Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gründungen aus der Arbeitslosigkeit: Nur geringe Impulse für Beschäftigung

16.12.2005


Gründungen aus der Arbeitslosigkeit schaffen weitaus weniger Arbeitsplätze als andere Unternehmensgründungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der KfW Bankengruppe und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die erstmals seit Einführung der "Ich-AG" Gründungen aus der Arbeitslosigkeit auf repräsentativer empirischer Basis analysiert.



Etwa drei Viertel der von vormals Arbeitslosen gegründeten Unternehmen sind Ein-Mann-Betriebe, die durchschnittliche Mitarbeiterzahl liegt bei 2,0. Zum Vergleich: Bei allen anderen Neugründungen handelt es sich bei weniger als der Hälfte um Ein-Mann-Betriebe, die durchschnittliche Mitarbeiterzahl liegt bei 3,9. Arbeitslose gründen darüber hinaus relativ häufig in den wenig kapitalintensiven Branchen (z.B. Bau- und Ausbauhandwerk, unternehmensnahe Dienstleistungen). Untersucht wurden die Gründungsjahrgänge 2003 und 2004.



Vormals arbeitslose Gründer unterscheiden sich der Untersuchung zufolge hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildung kaum von anderen Gründern. Sie verfügen jedoch über ein deutlich niedrigeres Haushaltseinkommen, und die eigenen finanziellen Ressourcen bestimmen die Selbständigkeitsentscheidung stärker als bei anderen Gründern. Dies kann jedoch ihre geringere Neigung, zu investieren und Mitarbeiter einzustellen, nicht vollständig erklären. Einige Indikatoren sprechen dafür, dass die Gründungsentscheidung Arbeitsloser stärker dadurch motiviert ist, der Arbeitslosigkeit zu entkommen, als durch den Wunsch, eine eigene Geschäftsidee erfolgreich zu realisieren. Solche Gründer sind daher bestrebt, das finanzielle Risiko möglichst gering zu halten. Auch der Anreiz, durch den Weg in die mit Überbrückungsgeld oder Existenzgründungszuschuss geförderte Selbständigkeit den Anspruch auf Transferleistungen zu verlängern, spielt offenbar eine Rolle bei ihrer Gründungsentscheidung.

Die gesamtwirtschaftliche Wirkung von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit hinsichtlich der Schaffung von Beschäftigung, der Förderung des Strukturwandels und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sollte den Ergebnissen der Studie zufolge daher zurückhaltend eingeschätzt werden. Folgende Schlussfolgerungen lassen sich aus der Untersuchung ziehen:

  • Für eine effizientere Förderung ist es notwendig, arbeitslose Gründer, die ein tragfähiges Geschäftskonzept haben, von solchen unterscheiden zu können, die mit der Gründung in erster Linie eine Verlängerung ihres Anspruchs auf Transferleistungen bezwecken. Ein wichtiger, allerdings nicht ausreichender Schritt war hier die Verschärfung der Förderbedingungen für den Existenzgründungszuschuss, die nun wie beim Überbrückungsgeld die Vorlage eines Geschäftsplans verlangen.
  • Als weiterer Schritt wäre über die Vergabe der Förderung auf Basis eines (zumindest teilweise) rückzahlbaren Zuschusses nachzudenken. Die Verpflichtung zur Rückzahlung dürfte eine sorgfältigere Prüfung der Tragfähigkeit des Geschäftskonzepts seitens der Gründer bewirken. Zudem sollten sich auf diese Weise Mitnahmeeffekte erheblich reduzieren lassen.

Ansprechpartner:
Dr. Georg Licht, Telefon: 0621/1235-177, Fax: -170, E-Mail: licht@zew.de

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Berichte zu: Existenzgründungszuschuss Überbrückungsgeld

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht MagicMoney: Offline bezahlen – mit deinem Smartphone
13.11.2018 | Duale Hochschule Baden Württemberg Karlsruhe

nachricht WLTP: Neuer Pkw-Prüfstandard hat starke Auswirkungen auf Konjunktur
13.11.2018 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Emulsionen masschneidern

15.11.2018 | Materialwissenschaften

LTE-V2X-Direktkommunikation für mehr Verkehrssicherheit

15.11.2018 | Informationstechnologie

Daten „fühlen“ mit haptischen Displays

15.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics