Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinobesucher, was willst Du?

23.01.2002


Laufend eröffnen neue Kinokomplexe, gleichzeitig leiden kleinere Lichtspielhäuser teilweise unter massivem Zuschauermangel, manche sind sogar vom Zusperren bedroht. Angebot an Sitzplätzen und Konkurrenz steigen ständig. Doch wie sieht eigentlich die Nachfrageseite am Wiener Kinomarkt aus? Was wollen die Kinobesucher? Einen bestimmten Film sehen, oder Unterhaltung, Zerstreuung mit einem Film als zusätzliches Zuckerl? Antworten darauf suchte Frau Mag. Elisabeth Hammer im Rahmen ihrer Diplomarbeit am Institut für Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien. Am Montag, dem 14. Jänner 2002, präsentierte sie Kernergebnisse ihrer Kinobesucherbefragung vor einem sehr interessierten Publikum aus Kinofachleuten, Wissenschaftern und Studierenden an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Um die Wünsche der Kinobesucher umfassend zu analysieren, wurden 746 Personen (Durchschnittsalter 26 Jahre, 54% weiblichen und 46% männlichen Geschlechts) hinsichtlich ihres Freizeit- und Kinobesuchsverhaltens mit Hilfe des Internet befragt. In diesem ’convenience sample’ sind die Besucher von Multiplexen zwar leicht unterrepräsentiert, dennoch zeigen sich einige generelle Erkenntnisse über die Kinobesucher. Aus den standardisierten Fragebögen filterte Elisabeth Hammer zunächst jene Kriterien heraus, die bei der Wahl des Kinos für das Wiener Kinopublikum ausschlaggebend sind. Der gezeigte Film, d.h. das Programm des Kinos beeinflusst demnach die Entscheidung für ein bestimmtes Lichtspielhaus am stärksten, ausgedrückt durch die "Schulnote" 1,24 (Durchschnittswert der Befragten). Auf den Plätzen 2 bis 6 folgen ausschließlich Kriterien, welche die Ausstattung des Kinosaals betreffen - komfortable Sitze, gute Sicht von allen Sitzen, angenehme Atmosphäre, große Leinwand und Beinfreiheit. Als eher neutral für die Kinowahl werden günstige Kartenpreise, Filmvorschau und Lokale in Kinonähe eingestuft (Durchschnittswerte nahe 3). Sportanlagen in Kinonähe und Unterhaltungseinrichtungen wie etwa Spielhallen werden von den Befragten am unwichtigsten empfunden.

DEN Wiener Kinobesucher gibt es nicht

Haben alle Kinobesucher ähnliche Wünsche und Ansprüche? Lassen sich bestimmte Gruppen von Kinobesuchern herauskristallisieren, die untereinander möglichst ähnlich sind, sich voneinander aber deutlich unterscheiden? "Solche einzelnen Gruppen könnte man gezielt mit einem eigenen Marketing-Mix bearbeiten", meint Elisabeth Hammer. Mittels empirischer Methoden trennte sie die Wiener Kinobesucher in 6 Gruppen:

  • Für den Technikfan (12% der Befragten) sind Komfort im Kinosaal und modernste technische Ausstattung absolut am wichtigsten. Er besucht am liebsten Multiplexe und reist am häufigsten mit dem eigenen Fahrzeug an. "Der Technikfan will sich unterhalten, Freunde treffen und Spaß haben. Er bevorzugt Komödien und Actionfilme", so Elisabeth Hammer. Unter den unter 20-jährigen sowie den 31- bis 40-jährigen finden sich besonders viele Technikfans.
  • Auch für den Ökonomischen (11% der Befragten) ist der Unterhaltungsaspekt beim Kinobesuch vorrangig. Für ihn spielt jedoch der Preis der Kinokarte eine wesentliche Rolle: Bei Preissenkungen würde er öfter ins Kino gehen. Im Gegensatz zum Technikfan erreicht der Ökonomische mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Kino seiner Wahl.
  • Der Cinephile (16% der Befragten) will das Werk eines bestimmten Filmregisseurs sehen. Für ihn ist das Programm - vorrangig interessieren ihn Independentfilme und Dramen - im Vergleich zu den anderen Gruppen von größter Bedeutung. Auch Originalfassungen sind ihm sehr wichtig. Er geht am öftesten ins Kino, bevorzugt eindeutig traditionelle Lichtspielhäuser und die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Für den genießenden Filmfreak haben das Programm des Kinos und Filme in Originalfassungen ebenfalls oberste Priorität. Diese mit 28% der Befragten größte Gruppe der Kinobesucher legt allerdings im Unterschied zu den Cinephilen gleichzeitig hohen Wert auf komfortable Kinosäle und moderne technische Ausstattung. "Gut zu sitzen und auf eine große Leinwand zu sehen sind für den genießenden Filmfreak schon von Bedeutung. Er wartet auch nicht so gerne an der Kinokassa auf seine Karte", erklärt Elisabeth Hammer. Traditionelle Kinos sind ihm wichtig. Der genießende Filmfreak will unterhalten werden, findet Kino aber auch anspruchsvoll und informativ. Independentfilme und Komödien sieht er am liebsten.
  • 15% der Kinobesucher sind in Bezug auf ihre Prioritätensetzung bei der Wahl des Kinos eher neutral. Sie können weder den Cineasten noch den Komfortsuchenden zugeordnet werden. Diese Gruppe der Durchschnittlichen schätzt Filme in Originalfasung in technisch gut ausgestatteten und komfortablen Kinosälen. Ein Parkplatz in Kinonähe ist ihnen wichtiger als die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Am seltensten ins Kino geht der Bequeme (18% der Befragten). Unter 20- und über 40-Jährige sind im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen am stärksten in dieser Gruppe vertreten. Der Bequeme will in technisch gut ausgestatteten Kinosälen mit bequemen Sitzen Komödien und Actionfilme in deutscher Synchronfassung sehen. Eine gute Anbindung ans Netz der öffentlichen Verkehrsmittel zieht er einem Parkplatz beim Kino vor.

Leeren Kinositzplätzen gegensteuern

Um dem Überangebot an Sitzplätzen in den Wiener Kinos zu begegnen, müsste man laut Elisabeth Hammer einerseits die schon vorhandenen Kinobesucher noch öfter ins Kino locken, sprich die Besuchsfrequenz erhöhen. Andererseits sollte man sich um neue Kinobesucher und bisher vernachlässigte Segmente bemühen: "Der Anteil der ganz Jungen in den Kinos ist sicher noch zu steigern", meint Hammer. "Auch die über 40jährigen fühlen sich durch das derzeitige Kinoangebot nicht wirklich angesprochen." Das Kino hat für diese Altersgruppe eine andere Bedeutung als für den typischen Kinogeher in den 20ern. Bildung und Wissenserweiterung spielen eine größere Rolle als der Unterhaltungsaspekt.

Marktlücke "Arthouse Center"?

"Wie die Ergebnisse meiner Arbeit zeigen, gibt es nicht nur schwarz und weiß - Traditionskinogeher und Multiplexbesucher", betont Elisabeth Hammer. "Es gibt auch einen nicht zu vernachlässigenden Teil, der beides will: anspruchsvolle Filme in Originalfassung sehen, aber das ganze in bester Bildqualität, auf großer Leinwand, mit modernster technischer Ausstattung von bequemen Sitzplätzen aus genießen." In Deutschland gebe es das Geschäftsfeld dieser Filmkunstkinos bereits, in Österreich noch nicht wirklich. Sowohl die genießenden Filmfreaks und die Durchschnittlichen, als auch die Gruppe der Kinobesucher, die bestimmte Traditionskinos und Multiplexe gleichzeitig zu ihren Lieblingskinos zählen, könnte man laut Hammer mit solchen "Arthouse Centers" ansprechen.

Die komplette Diplomarbeit ist über die Tourismus Studien Austria ( http://studien.at ) als Downloadversion oder in Kopie erhältlich: Titel "Analyse des Wiener Kinopublikums", Bestellnummer: 100946. Preis: EURO 44,- (inkl. 10% USt, exkl. ev. Versandspesen)

Für Rückfragen: Mag. Tina Hölbling, Institut für Tourismus und Freizeitwirtschaft, Wirtschaftsuniversität Wien, Tel. 01/313 36/4583, E-Mail: tina.hoelbling@wu-wien.ac.at

DI Markus W. Lauboeck | idw
Weitere Informationen:
http://www.wu-wien.ac.at/presse
http://tourism.wu-wien.ac.at/cgi-bin/ift.pl?/pr/presse/inform_kino.htm

Weitere Berichte zu: Verkehrsmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

17.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

17.07.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics