Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ist unsere Soziale Marktwirtschaft wettbewerbsfähig in der neuen Weltwirtschaft?

12.12.2001


Ein internationales Regelwerk ist vonnöten, damit sich die Weltwirtschaft weiter entwickeln kann. Das ist das Ergebnis des jetzt vorgelegten "Jahrbuchs 2001" des Wis-senschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Die Konflikte um Handelsinteressen werden ansonsten weltweit stark zunehmen, erwarten die WZB-Wissenschaftler.

"Die Stärkung des marktwirtschaftlichen Ordnungsprinzips und der Ausbau und die Legitimation eines internationalen Ordnungsrahmens sind jetzt die vordringlichen Aufgaben", fasst der Wirtschaftswissenschaftler Lars-Hendrik Röller, der mit Christian Wey das WZB-Jahrbuch 2001 "Die Soziale Marktwirtschaft in der neuen Weltwirtschaft" herausgegeben hat, die zent-rale Aussage zusammen. Röller sieht das WZB-Jahrbuch als einen "Beitrag gegen den Globali-sierungspessimismus".

Seit den 70er Jahren habe sich das wirtschaftliche Umfeld entscheidend verändert. Die Vernet-zung der Weltwirtschaft, vorangetrieben durch die Liberalisierung des internationalen Handels und des Abbaus von Kapitalverkehrskontrollen sowie durch die technischen Entwicklungen auf dem Sektor der Informationstechnik, habe zu einem globalen Wettbewerb geführt. "Globa-lisierung" und "New Economy" bildeten die Kernelemente dieses tiefgreifenden Wandels, von dem private Haushalte, Unternehmen und Staaten gleichermaßen erfasst würden. Globalisie-rungskritiker forderten jedoch, diese Entwicklungen zu verlangsamen oder sogar zu unterbin-den. Setze man jedoch die Internationalisierung der Wirtschaftssysteme als unumkehrbar vor-aus, so gelte es vor allem zu fragen, inwieweit die erreichten Sozialstandards des deutschen Wirtschaftssystems ein tragfähiges Modell darstellen.

Röller fordert, eine "neue" Soziale Marktwirtschaft müsse zwei ’Markttests’ bestehen: Markt-konforme Eingriffe sollten den Vorzug erhalten gegenüber Maßnahmen, die den Marktmecha-nismus verzerren. Nationale Regulierungen sollten den Marktzutritt ausländischer Anbieter nicht erschweren. "Das muss keineswegs zu einer Abwertung nationaler Sozialstandards füh-ren", betont Röller. Denn die eigentlichen sozialen Ziele würden durch die Globalisierung nicht verändert. Im WZB-Jahrbuch wird dieses Prinzip an den Beispielen "Soziale Sicherungs-systeme" und "Sozialstaatliche Sicherung der Wohnungsversorgung" durchgespielt. Aber auch die Herausforderungen für die Ausbildungs- und Beschäftigungspolitik bilden einen Schwer-punkt des Buchs.


Die Autoren empfehlen eine rasche und konsequente Internationalisierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Es gelte, dem globalen Marktgeschehen einen globalen Ordnungsrahmen entge-gen zu setzen. Denn die internationale Verflechtung und die damit verbundene gegenseitige Abhängigkeit berge ein erhöhtes Konfliktpotential. Nach dem 11. September habe sich diese Notwendigkeit noch verschärft. Herausragende Bedeutung bescheinigen die Autoren dabei einer international abgestimmten Wettbewerbspolitik. Es müsse Einigkeit über die Rahmenbe-dingungen internationaler Konkurrenz herrschen. Die mangelnde Legitimität internationaler Organisationen werde ein immer größeres Problem. Das gelte um so mehr, da zu vermuten sei, dass die Nationalstaaten auch in Zukunft die höchste Ebene demokratisch legitimierter Ent-scheidungen blieben.

Röller empfiehlt deshalb die Einrichtung einer internationalen Wettbewerbsbehörde unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO). Nur eine internationale Behörde könne unabhängig von nationalen wirtschaftlichen Interessen über Fusionen entscheiden. Eine internationale Regelung sei auch deshalb nötig, um das Verfahren überschaubar zu machen. Bislang müssen Firmen Fusionen in allen Ländern anmelden, in denen sie auf dem Markt präsent sind. So kann es zu widersprüchlichen Entscheidungen kommen wie in dem Fall der Fusion von General Electric und Honeywell, als die Europäische Kommission einen Zusammenschluss untersagte, die vom US-amerikanischen Pendant erlaubt worden war. Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet Röller die Gründung des "OECD Global Forum on Competition" (Globales Wettbewerbsforum), das im Oktober zum ersten Mal in Paris tagte und sich mit internationalen Wettbewerbsfragen beschäftigt wird.

... mehr zu:
»Globalisierung »WZB


Bei Nachfragen: Prof. Lars-Hendrik Röller, Ph.D. , T: 030/25491-440, roeller@wz-berlin.de
Dr. Christian Wey, T: 030/25491-449, wey@wz-berlin.de

Ingrid Hüchtker, Pressereferat, T: 030/25491-510, huechtker@wz-berlin.de



Lars-Hendrik Röller, Christian Wey (Hg.), Die Soziale Marktwirtschaft in der neuen Weltwirtschaft,
WZB-Jahrbuch 2001, Berlin: edition sigma 2001

"Die neue Weltwirtschaft - WZB-Jahrbuch 2001: Chancen der Globalisierung", in: WZB-Mitteilungen, Heft 94, Dezember 2001, S. 21-

Burckhard Wiebe | idw

Weitere Berichte zu: Globalisierung WZB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal: Weiterhin hoher Bestand an offenen Stellen
14.05.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Welthandel deutlich zurückgegangen
26.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Towards an 'orrery' for quantum gauge theory

Experimental progress towards engineering quantized gauge fields coupled to ultracold matter promises a versatile platform to tackle problems ranging from condensed-matter to high-energy physics

The interaction between fields and matter is a recurring theme throughout physics. Classical cases such as the trajectories of one celestial body moving in the...

Im Focus: "Qutrit": Komplexe Quantenteleportation erstmals gelungen

Wissenschaftlern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien ist es gemeinsam mit chinesischen Forschern erstmals gelungen, dreidimensionale Quantenzustände zu übertragen. Höherdimensionale Teleportation könnte eine wichtige Rolle in künftigen Quantencomputern spielen.

Was bislang nur eine theoretische Möglichkeit war, haben Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien nun erstmals...

Im Focus: Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

Der „Landau-Niveau-Laser“ ist ein spannendes Konzept für eine ungewöhnliche Strahlungsquelle. Er hat das Zeug, höchst effizient sogenannte Terahertz-Wellen zu erzeugen, die sich zum Durchleuchten von Materialen und für die künftige Datenübertragung nutzen ließen. Bislang jedoch scheiterten nahezu alle Versuche, einen solchen Laser in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin ist einem internationalen Forscherteam nun ein wichtiger Schritt gelungen: Im Fachmagazin Nature Photonics stellen sie ein Material vor, das Terahertz-Wellen durch das simple Anlegen eines elektrischen Stroms erzeugt. Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) waren maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Ebenso wie Licht zählen Terahertz-Wellen zur elektromagnetischen Strahlung. Ihre Frequenzen liegen zwischen denen von Mikrowellen und Infrarotstrahlung. Sowohl...

Im Focus: A miniature stretchable pump for the next generation of soft robots

Soft robots have a distinct advantage over their rigid forebears: they can adapt to complex environments, handle fragile objects and interact safely with humans. Made from silicone, rubber or other stretchable polymers, they are ideal for use in rehabilitation exoskeletons and robotic clothing. Soft bio-inspired robots could one day be deployed to explore remote or dangerous environments.

Most soft robots are actuated by rigid, noisy pumps that push fluids into the machines' moving parts. Because they are connected to these bulky pumps by tubes,...

Im Focus: Crispr-Methode revolutioniert

Forschende der ETH Zürich entwickelten die bekannte Crispr/Cas-Methode weiter. Es ist nun erstmals möglich, Dutzende, wenn nicht Hunderte von Genen in einer Zelle gleichzeitig zu verändern.

Crispr/Cas ist in aller Munde. Mit dieser biotechnologischen Methode lassen sich in Zellen verhältnismässig einfach und schnell einzelne Gene präzise...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie smarte Produkte Unternehmen herausfordern

20.08.2019 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 4. Air Cargo Conference in Frankfurt am Main

20.08.2019 | Veranstaltungen

Gedanken rasen zum Erfolg: CYBATHLON BCI Series 2019

16.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Turbulenz – normaler als gedacht?

20.08.2019 | Physik Astronomie

Reaktionsmechanismus der PUVA-Lichttherapie von Hauterkrankungen aufgeklärt

20.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Göttingen entschlüsselt Abwehrmechanismus von Schimmelpilzen

20.08.2019 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics