Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Börsen-Berichte haben kaum Mehrwert für Kleinanleger

11.06.2008
Kommunikationswissenschaftler der Universität Jena zur Rolle der Medien am Aktienmarkt

Vor einem Jahrzehnt kletterten die Börsen-Indizes weltweit in enorme Höhen. Auch Dax oder Nemax erreichten Anfang 2000 ihre bis dahin höchsten Notierungen. Zugleich gab es immer mehr Medienangebote zum Börsengeschehen und Aktienhandel.

Spätestens mit dem Börsengang der Telekom-Aktie schien auch in Deutschland jeder Kleinanleger mit etwas Glück ordentliche Gewinne am Aktienmarkt erzielen zu können. Dieser Optimismus war spätestens im Frühjahr 2000 einer erheblichen 'Katerstimmung' gewichen.

Ungeachtet dessen halten sich bis heute viele Anlegermagazine, Börsensendungen im Fernsehen und Finanzportale im Internet. Gerade für unkundigere Kleinanleger scheinen sie wertvolle Informationen und Anlagetipps zu liefern. Prof. Dr. Bertram Scheufele vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Jena hat die Rolle solcher Medienangebote am Aktienmarkt untersucht. Die Ergebnisse hat er gemeinsam mit Alexander Haas von der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Publikation "Medien und Aktien" vorgelegt, die gerade im VS-Verlag erschienen ist.

Die beiden Kommunikationswissenschaftler betrachten in ihrem Buch den Zusammenhang zwischen der Aktienberichterstattung der Medien und den Aktienkursen und Handelsvolumina börsennotierter deutscher Unternehmen in den Jahren 2000 und 2005. Die ausgewählten Unternehmen (u. a. Consumer Electronics, DaimlerChrysler, EM.TV, Lufthansa, Mobilcom) stehen für verschiedene Branchen und unterscheiden sich in diversen Kennwerten (z. B. Volatilität, KGV).

Im ersten Schritt haben die Wissenschaftler untersucht, wie Printmedien, Börsensendungen im Fernsehen (z. B. Börse im Ersten) und Finanz-Portale im Internet (z. B. Onvista) über die Unternehmen und deren Aktien berichteten. Diese Ergebnisse wurden im zweiten Schritt mit Hilfe einer Zeitreihenlogik in einen zeitlichen Zusammenhang mit Aktienkursen und Handelsvolumina im deutschen Aktienhandel gebracht.

Scheufele und Haas zeigen, dass die Medienberichterstattung - im Gegensatz zu Medienwirkungen im politischen Bereich - nur unter ganz bestimmten Bedingungen eine - selbst dann nur mäßige - Auswirkung auf das Handelsvolumen haben kann. "Zu den 'günstigen' Bedingungen gehört etwa, dass Medien umfangreich und einheitlich berichten und gerade unkundige Kleinanleger, die sich davon leicht und direkt beeinflussen lassen, einen relativ hohen Anteil unter allen Anlegern des Wertpapiers stellen", nennt Scheufele als Beispiel. Aktienkurse werden dagegen medial (fast) nicht beeinflusst, so die beiden Kommunikationswissenschaftler.

Meist reflektiere die Berichterstattung nur den Kursverlauf. Zwar würden auch professionelle Anleger bei manchem 'Medienhype' einen Herdentrieb unter anderen Anlegern vorwegnehmen, diesen Trend ausnutzen oder ihn 'brechen' (z. B. "sell on good news"). "Allerdings überlagern sich direkte und indirekte Medieneffekte auf 'Börsen-Profis' und 'Börsen-Laien' in so vielfältiger Weise, dass sie im Aktienkurs gar nicht mehr messbar sind", resümiert Scheufele. Dem Glauben, man könne als Kleinanleger aus Medieninformationen Gewinne am Aktienmarkt erzielen, erteilen die Jenaer Forscher in der neuen Publikation zumindest eine Absage.

Bertram Scheufele, Alexander Haas: Medien und Aktien. Theoretische und empirische Modellierung der Rolle der Berichterstattung für das Börsengeschehen. Wiesbaden 2008: Verlag für Sozialwissenschaften. Preis: 44,90 Euro, ISBN-10: 3531157515 / ISBN-13: 978-3531157511

Kontakt:
Prof. Dr. Bertram Scheufele
Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944939
E-Mail: Bertram.Scheufele[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Aktienkurs Kleinanleger Kommunikationswissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Straturity Human Capital Self-Assessment - Neues Instrument zum Überprüfen der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen
11.05.2020 | time4you GmbH

nachricht Jobbörsen vergleichen: Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer immer wichtiger
11.03.2020 | PROFILO Rating-Agentur GmbH Lars Müller

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics