Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vor- und Nachteile dualer Ausbildungsgänge - ein internationaler Vergleich

01.08.2001


Das deutsche duale System der Berufsbildung unterscheidet sich wesentlich von fast allen anderen europäischen Berufsbildungssystemen: Deutschland verfügt über eine Tradition des Lernens durch Arbeit, während in anderen Staaten der Europäischen Union schulische Ausbildungsgänge den beruflichen Qualifizierungsprozess junger Menschen bestimmen. In jüngster Zeit kann allerdings festgestellt werden, dass das arbeitsintegrierte Lernen in Europa auf immer größeres Interesse stößt - duale Ausbildungsansätze gewinnen in vielen Mitgliedstaaten der EU an Bedeutung. Eine internationale Vergleichsstudie, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen des europäischen Aktionsprogramms LEONARDO gemeinsam mit Forschungseinrichtungen aus Spanien, Finnland, Italien und Großbritannien durchführte, hat die Vorzüge und Nachteile dualer Ausbildungsmaßnamen in Finnland, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden am Beispiel der Berufsausbildung im Baugewerbe untersucht. Ziel des Projekts war, zu prüfen, inwieweit duale Ausbildungsgänge in den sechs untersuchten Ländern in der Lage sind, den neuen ökonomischen und strukturellen Anforderungen zu entsprechen, um aus den Ergebnissen Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Berufsbildungssysteme zu ziehen.

Die Befragung der nationalen Experten wie insgesamt die europäische Vergleichsbefragung zeigen: Das zentrale Problem der meisten europäischen Länder ist, Ausbildungsangebote hinreichend am Bedarf der Unternehmen zu orientieren und technisch-organisatorische Veränderungen der Arbeitswelt in die Ausbildung einfließen zu lassen. Das Duale System in Deutschland hingegen leidet - aus der Sicht deutscher Experten - am meisten unter seiner Konjunkturabhängigkeit.

Die nachfolgende Übersicht dokumentiert eine Rangliste der Vor- und Nachteile dualer Ausbildungsmaßnahmen (in Europa) bzw. des Dualen Systems (in Deutschland), wie sie sich aus den Befragungen im Rahmen der Studie ergeben. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es bei einer Ergänzung schulischer Systeme durch betriebliche Lernprozesse gemeinsame Vor- und Nachteile im Vergleich zum deutschen dualen System gibt.

Rangliste der Vor- und Nachteile "dualer" Ausbildungsmaßnahmen aus international vergleichender Sicht

Vorteile

  1. Mix der Lernorte wird durch Praxiserfahrungen in positiver Weise erweitert
  2. Kenntnisse der Ausbilder über die neuesten technischen Entwicklungen werden aktualisiert
  3. Sozialparteien haben größere Möglichkeiten bei der Mitgestaltung der Ausbildung
  4. Produktive Arbeit der Jugendlichen wirkt motivierend auf die Auszubildenden und kostensenkend auf die Ausbildungsbetriebe
  5. Überbetriebliche Ausbildungsstätten als zusätzliche Lernortträger können Defizite des Lernens in der Praxis ausgleichen

Nachteile

  1. Konjunkturabhängigkeit betrieblicher Ausbildungsangebote schafft Probleme
  2. Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Curricula, wenn der Arbeitsplatz nur begrenzte Lernmöglichkeiten bietet
  3. Technische Veränderungen, die sich auf die Ausbildung auswirken, werden in Betrieb und Schule in unterschiedlicher Geschwindigkeit umgesetzt ("Lag")
  4. Heterogenität bei den Lernangeboten der Betriebe führt zu qualitativen Problemen bei der Ausbildung

 

Rangliste der Vor- und Nachteile des "Dualen Systems" in Deutschland aus Sicht deutscher Experten

Vorteile

  1. Rekrutierung eigener Fachkräfte durch Ausbildung bringt den Betrieben Vorteile (keine Stellenausschreibungen, kein Risiko bei der Stellenbesetzung, keine Einarbeitung, etc.)
  2. Lernortmix hat positive Auswirkungen auf die Ausbildung
  3. Qualität der Ausbildung ergibt sich aus dem Kompromiss zwischen betriebs- und berufsspezifischer Qualifizierung
  4. Hohe gesellschaftliche Akzeptanz der Ausbildung, dadurch positives Image ausbildender Betriebe
  5. Kostenreduktion der Betriebe durch produktive Leistungen der Auszubildenden
  6. Anpassungsdruck auf die Schulen, weil sie sich den Erfordernissen der Praxis stellen müssen
  7. Breit akzeptierte qualitative Mindeststandards
  8. Übergang von der Ausbildung in den Beruf ("zweite Schwelle") wird erleichtert

 

Nachteile

  1. Ausbildungsmarkt deckt nicht immer die Ausbildungsnachfrage
  2. Ausbildung ist qualitativ und quantitativ abhängig von der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
  3. Staat muss die Ausbildung kofinanzieren, ohne sie steuern zu können
  4. Kooperationsdefizite zwischen Lehrern und betrieblichen Ausbildern
  5. Großer formaler Aufwand zur Sicherung der Systeminfrastruktur
  6. Durchgängigkeit zwischen Aus- und Weiterbildung ist nicht gewährleistet

 


Die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie sind dokumentiert in der von Uwe Grünewald und Dick Moraal herausgegebenen Veröffentlichung "Duale Ausbildungssysteme. Institutionelle Rahmenbedingungen und Leistungsfähigkeit der dualen Ausbildung im Baugewerbe". Die Veröffentlichung ist zum Preis von DM 35,- zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: bestellung@wbv.de

Dr. Ilona Zeuch-Wiese | idw

Weitere Berichte zu: Ausbildungsmaßnahme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Boom der deutschen Wirtschaft derzeit wahrscheinlicher als eine Rezession
19.09.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht KMU haben die "Generation 50+" fest im Blick
29.08.2018 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bei Depressionen ist Hirnregion zur Stresskontrolle vergrößert

20.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Was Einstein noch nicht wusste

20.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics