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Rentenmarkt: Noch keine Entwarnung

21.02.2006

Seit Jahresbeginn ist das Klima wieder etwas rauer geworden. Für Verstimmung sorgte vor allem der US-Arbeitsmarkt, der mit deutlich steigenden Löhnen bei gleichzeitiger Verlangsamung der Produktivitätsfortschritte überraschte. Damit ergibt sich nun auf vergleichbaren Renditeniveaus eine ähnliche Situation wie zuletzt Anfang November, was auch aus technischer Perspektive eine wichtige Bewährungsprobe darstellt. Insgesamt robuste Klimaindikatoren sowie konsolidierende Ölnotierungen verleihen der konjunkturellen Perspektive zwar Auftrieb und auch die Notenbanken scheinen diese Sicht zu favorisieren. Doch die Anleihe-Optimisten geben sich angesichts weiterhin gemäßigter Kerninflationsdaten sowie allmählich nachlassenden Auftriebs bei einigen Stimmungsindikatoren noch keineswegs geschlagen. Aktuell verzinsen sich zehnjährige Bundesanleihen zu 3,5 Prozent, ihre US-Pendants rund 110 Basispunkte höher. Seit dem Jahresbeginn sind die Renditen damit jeweils um rund 20 Basispunkte gestiegen.

Konjunkturell steuert die Weltwirtschaft weiterhin auf solidem Wachstumskurs. Erwartungsverfehlungen wie beispielsweise bei den deutschen Auftragseingängen oder der US-Industrieproduktion vom Januar werden allgemein als unkritisch eingestuft. Im Vordergrund stehen vielmehr einerseits die unverändert intakten Arbeitsmarkt- und Investitionstrends in der tonangebenden US-Wirtschaft sowie andererseits Anzeichen verstärkter Binnenaktivität im Euroraum und in Japan. In Deutschland zeigen sich die Unternehmen der Februar-Umfrage des DIHK zufolge so investitionsfreudig wie zuletzt vor 11 Jahren. Für den Euroraum hat sich das Wirtschaftsklima im ersten Quartal (99,2 nach 84,8 Punkte) ebenfalls deutlich gebessert und die Kreditnachfrage zieht laut einer Untersuchung der EZB bereits spürbar an, was insbesondere mit Blick auf einzelne regionale Immobilienmärkte im Euroraum die Wachsamkeit der Notenbank schärft. Wenngleich derzeit noch schwer abschätzbar ist, ob sich in der Folge nennenswerte Effekte am Arbeitsmarkt ergeben, bewegt sich auch die EZB auf dem schmalen Grat zwischen Konjunkturförderung und Inflationsprophylaxe.

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Mit der auf Sicht eines halben Jahres deutlich erkennbaren Verflachung der Zinsstrukturen (in den USA bis zur Inversion) haben die Anleger beidseits des Atlantiks auf die Gefahr einer weiteren geldpolitischen Verschärfung reagiert. Ob die Risikoszenarien in der aktuellen Renditestruktur hinreichend gewürdigt sind, entscheidet sich dabei vor allem an der künftigen Entwicklung der Kernraten der Teuerung (ohne Energie und Nahrungsmittel). Strukturell sprechen in erster Linie der erwartete globale Fortschritt des Investitionszyklus sowie der internationale Wettbewerbsdruck trotz zunehmender Auslastung der Kapazitäten für durchaus angemessen verankerte Inflationserwartungen. Im Zuge zunächst anhaltend robuster Konjunkturdaten sowie angesichts ultraniedriger Mehrrenditen sollte die Entscheidung über eine Verlängerung der Bindungsfrist jedoch zunächst aufgeschoben und stattdessen der höheren Beweglichkeit kürzerer Laufzeiten Vorzug eingeräumt werden.

Dr. Stefan Steib | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.lrp.de

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