Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmensgründungen in Deutschland - Ende des Höhenflugs

18.12.2006
Die Anzahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ging im Jahr 2005 stark zurück: Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um etwa 8 Prozent. Besonders groß war der Rückgang im Handel und im produzierenden Gewerbe.

Bei unternehmensnahen Dienstleistungen war die Abnahme der Gründungen etwas geringer, lag aber immer noch recht hoch. Bei den konsumorientierten Dienstleistungen war der Rückgang mit minus 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr am geringsten. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gründungsreport, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, halbjährlich erstellt.

Die jetzt vorliegenden Zahlen belegen einen ersten deutlichen Rückgang, nachdem in den Jahren 2003 und 2004 die Anzahl der Unternehmensgründungen zwei Mal in Folge kräftig gestiegen war. Die Gründungstätigkeit ließ in Ostdeutschland mit minus 17 Prozent mehr als dreimal so stark nach wie in Westdeutschland mit minus 5 Prozent. Die Gründungsintensität (Anzahl der Gründungen je 10.000 Erwerbsfähigen) erreichte im Jahr 2005 einen Wert von 48,4 im Vergleich zu 52,5 im Vorjahr. Dies entspricht rund 252.000 neu gegründeten wirtschaftsaktiven Unternehmen im Jahr 2005.

Der Rückgang bei den Unternehmensgründungen im Jahr 2005 wurde ebenso wie die deutliche Zunahme bei den Gründungen in den Jahren 2003 und 2004 durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen beeinflusst. Die Einführung des Existenzgründungszuschusses für Arbeitslose (so genannte "Ich-AG"-Zuschuss) zum 1. Januar 2003 war zu einem großen Teil mitverantwortlich für den starken Anstieg der Anzahl der Unternehmensgründungen in den folgenden zwei Jahren. Bereits zum Ende des Jahres 2004 wurde die Möglichkeit der Inanspruchnahme des Zuschusses eingeschränkt. So wurde die Aufstellung eines Business-Plans, der genehmigt werden musste, Zugangsvoraussetzung. Auch der Kreis der Zuschussberechtigten wurde verkleinert. Diese Maßnahmen führten dazu, dass im Jahr 2005 im Vergleich zu 2004 annähernd 50 Prozent weniger Personen die Förderung erhielten - was allerdings immer noch mehr als 90.000 Personen entspricht.

Eine nähere Betrachtung des Rückgangs der Unternehmensgründungen im Jahr 2005 zeigt, dass davon alle Hauptbranchen betroffen sind. Im Handel, im produzierenden Gewerbe und bei unternehmensnahen Dienstleistungen war die Gründungstätigkeit deutlich rückläufig - und zwar in Ost- wie in Westdeutschland. Einzig bei den konsumorientierten Dienstleistungen blieb die Anzahl neu gegründeter Unternehmen in Westdeutschland in etwa gleich, während sie in Ostdeutschland starke abgenommen hat. Insgesamt war der Rückgang bei der Gründungstätigkeit im Osten Deutschlands mehr als dreimal so stark wie in Westdeutschland.

Im Handel hat die Anzahl der Gründungen am stärksten abgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden dort im Jahr 2005 um 11 Prozent weniger Firmen gegründet. Innerhalb des Handels gab es den stärksten Rückgang im Facheinzelhandel mit Nahrungsmitteln und bei Handelsvermittlungen. Aber auch im sonstigen Einzelhandel gab es Sektoren, in denen erheblich weniger neue Läden eröffnet wurden als noch im Vorjahr. Dazu zählen insbesondere der Textilhandel, der Einzelhandel mit Blumen und der Facheinzelhandel für Fotoerzeugnisse und Computer.

Im produzierenden Gewerbe war der Rückgang mit etwa 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer als im Handel. Allerdings ist hier der Unterschied zwischen der Entwicklung in West- (minus 6 Prozent) und Ostdeutschland (minus 21 Prozent) besonders groß. Das Gründungsgeschehen im produzierenden Gewerbe wird maßgeblich von der Entwicklung im Baugewerbe bestimmt, auf das drei Viertel der Gründungen in diesem Wirtschaftszweig entfallen. Im Baugewerbe gab es Rückgänge von 10 Prozent (Westdeutschland) und 25 Prozent (Ostdeutschland). Eine sehr dynamische Entwicklung zeigt sich im nach absoluten Zahlen kleinsten Sektor des produzierenden Gewerbes, nämlich bei der Energieerzeugung. Dort verdoppelte sich die Anzahl der Unternehmensgründungen seit 2003 auf nunmehr rund 1.800. Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass immer mehr Unternehmer in der Biogaserzeugung gewerblich tätig werden.

Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen wurden im Vergleich zum Vorjahr 6 Prozent weniger Firmen gegründet. Besonders stark war der Rückgang bei technologieorientierten Sektoren wie Softwareerstellung, Datenverarbeitungsdienste oder Servicedienste für Büromaschinen. Dagegen nahm die Gründungstätigkeit bei Unternehmensberatungen gegen den Trend zu (plus 6 Prozent). Nach dem Zuwachs von 2003 auf 2004 stieg damit bei ihnen die Anzahl der Gründungen 2005 abermals. Mit einem Zuwachs von 15 Prozent nahm die Anzahl neuer Architektur- und Ingenieurbüros noch deutlicher zu.

Bei den konsumnahen Dienstleistungen war der Rückgang des Gründungsaufkommens 2005 im Vergleich zu 2004 am geringsten. Während sich hier die Anzahl der Gründungen in Westdeutschland mit minus 2 Prozent nur wenig verringerte, ging sie in Ostdeutschland um 13 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahr erheblich weniger gegründet wurde im Gastgewerbe. Aber auch bei anderen Dienstleistungsunternehmen wie etwa bei Frisörgeschäften war die Zurückhaltung groß. Allerdings gab es auch Steigerungen gegen den Trend. So nahm die Anzahl der Gründungen in der Wohnungswirtschaft stark zu.

Ansprechpartner:
Georg Metzger, Telefon 0621/1235-185, Fax -170, E-Mail metzger@zew.de
Diana Heger, Telefon 0621/1235-382, Fax -170, E-Mail heger@zew.de
ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/grep/Grep0206.pdf - der aktuelle ZEW-Gründungsreport 2/2006

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Berichte zu: Gründungstätigkeit Unternehmensgründung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Boom der deutschen Wirtschaft derzeit wahrscheinlicher als eine Rezession
19.09.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht KMU haben die "Generation 50+" fest im Blick
29.08.2018 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics