Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Der Groß- und Außenhandel hängt im Stimmungstief."

28.08.2001


Seit Jahresanfang hat sich die wirtschaftliche Stimmungslage der deutschen Unternehmen im Groß- und Außenhandel deutlich verschlechtert." Dies erklärte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), heute in Berlin bei der Vorstellung der aktuellen Unternehmerumfrage seines Verbandes. 55 Prozent der Groß- und Außenhändler bezeichnen die gegenwärtige Wirtschaftslage als schlecht. Zu Jahresbeginn teilten nur 22 Prozent diese Ansicht. Während im vergangenen Jahr 55 Prozent der Unternehmen steigende Umsatzzahlen erwarteten, ist mittlerweile für nur noch 37 Prozent der Groß- und Außenhändler die Umsatzaussicht positiv. 38 Prozent der Unternehmen befürchten sogar Umsatzeinbußen.

"Diese Entwicklung drückt voll auf die Beschäftigung. In diesem Jahr ist die Beschäftigungsprognose bereits für ein Viertel der Unternehmen rückläufig." Im Januar hatte der BGA ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent prognostiziert. Börner: "Dafür hätte die Politik wirtschaftsbelebende Signale setzen müssen. Positive Signale an die Märkte sind weitgehend ausgeblieben, negative Signale - wie die Verschärfung des Betriebsverfassungsgesetzes oder der Rechtsanspruch auf Teilzeit - wurden fortgesetzt. Wir sehen daher für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 1,3 Prozent."

Als Hauptursache für die konjunkturelle Eintrübung nennen die Unternehmen eine zu hohe Steuer- und Abgabenlast, 83 Prozent sehen darin ein starkes Konjunkturhemmnis. Als zweitstärkstes Hemmnis wird die Überregulierung des Arbeitsmarktes (73 Prozent) genannt. Die bisherige Wirtschaftspolitik der Bundesregierung sehen zwei Drittel der Befragten auf Platz drei bei den Konjunkturhemmnissen.

Die Reformfähigkeit der Bundesregierung wird sehr gering eingestuft. Nur fünf Prozent der Unternehmen halten die Reformfähigkeit vom Kabinett Schröder für hoch. 53 Prozent der Groß- und Außenhändler sehen sie als niedrig an. Mit einer ‚Politik der ruhigen Hand’ sei die konjunkturelle Fehlentwicklung nicht korrigierbar. "Stattdessen brauchen wir eine Politik mit kühlem Kopf und konsequenter Marktöffnung", forderte BGA-Präsident Börner.

Als Sofortmaßnahme zur Konjunkturbelebung schlagen die befragten Groß- und Außenhändler ein Senken der Steuer- und Abgabenlast (87 Prozent) vor. "Der gordische Knoten wurde in der Steuerpolitik noch nicht durchgehauen. Um Konjunktur und Kaufkraft zu steigern, brauchen wir eine noch niedrigere Steuerbelastung für Personengesellschaften und ihre leistungsfähigen Mitarbeiter. Ziel sollte dabei sein: Ein Drittel für den Staat, zwei Drittel für die Leistungsträger. Im Ergebnis muss ein Spitzensteuersatz von 33 Prozent angestrebt werden", schlug Börner vor. Dabei hob Börner ausdrücklich hervor, dass es zu der konsequenten Haushaltskonsolidierung von Bundesfinanzminister Eichel keine Alternative gäbe.

Darüber hinaus sehen 74 Prozent der Betriebe starke Belebungseffekte durch eine Flexibilisierung des Arbeitsrechtes. "Eine Flexibilisierung des Arbeitsrechtes senkt Kosten und macht den Standort Deutschland für in- und ausländische Investitionen attraktiver. Wir brauchen eine Umkehrung der Kapitalströme nach Deutschland. Um für internationale Investoren ein beliebter Standort zu werden, muss vor allem der deutsche Arbeitsmarkt dereguliert werden", sagte Börner.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit suchen Groß- und Außenhändler händeringend qualifizierte Mitarbeiter. 56 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierte Facharbeiter zu finden. In Süddeutschland liegt diese Quote sogar bei 64 Prozent.

Dem Bündnis für Arbeit trauen 79 Prozent der Unternehmer nicht zu, beim Abbau der Arbeitslosigkeit einen Beitrag zu leisten. "Durch überzogene Forderungen der Gewerkschaften sehen 65 Prozent der Unternehmer die Verhandlungen im Bündnis für Arbeit als derart vorbelastet an, dass eine produktivitätsorientiertere Lohnpolitik außer Reichweite erscheint. Die Gewerkschaften betreiben eine Form der Besitzstandswahrung, die auf Investoren im In- und Ausland zusätzlich abschreckend wirkt", erklärte Börner. Zudem hob er hervor, dass jetzt auch in der Regierungskoalition Konzepte diskutiert würden, um die Anreize zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen. "Die Realisierungschancen für eine stärker aktivierende Arbeitsmarktpolitik sind angesichts der schleppenden Konjunktur und durch ähnliche Forderungen der Parteien besser als jemals zuvor. Die Bundesregierung sollte noch vor der Bundestagswahl sichtbare Zeichen für neue Beschäftigungsanreize setzen", sagte BGA-Präsident Börner in Berlin.

Volker Tschirch | ots

Weitere Berichte zu: Außenhandel Groß- und Außenhandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigungsausblick verbessert sich
26.02.2020 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung wächst weiter
28.01.2020 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Riesiger 3D-Drucker soll tonnenschwere Getriebeteile aus Stahl fertigen

27.02.2020 | Maschinenbau

Immunologie - Rachenmandeln als Test-Labor

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Pestizide erhöhen Risiko für Tropenkrankheit Schistosomiasis / Belastete Gewässer fördern Zwischenwirt des Erregers

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics