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Rabatte ja - Feilschen Nein / Was Verbraucher und Fachleute über Schnäppchenjagd und Rabattgesetz denken

22.02.2002


Die Bundesbürger lieben Rabatte, aber feilschen mögen sie darum nicht so gern. Dies ergab Mitte Januar eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag des Magazins Reader’s Digest unter 1000 Verbrauchern in Deutschland. Und noch eines wurde deutlich: Die befristeten Schlussverkäufe im Sommer und Winter haben ihre Attraktivität verloren.

Die Bilder kennt man: Immer wenn der Winter- oder Sommerschlussverkauf beginnt, warten Schnäppchenjäger schon frühmorgens vor den Geschäften. Doch diese Menschen sind offenbar in der Minderheit. Die Umfrage von Reader’s Digest hat ergeben, nur 27,3 Prozent der Bürger warten auf den Schlussverkauf, um gezielt preiswerter einkaufen zu können. Die große Mehrheit, nämlich 72,7 Prozent, sucht schon vorher den besten Weg, um für wenig Geld möglichst viel zu erhalten.

Reader’s Digest veröffentlicht die Ergebnisse der Umfrage in seiner März-Ausgabe und bietet damit reichlich Stoff für Diskussionen. Denn so klar das Ergebnis auch erscheint, so differenziert ist es in seinen Einzelpunkten. So ist die Begeisterung für den Schlussverkauf sehr abhängig vom Alter. Tenor: Je älter die Befragten waren, desto geringer ist ihr Drang, auf Schnäppchenjagd zu gehen. Über 60 Jahre sind es gerade noch 18,3 Prozent, in der Altersspanne zwischen 14 und 29 Jahren hingegen 39,4 Prozent. Zahlen, die natürlich auch etwas mit dem Lebensstandard zu tun haben. So fiebert über die Hälfte der Schüler (55,8 Prozent) dem Schlussverkauf entgegen.

Da scheinen die Ergebnisse der zweiten Frage nur konsequent. Demnach haben 69,4 Prozent bisher noch nicht vom neuen Rabattgesetz Gebrauch gemacht. Nur knapp 31 Prozent hingegen haben schon einmal im Laden um den Preis gefeilscht, wie es seit Sommer 2001 erlaubt ist. Auch hier gilt: Je älter die Befragten waren, desto geringer ist die Bereitschaft, um ein paar Euro oder Cent im Laden zu streiten. 82,3 Prozent der über 60-Jährigen tut dies nicht, 40,6 Prozent der 30- bis 39-Jährigen hingegen schon. Interessant auch: Männer (36,0 Prozent) bekennen sich eher zum Preise aushandeln als Frauen (25,6 Prozent), Berufstätige (39,8 Prozent) tun es häufiger als Nichterwerbstätige (20,7 Prozent). Schüler gehen dagegen mit fast 75 Prozent nur sehr selten diesen Weg. Überraschend auch eine andere Zahl: Befragte mit einem Monatseinkommen über 2500 Euro haben die Möglichkeiten des neuen Rabattgesetzes weit häufiger genutzt (37,1 Prozent) als jene Menschen mit einem Monatsverdienst zwischen 1000 und 1500 Euro (23,4 Prozent) - obwohl gerade sie eher aufs Geld achten müssen.

Die weit überwiegende Mehrheit würde es aber begrüßen, wenn die Regeln über Schlussverkäufe gelockert würden und sie nicht nur zwei Mal pro Jahr gelten. So gaben fast 83 Prozent in der Umfrage an, sie würden es begrüßen, wenn jeder Händler unbegrenzt Rabatte einräumen dürfte. In dieser Einschätzung zeigen Männer wie Frauen, egal welchen Alters, Gehalts oder welcher Schulbildung, ein sehr geschlossenes Bild. Die Front der Gegner läuft bei rund 20 Prozent.

Aber der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels warnt vor einer weiteren Aufweichung der Richtlinien: "Wettbewerb braucht ein paar Regeln", schreibt Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des Verbands, in einem Beitrag für Reader’s Digest (März-Ausgabe). Sonst würden die kleinen Betriebe durch den Preiskampf der großen Anbieter schnell vom Markt gedrängt. Ohnehin beschere der scharfe Wettbewerb im Einzelhandel den Verbrauchern schon jetzt Einsparungen von 15 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr. Es gebe also keinen Grund, "bewährte Regeln ohne Not zu opfern" und Rabatte während des ganzen Jahrs zu gewähren.

Das sieht der Bundesverband Verbraucherzentrale ganz anders. "Das Verbot von Sonderverkaufsaktionen sollte auf den Prüfstand", sagt Verbandschefin Edda Müller in ihrem Beitrag in derselben Ausgabe. Ihre Begründung: Schon seit Jahren ist es üblich, "dass gerade vor den Schlussverkäufen haufenweise mit Sonderangeboten geworben wird". Erst jüngst hatte C&A mit seinem 20-Prozent-Rabatt auf alle Waren für Furore gesorgt, ehe die Aktion gerichtlich untersagt wurde. Aus Sicht von Müller ist der Richterspruch keine Lösung. Nach dem Rabattgesetz müsse nun auch das Wettbewerbsgesetz reformiert werden, denn: "Preisreduzierungen sind ein Teil des Wettbewerbs und damit auch Bestandteil unseres Wirtschaftssystems."

Für nähere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die März-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab dem 25. Februar an zentralen Kiosken erhältlich.

Uwe Horn | ots

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