulich, weil es sich hierbei um die beschäftigungsintensiven Segmente handelt. Softwarehäuser und IT-Dienstleister haben in Deutschland seit 1996 etwa 200.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.“

Nachfrage nach mobilen Endgeräten steigt wieder

Der Markt für mobile Endgeräte (Handys, Notebooks, Handhelds) hat inzwischen etwa die Größe der gesamten Unterhaltungselektronik erreicht. Vor allem bei den Privatanwendern erfreuen sich mobile Endgeräte immer größerer Beliebtheit. Im Jahr 1999 machte der Umsatz mit Notebooks gerade einmal ein Fünftel des gesamten PC-Markts aus, heute ist es bereits knapp ein Drittel. Während die Umsätze mit Desktop-PCs in diesem Jahr abermals rückläufig sein werden, wird bei mobilen Geräten ein leichter Anstieg, in 2003 sogar um bis zu 10% erhofft. Eine sehr erfreuliche Dynamik entwickelt zurzeit der noch junge Markt für sogenannte Handhelds, also Taschencomputer, Personal Digital Assistants, Smartphones oder Featurephones. Er wird in diesem Jahr voraussichtlich um 20% und im kommenden Jahr um 30% wachsen. In den nächsten Monaten und Jahren wird im Umfeld von UMTS eine Fülle neuer Geräte und Dienste erwartet.

Rahmenbedingungen optimieren

Die ITK-Branche hat eine in der Vergangenheit so nicht gekannte Volatilität entwickelt. Jung: „Vorbei sind die Zeiten, in denen es für fast alle fast immer nur bergauf ging. Wir müssen die Informations- und Kommunikationswirtschaft differenzierter betrachten.“ Die Branche entwickle sich zyklisch, einzelne Segmente könnten eine völlig gegenläufige Tendenz zeigen. Viele Unternehmen haben der schwierigen Marktsituation im vergangenen Jahr u.a. mit einer Anpassung ihrer internen Kostenstrukturen begegnen müssen. Die ebenfalls notwendige Reaktion der Politik stehe jedoch noch aus. In deren Mittelpunkt müsse eine Entkrustung des Arbeitsrechts, eine weitere Optimierung der steuerlichen Rahmenbedingungen und eine tiefgreifende Reform des Bildungswesens stehen. Die Green Card müsse in ein vernünftig gemachtes Zuwanderungsgesetz eingebettet werden.
Der Staat ist aber auch direkt als IT-Anwender gefordert. E-Government müsse mit mehr Nachdruck eingeführt werden, auf Bundes- wie auf Länder- und kommunaler Ebene. Auch im Gesundheitswesen könnten einheitliche Standards und digitale Verfahren viel Geld einsparen. Die Einführung von Gesundheitspass, elektronischem Rezept und Arztbrief komme aber wegen der Interessengegensätze im Gesundheitssystem nicht voran. BITKOM fordert einen offenen, herstellerunabhängigen Informations- und Kommunikationsstandard für das gesamte deutsche Gesundheitswesen. Die flächendeckende Einführung von Sicherheitstechnologien sollte ebenfalls weit oben auf der politischen Prioritätenliste stehen. Eine Bürgerkarte mit Chip, Ausweis- und Signaturfunktion würde den neuen digitalen Diensten zusätzliche Attraktivität verleihen. Die hierzu notwendigen Technologien sind verfügbar, aber das in 90 Gesetzestexten verstreute Datenschutzrecht müsse verschlankt werden.

Drei-Punkte-Programm für eine neue Gründerkultur

Jung stellte anlässlich der CeBIT ein Drei-Punkte-Programm des BITKOM vor, das sich mit konkreten Vorschlägen zur Erleichterung der Startbedingungen für Unternehmensgründer an die Politik richtet. Gründer leiden nach der Ernüchterung an den Börsen besonders unter den schwierigen Bedingungen bei der Kapitalbeschaffung. Sie leiden auch unter dem Imageschaden, der von einigen schwarzen Schafen der Branche ausgelöst wurde. „Selbst Start-ups mit soliden Business Plänen finden heute nur schwer Investoren“, gab Jung zu bedenken. „Hier liegt viel innovatives Potential brach.“ GSM und das Internet Protokoll haben allein in Deutschland zur Gründung von etwa 5.000 Unternehmen mit ca. 100.000 Arbeitsplätzen und einer Wirtschaftsleistung von ungefähr 30 Mrd. Euro geführt. Auch im Umfeld von UMTS können zahlreiche Dienstleistungs- und Hightech-Unternehmen entstehen – wenn der Netzaufbau voran kommt und die Rahmenbedingungen für Gründer stimmen. Das Drei-Punkte-Programm zielt auf den Abbau bürokratischer Hindernisse, eine Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen sowie die Optimierung der öffentlichen Förderprogramme. Gerade in den ersten beiden Jahren hätten Unternehmensgründer Anderes zu tun, als sich um bürokratische Formalismen und steuerliche Pedanterie zu kümmern. Sie bräuchten vielmehr Freiraum zum Wachsen. Nach zwei Jahren sei dann zumeist absehbar, ob das jeweilige Geschäftsmodell trägt. Dann sei auch der Zeitpunkt gekommen, wo z.B. durch eine Gesamterklärung für die Einkommensteuer das Eine oder Andere nachgeholt werden kann. Für junge Unternehmen hat BITKOM ein eigenes Forum "New Spirit" eingerichtet.

Elke Siedhoff | BITKOM

Weitere Berichte zu: BITKOM CeBIT Informationstechnik Konsolidierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal: Weiterhin hoher Bestand an offenen Stellen
14.05.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Welthandel deutlich zurückgegangen
26.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

Der „Landau-Niveau-Laser“ ist ein spannendes Konzept für eine ungewöhnliche Strahlungsquelle. Er hat das Zeug, höchst effizient sogenannte Terahertz-Wellen zu erzeugen, die sich zum Durchleuchten von Materialen und für die künftige Datenübertragung nutzen ließen. Bislang jedoch scheiterten nahezu alle Versuche, einen solchen Laser in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin ist einem internationalen Forscherteam nun ein wichtiger Schritt gelungen: Im Fachmagazin Nature Photonics stellen sie ein Material vor, das Terahertz-Wellen durch das simple Anlegen eines elektrischen Stroms erzeugt. Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) waren maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Ebenso wie Licht zählen Terahertz-Wellen zur elektromagnetischen Strahlung. Ihre Frequenzen liegen zwischen denen von Mikrowellen und Infrarotstrahlung. Sowohl...

Im Focus: A miniature stretchable pump for the next generation of soft robots

Soft robots have a distinct advantage over their rigid forebears: they can adapt to complex environments, handle fragile objects and interact safely with humans. Made from silicone, rubber or other stretchable polymers, they are ideal for use in rehabilitation exoskeletons and robotic clothing. Soft bio-inspired robots could one day be deployed to explore remote or dangerous environments.

Most soft robots are actuated by rigid, noisy pumps that push fluids into the machines' moving parts. Because they are connected to these bulky pumps by tubes,...

Im Focus: Crispr-Methode revolutioniert

Forschende der ETH Zürich entwickelten die bekannte Crispr/Cas-Methode weiter. Es ist nun erstmals möglich, Dutzende, wenn nicht Hunderte von Genen in einer Zelle gleichzeitig zu verändern.

Crispr/Cas ist in aller Munde. Mit dieser biotechnologischen Methode lassen sich in Zellen verhältnismässig einfach und schnell einzelne Gene präzise...

Im Focus: Wie schwingen Atome in Graphen-Nanostrukturen?

Innovative neue Technik verschiebt die Grenzen der Nanospektrometrie für Materialdesign

Um das Verhalten von modernen Materialien wie Graphen zu verstehen und für Bauelemente der Nano-, Opto- und Quantentechnologie zu optimieren, ist es...

Im Focus: Vehicle Emissions: New sensor technology to improve air quality in cities

Researchers at TU Graz are working together with European partners on new possibilities of measuring vehicle emissions.

Today, air pollution is one of the biggest challenges facing European cities. As part of the Horizon 2020 research project CARES (City Air Remote Emission...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gedanken rasen zum Erfolg: CYBATHLON BCI Series 2019

16.08.2019 | Veranstaltungen

Impfen – Kleiner Piks mit großer Wirkung

15.08.2019 | Veranstaltungen

Internationale Tagung zur Katalyseforschung in Aachen

14.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

16.08.2019 | Physik Astronomie

Solarflugzeug icaré testet elektrische Flächenendantriebe

16.08.2019 | Energie und Elektrotechnik

Neue Überlebensstrategie der Pneumokokken im Zentralnervensystem identifiziert

16.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics