Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Ende der Rationalisierungswelle in der Versicherungsbranche

23.01.2002


  • Jeder vierte Euro der Investitionsbudgets fließt in die Industrialisierung von Geschäftsabläufen
  • Lebensversicherung und Privatkunden sollen aus der Krise helfen

Die Versicherungsbranche ist weiter unter Druck. Stille Reserven und Fettpolster sind verschwunden. Jetzt rollt die große Rationalisierungswelle durch die Branche. Für jede zweite Versicherung ist dieses Thema in den kommenden drei Jahren „sehr bedeutend“. Die Industrialisierung bei den Versicherungen schreitet voran – Aufgaben wie die Bestandsführung oder die Antragsbearbeitung werden automatisiert. Jeden vierten Euro ihrer Investitionsbudgets wollen die Versicherungsunternehmen in den kommenden drei Jahren für die Industrialisierung ihrer Geschäftsabläufe aufwenden. Der Kostendruck zwingt außerdem zur Neupositionierung und zur Konzentration auf lukrative Kunden und Produkte. Im Vertrieb setzen die Assekuranzen auf die Lebensversicherung als Zugpferd: Hier ist die größte Investitionsbereitschaft. Die interessanteste Kundengruppe der kommenden Jahre sind Privatkunden. Dies ergab eine Topmanagement-Befragung unter 100 Entscheidern der Branche von der Mummert + Partner Unternehmensberatung, vom F.A.Z.-Institut und vom manager magazin.

Personalkosten sollen gesenkt werden, Automatisierung ist auf dem Vor-marsch. Das größte Potenzial für effizientere Abläufe besteht bei der Policenverwaltung und -abwicklung sowie der Antragsbearbeitung. Nur standardisierte Versicherungsprodukte können automatisiert verwaltet werden. Eine Folge der neuen Rationalisierungswelle: Im Mengengeschäft werden Standardprodukte das Bild bestimmen – bei 56 Prozent der Unternehmen ist das schon der Fall, bei den restlichen in Planung. Gut die Hälfte der Entscheider der Versicherungsbranche schätzt die Industrialisierung als sehr bedeutend ein, nur für jeden siebten ist dieses Thema eher unwichtig.

Investiert wird am häufigsten in das gewinnträchtige Privatkundengeschäft. Der erwartete Wertschöpfungsbeitrag liegt dort besonders hoch. In Gewerbe- und Industriekunden setzen die Versicherer geringere Hoffnungen. Auf der Produktseite gilt die Lebensversicherung als hochattraktiv. 55 Prozent der Unternehmen haben im vergangenen Jahr in dieses Produkt investiert, davon 71 Prozent überdurchschnittlich stark. 60 Prozent planen Investitionen für die kommenden drei Jahre. Außerdem gibt es Bewegung auf der Produktseite. Die mit 21 Prozent am häufigsten genannte Strategie zur Bekämpfung der Probleme ist die Entwicklung neuer Produkte.

Auch wenn die Kosten Sorgen machen – in den Aufbau und die Pflege von Kundenbeziehungen (Customer Relationship Management, CRM) wird einhellig investiert. 53 Prozent der Entscheider kündigen Mehrinvestitionen für die Jahre bis 2004 an – nur einer von zwanzig Entscheidern hält CRM für wenig bedeutend oder unwichtig. Die Unternehmen richten sich noch stärker auf den Kunden aus. Die Investitionen fließen vor allem in das Kundenmanagement und in Kundenbindungsprogramme. Weit oben auf der Agenda steht die Erfolgskontrolle. Hauptziel der Anstrengungen ist die Konzentration auf lukrative Kunden – der potenzielle Wert des Kunden rückt in den Fokus. Kundenklassifizierung und Kundeninformationssysteme stehen bei jedem zweiten Anbieter auf der Liste der CRM-Investitionspläne.

Unter Kostendruck und schärferem Wettbewerb ist die Bereitschaft zu Kooperationen deutlich gestiegen. Fast alle Entscheider (99 Prozent) geben an, dass sie mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten wollen. Outsourcing (51 Prozent) und Joint Ventures (48 Prozent) stehen im Vordergrund. Die meisten suchen Zulieferer, etwa 40 Prozent streben nach Fusion, Übernahme oder Beteiligung. Versicherungsmakler werden mit Abstand am häufigsten (47 Prozent) als Partner für intensive Zusammenarbeit genannt.

Das Thema Allfinanz spaltet die Branche: 52 Prozent wollen sich nicht damit befassen, 48 Prozent planen Maßnahmen oder führen sie bereits durch. Den Kreditinstituten gegenüber sehen die Entscheider sich im Vorteil: Nur wenige halten den Versicherungsvertrieb durch Banken für wachstumsträchtig.

Ähnlich zurückhaltend wie die Allfinanz wird die Riester-Rente beurteilt. Sie gilt nicht als besonders lukrativ – jeder zweite Entscheider sieht sie gewinnneutral. Trotzdem ist sie ein Topthema: Das Rentenmodell ist das Sprungbrett für ein breites Vorsorgegeschäft. Fast alle Befragten (98 Prozent) glauben an einen Bedeutungszuwachs von Privatrente und Pensionsfonds. Zwei von drei Versicherungen investieren in die Riester-Rente. Unter den Riester-Optimisten – den 30 Prozent, die positive Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis erwarten – sehen zwei Fünftel den Break-even schon in diesem Jahr. Allerdings sind die Meinungen geteilt: Ein Drittel glaubt, dass erst ab 2005 Riester-Gewinne zu erwarten sind.

„Die Versicherungsbranche ist unter Druck geraten. Eine Rationalisierungswelle ist angelaufen und wird die Branche stark verändern. Um Börsenflaute, Wettbewerb und Kosten in den Griff zu bekommen, sollten die Unternehmen ihre Investitionen sehr gezielt planen. Konzentration auf die richtigen Kunden und Produkte ist das Gebot der Stunde.“

Wilhelm Alms, Vorstandsvorsitzender der Mummert + Partner Unternehmensberatung AG

Der „Branchenkompass Versicherungen“ zeigt die Investitionsstrategien und -planungen auf, mit denen die Branche die Jahre 2002 bis 2004 angeht. Die Studie beruht auf einer Befragung von 100 Topmanagern aus führenden Unternehmen der Branche im Dezember 2001 durch PRIME research international. Zu beziehen ist der „Branchenkompass Versicherungen“ im Internet für 75 Euro.

Mummert + Partner ist eine der führenden europäischen Unternehmensberatungen für Dienstleistungsunternehmen. Zu den Kunden zählen vor allem Kreditinstitute, Versicherungen, öffentliche Dienstleister, die Energiewirtschaft und das Gesundheitswesen. Darüber hinaus berät das Unternehmen weitere Dienstleistungsunternehmen in speziellen Aufgabenstellungen, für die Mummert + Partner hervorragendes Know-how besitzt. Beispiele hierfür sind Telekommunikations- und Logistikunternehmen. Mit 1.350 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 191,2 Millionen Euro (Konzern im Geschäftsjahr 2000) gehört Mummert + Partner zu den Top Ten der Branche in Deutschland.

Jörg Forthmann | Presseinfo
Weitere Informationen:
http://www.mummert.de/deutsch/study/study.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung wächst weiter
28.01.2020 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Krisenrisiko Nummer 1: Unerwartete Liquiditätsengpässe
08.01.2020 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Höhere Treibhausgasemissionen durch schnelles Auftauen des Permafrostes

18.02.2020 | Geowissenschaften

Supermagnete aus dem 3D-Drucker

18.02.2020 | Maschinenbau

Warum Lebewesen schrumpfen

18.02.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics