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Weltweite Abhängigkeit der Versicherungsbranche von ihren Kapitalanlageerträgen

28.11.2003

Deloitte Umfrage ergibt: Fast 80 % sehen in der Abhängigkeit Risiken - Der Weg in die Rentabilität führt über das verbesserte Kerngeschäft

Nachdem auf den Kapitalmärkten jahrelang niedrige Zinssätze und Volatilität vorherrschten und insbesondere die Versicherungsunternehmen unter den Rückgängen der Aktienmärkte litten, schenkt die Managementebene internationaler Unternehmen ihre Aufmerksamkeit wieder verstärkt den Grundlagen des Versicherungsgeschäfts und weniger der Vermögensverwaltung. Die Rückbesinnung gilt vor allem für deutsche Versicherer, litten sie in der Vergangenheit doch am stärksten unter dem mit anderen wichtigen Indizes verglichenen gewaltigen Kursrutsch des DAX. 79 Prozent der Führungskräfte in Versicherungsunternehmen glauben inzwischen, dass die Branche zu stark von den Erträgen aus Kapitalanlagen abhängt. Gleichzeitig sind 86 Prozent der Meinung, die Stärkung ihres Kerngeschäfts sei der beste Weg zu einer steigenden Rentabilität.

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Dieses Ergebnis erbrachte eine aktuelle Umfrage von Deloitte & Touche unter 80 Führungskräften aus dem oberen Management der Versicherungsbranche. Darunter befinden sich 8 der Top 12 Versicherer und 16 der Top 50. Die Studie fragte nach den wichtigsten Herausforderungen, denen sich die Versicherer im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld gegenüber sehen. Ein Drittel der Branchen-Befragten hat seinen Sitz in Europa.

Laut Deloitte setzt die ganze Branche Ihre Priorität auf verbesserte Risikoeinschätzungen und Schadenabwicklung, zuverlässigere Risiko-Informationen und strengere Kontrollen.

"Das Umfrageergebnis bestätigt, dass die Versicherer die Rentabilitätserzielung des Kerngeschäfts wieder in den Mittelpunkt Ihres Interesses gerückt haben", so Dieter Garlik, Director im Versicherungspractice von Deloitte München. "Seitdem vielen Unternehmen die Kapitalanlageerträge fehlen, mit denen sie früher die versicherungstechnischen Verluste ausgleichen konnten, erkennen sie, dass einige ihrer Verfahrensweisen überholt sind. Ich glaube, die Konzentration auf das Kerngeschäft wird auch nach einer Erholung der Kapitalmärkte anhalten", so Garlik weiter. "Die aktuelle Situation in Deutschland, so wie sie sich über die letzten Jahre entwickelte, wird sich durch die Konzentration auf das Kerngeschäft nicht mehr wiederholen."

Deloitte fand heraus, dass Versicherungsmanager nicht glauben, sie können ihr Geschäft allein durch höhere Prämien voranbringen. Tatsächlich sagen nur elf Prozent, Prämien seien der effektivste Weg zur Steigerung der Nettogewinne. Dennoch räumen viele ein, dass Prämien angehoben würden, um fehlende Gewinne auf der Vermögensseite auszugleichen. Die Mehrheit der Befragten ist sich jedoch einig, dass nur bessere Risikoselektion und folgerichtige Tarifierung den Erfolg bringen kann und 61 % wollen dies umgehend umsetzen.

Daneben identifizierten die Manager die Kostenkontrolle als wesentlichen Punkt für die Rentabilität. Mehr als drei von vier (76 Prozent) der Befragten aus dem Bereich Lebensversicherung und 68 Prozent aus dem Bereich Schadensversicherung antworteten, die verbesserte Kostenkontrolle sei ein effektiver Weg zur Steigerung des Nettogewinns. 57 Prozent der Befragten sind der Meinung, ständig wachsende Kosten seien viel problematischer als geringere Kapitalanlageerträge.

Dieter Garlik erklärt: "Es gibt vier Bereiche, auf die die Branche ihre Anstrengungen zur Verbesserung der Ergebnisse konzentriert: verbesserte Qualität bei der Risikoübernahme, verbesserte Abläufe in der Schadenbearbeitung, besseres Management der Risiken, die aus sinkenden Kapitalanlageerträgen entstehen und die Entwicklung eines verbesserten Kontroll- und Berichtswesens - sowohl operational als auch finanziell."

Bezüglich der vier Kernbereiche hat die Umfrage Folgendes ergeben:

- 67 Prozent der Befragten schätzen den verbesserten Informationsstand in Bezug auf Risiken als den wichtigsten Faktor bei der Optimierung der Risikoübernahme ein. Mehr als drei von fünf Managern (61 Prozent) sagen, ihr Unternehmen strebe im kommenden Jahr eine verbesserte Risikoinformation an. Sie glauben ausserdem, eine detailliertere Risikobewertung wäre nötig, da diese die feinere Einteilung in Risikoklassen ermögliche. Viele Versicherungsunternehmen überarbeiten ihre Fragenkataloge, um die Risikobewertungen besser auf Einzelpersonen und Unternehmen abstimmen zu können.

- Nur 15 Prozent der befragten Manager bewerten ihre Abläufe bei der Schadenbearbeitung mit "sehr gut". Weniger als die Hälfte glaubt, ihre Abläufe sind "gut". Der Rest meint, sie seien "mittelmäßig". Obwohl eine deutliche Mehrheit den Einsatz von neuen Technologien, wie es die Krankenversicherer bereits vorgemacht haben, für erfolgversprechend hält, gibt nur ein Viertel aller Befragten an, dass ein größeres Projekt zur Kosteneinsparung in der Schadenbearbeitung ansteht.

- Weniger als ein Viertel der Befragten (23 Prozent) behauptet, die interne Kontrollumgebung ihres Unternehmens sei "stets zuverlässig". Weitere 24 Prozent räumen allerdings ein, dass interne Kontrollen häufig unzuverlässig seien.

- Alle Befragten aus dem Versicherungssegment Rentenversicherung gaben an, dass der Vertrieb bei der Rentabilität ihres Unternehmens eine große Rolle spiele. Dieser Aussage stimmen in 93 Prozent der befragten Lebensversicherer und 86 Prozent der Befragten aus dem Segment Sach- und Schadensversicherungen zu. Fast 60 Prozent aller Befragten ziehen die Bildung strategischer Allianzen in Betracht, um die Vertriebskanäle zukünftig zu erweitern.

Laut Dieter Garlik schätzen nur vier Prozent der Befragungsteilnehmer die Bedingungen in den jeweiligen Sektoren als "sehr gut" ein: "Dieses pessimistische Ergebnis unterstreicht die dringende Notwendigkeit für Versicherungsunternehmen, ihren Schwerpunkt wieder dahin zu verlagern, wo er hingehört: Zurück auf das Versicherungsgeschäft."

Antonia Wesnitzer | Deloitte & Touche
Weitere Informationen:
http://www.deloitte.de

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