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Pleitewelle bei Unternehmen ebbt ab / Verbraucherinsolvenzen steigen stark an

27.04.2006

Der Rückgang der Unternehmensinsolvenzen nimmt an Fahrt auf. 2006 werden nach Berechnungen des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU), Hamburg, voraussichtlich rund 34.000 Firmen insolvent werden, fast 8 Prozent weniger als letztes Jahr (36.848). Die Insolvenzschäden reduzieren sich auf 32 Milliarden Euro, die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze sinkt unter 500.000. Grund ist die bessere Konjunktur. Aber: "Dieser erfreuliche Trend ist kein Anlass, sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen", mahnt BDIU-Präsident Stephan Jender. "Die Liquidität vieler Firmen ist weiterhin schlecht - genauso wie das Zahlungsverhalten der Schuldner."

In der traditionellen Frühjahrsumfrage unter den 522 Mitgliedsunternehmen des BDIU sagen 59 Prozent, dass Rechnungen aktuell genauso schlecht bezahlt werden wie vor einem halben Jahr. Gründe dafür sind bei Privaten vor allem Überschuldung (87 Prozent der BDIU-Mitglieder bestätigen das) und Arbeitslosigkeit (85 Prozent). Die hohe Überschuldung - mehr als 3 Millionen Verbraucher sind betroffen - sorgt auch dafür, dass die Verbraucherinsolvenzen weiter stark ansteigen. Für dieses Jahr rechnet der Bundesverband Inkasso mit voraussichtlich 90.000 Fällen (plus 31 Prozent gegenüber 2005). Der Erfolg des Verfahrens ist zweifelhaft. Nach Einschätzung der BDIU-Mitglieder werden zwei Drittel aller Betroffenen nach der Insolvenz erneut in Überschuldung geraten. Und: "Die meisten Verfahren sind Nullpläne ohne Gläubigerbefriedigung", beklagt Jender.

Mehr Prävention gefordert

Aktuellen Reformvorschlägen zur Verbraucherinsolvenz steht der BDIU kritisch gegenüber. Sie sehen unter anderem vor, das gerichtliche Verfahren für mittellose Schuldner abzuschaffen. "Die von einem gerichtlichen Treuhänder überwachte Wohlverhaltensperiode hat eine wichtige Lernfunktion, um den Schuldner auf das Leben nach der Insolvenz vorzubereiten", plädiert Jender.

Auch müsse mehr zur Schuldenprävention unternommen werden. "Viele junge Erwachsene wissen zu wenig über finanzielle Zusammenhänge", berichtet BDIU-Pressesprecherin Marion Kremer. "Gründe sind oft das Elternhaus und unzureichende Thematisierung im Schulunterricht. Die Debatte um Gewalt an Schulen zeigt, wie es nicht laufen darf. Es steht zu befürchten, dass in einem solchen Klima die Überschuldeten von morgen heranwachsen."

Öffentliche Hand schlechter Zahler

Problematisch ist weiterhin das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand. Kein BDIU-Mitglied hat beobachtet, dass sie aktuell Rechnungen besser bezahlt. Auch das eigene Forderungsmanagement der öffentlichen Hand ist schlecht. 54 Prozent der BDIU-Mitglieder bewerten es in der Umfrage mit "mangelhaft". Stephan Jender: "Die öffentliche Hand sollte ihr Forderungsmanagement auslagern und damit effizienter gestalten. Aktuelle Studien zeigen, dass das möglich ist, zum Beispiel beim Zurückholen von Unterhaltsvorschüssen."

Hinweis: Die komplette Pressemappe sowie die Ergebnisse der aktuellen Frühjahrsumfrage der Inkasso-Unternehmen finden Sie unter www.inkasso.de in der Rubrik "Öffentlichkeit".

Udo Seidel | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.inkasso.de

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