Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ältere Arbeitslose - untererfasst, mit geringen Rückkehrchancen und drohender Altersarmut

18.12.2006
Das Ausmaß der Arbeitslosigkeit am Ende des Erwerbslebens ist höher als in der Arbeitslosenstatistik ausgewiesen, ältere Arbeitslose haben wenig Chancen auf eine erneute Beschäftigung, und sie gehen meist vorzeitig mit hohen Abschlägen und relativ geringer Rentenhöhe in den Ruhestand.

Zu diesen Ergebnissen gelangen Heribert Engstler vom Deutschen Zentrum für Altersfragen, Berlin, und Martin Brussig vom Institut Arbeit und Technik, Gelsenkirchen, nach einer Sichtung und Auswertung aktueller Daten der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung.

Weniger als ein Sechstel der Bezieher von Arbeitslosengeld I oder II im Alter ab 58 Jahren sind in der offiziellen Arbeitslosenstatistik enthalten, da die meisten Erwerbslosen dieses Alters die Möglichkeit des "erleichterten Leistungsbezugs" in Anspruch nehmen, bei dem sie der Arbeitsvermittlung nicht mehr zur Verfügung stehen müssen. Zählt man noch diejenigen Arbeitslosen hinzu, die an "entlastenden" Maßnahmen der Arbeitsagenturen teilnehmen, insbesondere die vielen "1-Euro-Jobber", ist gegenwärtig eher von 1,4 bis 1,5 Mio. Arbeitslosen ab 50 Jahren auszugehen als von den offiziell ausgewiesenen 1,1 Millionen. Das Ausmaß der Altersarbeitslosigkeit hat sich - so die Autoren in einem Beitrag zum Themenheft "Ältere Arbeitnehmer" der Zeitschrift "informationsdienst altersfragen" - in den vergangenen Jahren nicht verringert, lediglich ihre Zusammensetzung aus offener und verdeckter Arbeitslosigkeit geändert. Mehr als die Hälfte der älteren Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose, nur ein Drittel von ihnen kehrt in eine Beschäftigung zurück.

Die soziale Absicherung der älteren Langzeitarbeitslosen hat sich durch die Einführung des SGB II und die Verkürzung der Bezugsdauer von ALG I insgesamt verschlechtert. Bereits 2005 erfolgten rund 30 Prozent der Abgänge aus dem Bezug von ALG I wegen Erreichens der maximalen Bezugsdauer. Mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen. Aufgrund der enger gefassten Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von ALG II, insbesondere der Einkommensanrechnung, liegt zudem die Regelleistung der Grundsicherung - auch unter Hinzurechnung des befristeten Zuschlags, den viele ältere Langzeitarbeitslose erhalten - um etwa ein Drittel unter dem Niveau der früheren Arbeitslosenhilfe.

Wegen der geringen Chancen einer Wiederbeschäftigung bedeutet der Wechsel in die Arbeitslosigkeit für den Großteil der älteren Arbeitskräfte den Abschied aus dem Berufsleben und den vorzeitigen Ruhestand. Mehr als 70% der Rentenzugänge des Jahres 2004 von Männern, die zuletzt arbeitslos waren, erfolgte vorzeitig unter Inkaufnahme von Abschlägen, die Hälfte der langzeitarbeitslosen Männer ging mit dem maximalen Abschlag von 18% in Rente. Die bewilligten Altersrenten wegen Arbeitslosigkeit lagen 2004 mit einer Durchschnittshöhe von 961 Euro deutlich unter dem Niveau der anderen vorgezogenen Altersrenten.

In den nächsten Jahren könnte der Druck zur frühestmöglichen Verrentung älterer Arbeitsloser seitens der Arbeitsagenturen und der Grundsicherungsträger auf ältere Arbeitslose zunehmen. Hintergrund ist die Abschaffung des erleichterten Leistungsbezugs zum 31.12.2007 und das Interesse an einer Vermeidung des hohen Aussteuerungsbetrags, den die Bundesagentur für Arbeit für ALG II-Bezieher nach längerer Arbeitslosigkeit an den Bund zahlen muss. Statt verstärkter Hilfe zur Rückkehr in den Arbeitsmarkt droht die schnellstmögliche Frühverrentung mit stärkerer Verlagerung der Kosten der Altersarbeitslosigkeit in die gesetzliche Rentenversicherung.

Heribert Engstler & Martin Brussig (2006): Arbeitslosigkeit am Ende des Erwerbslebens. In: informationsdienst altersfragen 33(6), S. 2-6

http://www.dza.de/infodienst/aktuelle.pdf

Weitere Informationen erhalten Sie bei Heribert Engstler, Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), Manfred-von-Richtofen-Str. 2, 12101 Berlin, Tel.: 030-260740-75, Email: engstler@dza.de

Dr. Andreas Motel-Klingebiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.dza.de/infodienst/aktuelle.pdf
http://www.dza.de/infodienst/info-intro.html

Weitere Berichte zu: ALG Altersarbeitslosigkeit Langzeitarbeitsloser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Boom der deutschen Wirtschaft derzeit wahrscheinlicher als eine Rezession
19.09.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht KMU haben die "Generation 50+" fest im Blick
29.08.2018 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics