Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studentisches Wissen für junge Unternehmen

19.03.2001


"Innovationswerkstatt" der TU Berlin schließt die Lücke zwischen Ausbildung und Praxis und verhilft damit jungen Technologiefirmen zu Marketingkonzepten

Ein Kreis, der sich geschlossen hat. Vor wenigen Jahren studierte ein leitender Angestellter des Flugzeugherstellers Stemme GmbH in Strausberg noch selbst am Institut für Betriebswirtschaftslehre/Marketing I und nahm an der "Innovationswerkstatt" teil. Nun entwickelt die nächste Generation von Studierenden ihm ein Vertriebskonzept für ein neuartiges Modul-System zum Flugzeugbau. Günstig für beide Seiten: Die Studenten proben "den Ernstfall" und das Unternehmen rückt seinem Ziel vielleicht ein Stück näher: In einem Jahr will es doppelt so viele Segelflieger wie bisher verkaufen.

Schon seit über 15 Jahren ist die "Innovationswerkstatt" des Fachbereichs Wirtschaft und Management der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Trommsdorff erfolgreich. Ein bewährtes Konzept, das doch immer wieder Neues bietet. Das verrät schon der Name. In Zusammenarbeit mit jungen Technologiefirmen qualifiziert die vierwöchige Blockveranstaltung Studierende aus Wirtschaft, Naturwissenschaft und Technik im Hauptstudium für die Vermarktung neuartiger, technischer Produkte und führt sie in typische Abläufe des Innovationsmanagements ein.

Projektpartner sind kleine und mittlere Unternehmen, meist aus den Branchen Mess- und Regeltechnik, Umwelttechnik, Medizintechnik, Informations- und Medientechnik. Viele dieser kleinen Technologiefirmen haben gute Techniken und Produkte entwickelt. Was ihnen fehlt, sind die notwendigen Marketingkompetenzen, also Kenntnisse über Märkte, Methoden der Marktforschung, Käuferverhalten und betriebswirtschaftliche Planungsmethoden. Hier bietet sich den Studierenden die Möglichkeit, unter realistischen Bedingungen wie Fristen, Ergebnisdruck und Arbeiten in einem Team aus unterschiedlich ausgebildeten Leuten professionelles Projektmanagement zu trainieren. Die Unternehmen stellen Material zur Verfügung und sie stellen Fragen, die als Zielvorgabe formuliert werden: Wie kann ich mein Produkt am effektivsten verkaufen? Welche Anforderungen stellt eigentlich der Kunde? Welchem Wettbewerb bin ich mit meinem Unternehmen auf den Absatz- und Beschaffungsmärkten ausgesetzt? Eine Woche haben die Studenten Zeit, sich Basiswissen anzueignen. Strategische Marketingplanung, Marktforschung und Kostenrechnung stehen genauso auf dem Programm wie Präsentationstechniken, Teamarbeit und Projektmanagement. Außerdem beschäftigen sie sich bereits mit ihrem speziellen Projekt, das von Vertretern des kooperierenden Unternehmens vorgestellt wird.

In den drei folgenden Wochen wird acht Stunden am Tag telefoniert, gefaxt, im Internet geforscht, es werden Daten erhoben, interpretiert, dokumentiert und präsentiert. Ergebnis ist eine strategische Analyse und Empfehlung zur Markteinführung, zu Kommunikation und Vertrieb, zu Preis- und Produktgestaltung. Sie gibt dem Unternehmen wertvolle Hinweise für sein weiteres Vorgehen. Im Gegenzug stattet das Unternehmen die Studenten mit dem notwendigen Material aus und übernimmt Kosten für Telefonate, Faxe, Porto und ähnliches. Bislang entstanden pro Unternehmen maximal Kosten von 10.000 DM wie die beiden Diplom-Kaufleute Robert Knack und Jens Gärtner vorrechnen. Sie sind wissenschaftliche Mitarbeiter und Assistenten von Prof. Trommsdorff und leiten das aktuelle Projekt der Innovationswerkstatt. "Das Training ist hart und fordert die Studenten manchmal bis an die Grenze der Erschöpfung", verraten die beiden Wissenschaftler. Das sei auch der Grund für das aufwändige Bewerbungsverfahren. "Wir müssen natürlich sichergehen, dass die Kandidaten motiviert und zuverlässig genug sind, die vier Wochen harter Arbeit durchzuhalten. Schließlich wollen wir unserem Projektpartner greifbare Ergebnisse präsentieren. Außerdem müssen wir den sorgfältigen Umgang mit Betriebsinterna gewährleisten." Auf diese Weise hat aber auch das Unternehmen die Sicherheit, dass man es mit leistungsstarken Studenten zu tun hat. So manche Firma hat daraufhin einzelnen Studenten schon Praktikum oder Job angeboten.

Und noch etwas macht die Innovationswerkstatt für Studenten attraktiv. Astrid Lemke, 27, Studentin der Umweltschutztechnik, arbeitet normalerweise in den Semesterferien. Für die "Innowerkstatt" hat sie jedoch vier Wochen Geldverdienen hergegeben: "Das konzentrierte, tägliche Arbeiten an einem Problem ist enorm effektiv. Man nimmt den Stoff viel intensiver auf und orientiert sich stärker auf ein Ergebnis hin, als wenn man sich ein Semester lang einmal die Woche dem Thema widmet". Über Segelflieger hat sie auch ganz viel gelernt.
Patricia Pätzold-Algner


Das aktuelle Managementprojekt läuft noch bis zum 24. März 2001. Interessierte Unternehmen und Studenten erhalten Informationen über: Prof. Dr. Volker Trommsdorff, TU Berlin, Lehrstuhl Marketing I, Fachbereich Wirtschaft und Management, Projekt Innovationsmanagement, Wilmersdorfer Str. 148, 10585 Berlin, Tel.: 030/314-22266 (Sekr.) und Dipl.-Kfm. Robert Knack, Tel.: 030/314-21662 und Dipl.-Kfm. Jens Gärtner, Tel.: 030/314-23969, E-Mail: info@innowerkstatt.de, Internet: www.innowerkstatt.de

Ramona Ehret | idw

Weitere Berichte zu: Innovationsmanagement Marktforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung wächst weiter
28.01.2020 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Krisenrisiko Nummer 1: Unerwartete Liquiditätsengpässe
08.01.2020 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics