Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lachgas - nicht lustig für das Klima

18.05.2006


Wie Treibhausgas sich in Luft auflöst: TU Clausthal und Uhde GmbH auf dem "Ideenpark 2006"



Clausthal-Zellerfeld/Dortmund/Hannover. Lachgas schädigt das Klima vielfach stärker als Kohlendioxid. Bei der Herstellung von Salpetersäure in der chemischen Industrie fallen jedes Jahr rund 400 000 Tonnen dieses ’Klimakillers’ an. Das entspricht einer Treibhausgasbelastung von etwa 120 Millionen Tonnen Kohlendioxid - einer Menge, die alle Pkw Deutschlands zusammen in einem Jahr ausstoßen. Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Clausthal entwickeln in Zusammenarbeit mit der Uhde GmbH, Dortmund, ein Verfahren weiter, mit dem Lachgas fast vollständig in Stickstoff und Sauerstoff, die Bestandteile von Luft, umgewandelt werden kann. Auf dem "Ideenpark 2006" der Firma ThyssenKrupp vom 20. bis zum 28. Mai im Deutschen Pavillon des Expo-Plaza in Hannover stellen die Forscher um Professor Dr. Thomas Turek vom Institut für Chemische Verfahrenstechnik (ICVT) und Vertreter der Uhde GmbH das Verfahren einer breiten Öffentlichkeit vor.

... mehr zu:
»EnviNOx »Katalysator »Lachgas


Lachgas ist ein natürlich vorkommendes Gas der Erdatmosphäre. Obwohl es dort nur in Spuren vorkommt, trägt es insgesamt etwa fünf Prozent zum globalen Treibhauseffekt bei, da Lachgas bezogen auf seine Masse etwa 300mal stärker wirkt als Kohlendioxid. Lachgas reflektiert Wärmestrahlung, die sonst ins Weltall entweichen würde. Außerdem beschleunigt es in der Stratosphäre unter UV-Licht den Abbau von Ozon und vergrößert damit die ’Ozon-Löcher’.

In großen Mengen entsteht das klimaschädliche Gas bei der Herstellung von Salpetersäure, einem wichtigen Grundstoff der chemischen Industrie. "Eine herkömmliche, mittelgroße Salpetersäureanlage produziert in einem Jahr etwa 2000 Tonnen Lachgas", berichtet Professor Dr. Thomas Turek vom ICVT. "Unbehandelt in die Atmosphäre abgegeben, entspricht diese Menge einer Klimaschädigung durch den jährlichen Kohlendioxidausstoß aller Pkw der Stadt Hannover."

Klimaschutz mit umweltfreundlichen Mitteln

Das von Uhde patentierte EnviNOx(reg.)-Verfahren entfernt Lachgas und sonstige Stickoxide aus dem Abgas von Salpetersäureanlagen und wandelt diese in zwei Schritten in die unschädlichen Luftbestandteile Stickstoff, Sauerstoff und in Wasser um. Eine besondere Rolle kommt dabei einem Katalysator zu, der diese Umwandlung beschleunigt. Ein Katalysator ist ein Stoff, der die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion verändert und der nach der Reaktion in unveränderter Form vorliegt. Bei einer katalytischen Reaktion fallen außerdem oft weniger unerwünschte Nebenprodukte an, als bei einer Reaktion ohne Katalysator.

Der Katalysator des EnviNOx(reg.)-Verfahrens besteht aus einem porösen kristallinen Körper, auf den Eisen aufgebracht wird. Er ist sehr umweltfreundlich und kann nach seiner Lebensdauer von mehreren Jahren leicht entsorgt werden.

"Das Institut für Chemische Verfahrenstechnik der TU Clausthal unterstützt die Weiterentwicklung des EnviNOx(reg.)-Verfahrens von Uhde durch Laboruntersuchungen", erläutert Turek. "Wir ermitteln die Leistungsdaten des Katalysators und können dann berechnen, wie groß ein technischer Reaktor in der Praxis sein muss, um die Stickoxide möglichst vollständig zu entfernen." Uhdes EnviNOx?-Technologie hat sich bereits in einer großtechnischen Salpetersäureanlage erfolgreich bewährt. Sie wird zur Zeit in vier weiteren Anlagen implementiert. Insgesamt verringert sich dadurch die Klimabelastung mit Treibhausgas in der Größenordnung von etwa 3,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr.

Uhde ist ein Unternehmen der ThyssenKrupp Technologies mit weltweit mehr als 4 300 Mitarbeitern. Schwerpunkte der Unternehmensaktivitäten sind die Planung und der Bau von Chemie- und Industrieanlagen in den Bereichen: Raffinerietechnik, Anlagen für Düngemittel, organische Zwischenprodukte, Polymere und Synthesefasern, Elektrolyse-Anlagen, Gastechnik, Anlagen zur Öl-, Kohle- und Rückstandsvergasung, Kokereitechnik und Pharma.

"IdeenPark 2006" - Begeisterung für Technik wecken

Unter dem Motto "Technik entdecken - Zukunft gestalten" präsentiert der "IdeenPark 2006" von ThyssenKrupp gemeinsam mit dem Land Niedersachsen und über 50 Partnern neun Tage lang auf 30 000 Quadratmetern "Technik zum Anfassen und Begreifen". Auf der Ausstellung werden etwa 100 Exponate und Experimente zu sehen sein. Die TU Clausthal und das Clausthaler Umwelttechnik Institut (CUTEC) beteiligen sich mit fünf Exponaten und einem Vortrag am IdeenPark, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet.

Kontakt:
Christian Perbandt
Institut für Chemische Verfahrenstechnik
TU Clausthal
Leibnizstr. 17
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05323 - 72 2551
E-mail: perbandt@icvt.tu-clausthal.de

Andreas Moseke | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-clausthal.de
http://www.cutec.de
http://www.zukunft-technik-entdecken.de

Weitere Berichte zu: EnviNOx Katalysator Lachgas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Welthandel deutlich zurückgegangen
26.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Deutsche Konjunktur schwächer, aber keine Anzeichen für Rezession
11.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics