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BGA zur Außenhandelskonjunktur 2004 und 2005: Deutschland bleibt Exportweltmeister

21.10.2004

Deutschland bleibt Exportweltmeister, Import sichert 3,6 Millionen Arbeitsplätze

"Deutschland bleibt aller Voraussicht nach auch 2004 Exportweltmeister. Ein durchaus bemerkenswerter Titel, der aber insofern relativiert werden muss, als er nur den Warenhandel und eben nicht den Handel mit Dienstleistungen mit einbezieht, wo die USA klar die Nase vorn haben. Unser Weltmarktanteil bei den Exporten, der im Vorjahr bei 10,3 Prozent lag, wird sich in etwa stabilisieren - ein großer Erfolg angesichts des immensen Wachstums alleine der chinesischen Ausfuhren, die einen immer größeren Anteil des Kuchens beanspruchen." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels e.V. (BGA), anlässlich der heutigen BGA-Pressekonferenz zur Außenhandelskonjunktur.

"Der deutsche Außenhandel behauptet sich auch unter schwierigen Bedingungen auf den Weltmärkten. Trotz ungünstiger Wechselkursrelationen und steigender Rohstoff- und Energiepreise rechnen wir 2004 mit einem Anstieg der Exporte um 9,5 Prozent auf 725 Milliarden Euro. Die Importe werden voraussichtlich um 6,5 Prozent auf 567 Milliarden Euro zulegen können. Hieraus errechnet sich ein neuer Rekordüberschuss im Außenhandel von 158 Milliarden Euro", so Börner.

"Auch 2005 wächst der Außenhandel, wenn auch mit leicht vermindertem Tempo. Für die Ausfuhren sehen wir 2005 eine Zunahme von 7,0 Prozent auf ein Volumen von 776 Milliarden Euro, die Einfuhren werden um 6,5 Prozent auf 604 Milliarden Euro ansteigen. Klar erkennbar sind Signale für eine gewisse Abschwächung des weltweiten Wachstums im nächsten Jahr. Ursache hierfür sind insbesondere die anziehenden Preise für Rohstoffe und Energie. Hinzu kommen absehbare wachstumsbremsende Maßnahmen in den USA und China, so dass der Welthandel 2005 nur noch um 5-6 Prozent zulegen wird", so der BGA- Präsident.

"Während der Außenhandel boomt, dümpelt die Binnenwirtschaft weiterhin als europäisches Schlusslicht vor sich hin. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent. Wir sehen keine Anzeichen für eine Belebung im Bausektor und bei der Konsumnachfrage. Für die Gesamtwirtschaft sehen wir im Jahr 2005 daher auch nur noch ein Wachstumspotential von maximal 1,5 Prozent", erklärt Börner. Die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung in den USA im Schatten des Defizits herrsche weiter vor. Zwar habe der starke Euro die Exporte in den Dollarraum nicht in die Knie gezwungen, er beeinträchtige jedoch die Exportchancen. Konjunkturelle Impulse seien jedenfalls aus dem US-Geschäft auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Positiv für die deutsche Exportwirtschaft bleibe insbesondere die rasante Entwicklung auf den Wachstumsmärkten. Der Handel mit Mittelosteuropa wachse weiter überproportional. Die deutschen Exporte in die Region seien um fast 14 Prozent in der ersten Jahreshälfte gestiegen. Ungebrochen bleibe der Aufschwung in Asien, allein die Ausfuhren nach China hätten von Januar bis Juni um 27 Prozent zugenommen. Auch das Russlandgeschäft boome. Im Zuge der Einnahmen aus dem Ölgeschäft steige die russische Importnachfrage, die deutschen Exporte in das Land seien in der ersten Jahreshälfte um 24 Prozent gestiegen.

"Das langfristige strategische Engagement deutscher Unternehmen in Russland zahlt sich jetzt aus. Wir sind auf diesem wichtigen Wachstumsmarkt als größter Handelspartner in der Pole Position. Die bevorstehende Aufnahme des Landes in die WTO wird durch die damit verbundenen Fortschritte bei Rechtssicherheit und Liberalisierung noch zusätzlich für Dynamik sorgen", so Börner.

"Im Zuge der weltweiten Arbeitsteilung wird der Zusammenhang zwischen Ein- und Ausfuhren immer enger. Zunehmend stellen deutsche Industrieunternehmen die Vorprodukte ihrer Exportgüter im Ausland her. Diesen Sachverhalt mit dem Begriff ’Basarökonomie’ zu diskreditieren, ist polemisch und geht an der Sache vorbei. Die Ausfuhren tragen überdurchschnittlich stark zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei, die hohen Steigerungsraten beim Export machen bei weitem den Rückgang des inländischen Anteils an den exportierten Waren wieder wett. Auch die jüngst steigenden Weltmarktanteile Deutschlands weisen in diese Richtung. Oft ist die Rede von Arbeitsplatzverlusten als Folge der Verlagerung von Produktion. Viel zu wenig ist hingegen die Rede von den schätzungsweise 3,6 Millionen Arbeitsplätzen, die der Import in Deutschland sichert!

Nun müssen wir allerdings Rezepte entwickeln, um die Globalisierungsdividende optimal zu nutzen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir technologischen Vorsprung. Dies gelingt in Deutschland leider nur schleppend. Grund sind die allgegenwärtigen Rigiditäten wie ein zu starres Arbeitsrecht, die überbordende Bürokratie und vor allem zu hohe Abgaben. Außerdem heißt es Abschiednehmen von der Ökoillusion der vergangenen Jahre und sich mit Begeisterung auf neues Terrain zu begeben. Deutschland braucht Spitzenplätze bei der Gen- ,Bio- und Nanotechnologie. Auch um die Stammzellenforschung müssen wir uns aktiv kümmern. Der Wiedereinstieg in die Kernenergie wird angesichts der Energiefrage unverzichtbar", so der BGA-Präsident abschließend.

Jens Nagel | BGA
Weitere Informationen:
http://www.bga.de

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